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Ausgerechnet bei diesen WörternKölsch-Patzer bei XXL‑Graffiti am Neumarkt

Aktualisiert:

Timothy Goodman bemalt eine Kölner Hostel-Fassade. Auch kölsche Wörter sind dabei – zwei musste er nachbessern.

Schwarze Linien, tanzende Figuren, wilde Schriftzüge: Seit Montag erobern sie die weiße Wand des a&o Hostels Köln Neumarkt. Wer in den letzten Tagen über den Mauritiuswall gelaufen ist, dürfte große Augen gemacht haben.

Der Mann dahinter heißt Timothy Goodman, ist Künstler und kommt aus New York. Von einer Hebebühne aus verwandelt er rund 800 Quadratmeter Fassade. Er malt ohne Schablone, komplett freihand. Der Look erinnert an Graffiti und ist eine Verbeugung vor Pop-Art-Ikone Keith Haring. Der Titel des Werks lautet „People Love People“. Die Botschaft: Zusammenhalt, leben und leben lassen. In der Pressemappe wird Goodman so zitiert: „Das ist für die ganz normalen Menschen in Köln, von jemandem aus New York, und es wird online für die ganze Welt zu sehen sein. Wir sind alle durch Liebe verbunden.“

Erst Malerpinsel, dann Weltkarriere: Goodmans Weg an die großen Wände

Aufgewachsen ist der 44-Jährige in Cleveland. Bevor er Kunst studierte, schuftete er drei Jahre lang als Anstreicher. Rückblickend sagt er: „Ich schätze, ich habe mich mein ganzes Leben auf riesige Wände vorbereitet.“

Und diese Vorbereitung hat sich gelohnt. Über 250 Wandbilder gehen inzwischen auf sein Konto. Auf seiner Kundenliste stehen Namen wie Apple, Nike, Uniqlo, Tiffany & Co. und die New York Times. Basketballstar Kevin Durant trägt einen Nike-Schuh, den Goodman entworfen hat. Trotzdem ist Köln eine Premiere: Nirgendwo sonst in Deutschland hat er bisher eine Fassade gestaltet.

Den Kontakt eingefädelt hat Kunstberaterin Tanja Heuchele. Kennengelernt hatten sich die beiden 2025 auf einem Festival im mexikanischen Mérida. Heuchele war bereits mit a&o im Geschäft – und wusste, dass Goodman auf XXL-Wandbilder spezialisiert ist. Der Rest ging fast von allein, wie der Künstler erzählt: „Ich habe ein paar Ideen gepitcht und Entwürfe am Computer gemacht, sie wurden genehmigt, und jetzt bin ich hier.“

Ganz so flott lief es dann aber doch nicht. Mehr als ein Jahr habe es gedauert, bis die Stadt grünes Licht gab, berichtet Goodman. Das Malen selbst? Ein Klacks dagegen. Etwa drei Tage brauchte er nach eigenen Worten – ausgebremst hat ihn vor allem die Hebebühne. Am Donnerstagabend um 19 Uhr soll das Kunstwerk fertig sein.

22.10.2026 Köln. Der New Yorker Künstler Timothy Goodman gestaltet mit seinem Werk „People Love People“ die Fassade des a&o Hostels Köln Neumarkt. Foto: Alexander Schwaiger

Copyright: Alexander Schwaiger

Kölle, Büdchen, Jeck: Wie ein riesiges Suchbild wirkt das Werk des New Yorker Künstlers Timothy Goodman am a&o Hostels am Köln Neumarkt. Foto: Alexander Schwaiger

Berlin kennt er, Hamburg auch, und Deutschland liebt er sowieso. Nur in Köln war Goodman noch nie – bis jetzt. Sein Fazit nach den ersten Tagen fällt freundlich aus: „Es ist ruhig, die Leute sind sehr nett, das Museum ist toll und es wirkt wie eine lebendige Gemeinschaft.“ Lustig: Manche halten ihn glatt für einen Deutschen. Goodman lacht darüber und beschreibt sich selbst als „ein großer weißer Typ, der hier herumläuft und aussieht, als käme er aus der Gegend.“

Kölsch-Patzer an der Fassade: „Auf Englisch vertue ich mich auch ständig“

Und dann kam der Moment, in dem Kölner Augen hängen blieben. Damit sich das Bild richtig nach Heimat anfühlt, hat Goodman kölsche Wörter eingebaut. Zwei davon landeten erst mal leicht schief an der Wand: Da stand „Veddel“ statt „Veedel“ – und „Klaff“ statt „Klaaf“. Mittlerweile sind beide Patzer ausgebessert.

„Veddel“ und „Klaff“ standen kurz an der Wand eines Kölner Hostels.

Copyright: instagram.com/keesches

„Veddel“ und „Klaff“ standen kurz an der Wand eines Kölner Hostels – binnen eines Tages wurden die Patzer professionell ausgebessert.

Peinlich ist ihm das nicht. Goodman erklärt: „Ich arbeite hier mit deutschen Wörtern. Wenn ich zeichne, sind die Buchstaben für mich Formen, keine Wörter. Und auf Englisch vertue ich mich auch ständig.“ Korrekturen seien für ihn ganz normal. Schließlich improvisiere er die meisten Zeichnungen direkt an der Wand.

Gerade dieses Spontane macht für ihn den Zauber von Kunst auf der Straße aus. Kunst dürfe nicht nur denen gehören, die in Museen oder Galerien gehen, findet er. „Öffentliche Kunst holt dich dort ab, wo du bist“, sagt Goodman. Und weiter: „Vielleicht liebst du es, vielleicht hasst du es. Vielleicht fotografierst du es oder lachst über etwas darin. Ich möchte einfach, dass ein Austausch entsteht.“