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Abstimmung in KölnKnappes Ja zu Olympia – im Netz kocht Stimmung hoch

Die Bögen der Hohenzollernbrücke sind am Abend der Olympia-Abstimmung bunt beleuchtet wie Olympiaringe.

Copyright: Martina Goyert

Die Bögen der Hohenzollernbrücke sind am Abend der Olympia-Abstimmung bunt beleuchtet wie Olympiaringe.

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Nach dem knappen Bürgerentscheid brodelt es auf Social Media: Viele Kölnerinnen und Kölner zweifeln daran, dass ihre Stadt reif ist für solch ein Milliardenprojekt.

Nun ist das Ergebnis offiziell, die Bestätigung kam sehr spät in der Nacht.

Erst gegen 3 Uhr morgens stand fest: Köln stimmt mit „Ja“ zur Olympiabewerbung der Region Rhein-Ruhr. 57,39 Prozent stimmten im Bürgerentscheid mit Ja. Das knappste Ergebnis aller Städte – und ein Ergebnis, das die gespaltene Stimmung in der Domstadt widerspiegelt.

Und kaum war das Votum bekannt, wurde in den Kommentarspalten in den sozialen Netzwerken heiß diskutiert – mit einer deutlichen Tendenz: Skepsis und Sorge überwiegen. Die wenigen Optimisten haben es schwer.

Der mit Abstand meistdiskutierte Punkt in den Netzwerken: Kölns marode Infrastruktur. Viele Nutzerinnen und Nutzer fragen sich etwa schlicht, wie eine Stadt, die zuletzt bei einer Fachmesse wie der Fibo an ihre Grenzen stieß, die größte Sportveranstaltung der Welt stemmen soll.

„Nur die Fibo hat Köln lahmgelegt“

Ein Nutzer meint: „Gerade an diesem Wochenende haben wir doch zum wiederholten Male gespürt, dass Köln auch verkehrstechnisch nicht in der Lage ist, so etwas auszurichten. Nur die Fibo hat Köln lahmgelegt und Stadtteile wie Deutz kollabieren durch Falschparker.“

Ein anderer zieht den Vergleich zu den berüchtigten Dauerbaustellen der Stadt und mahnt: „Das wird eine Blamage, die Köln noch nicht erlebt hat. Aber man gewöhnt sich bekanntlich an alles – siehe Nord-Süd-Stadtbahn, der Gesamtzustand bei den KVB im Allgemeinen, die Oper... Lasset das Schauspiel beginnen.“

Und weiter kommt aus den Kommentarspalten grundlegende Kritik an der Planungskompetenz: „Völlige Überschätzung einer Stadt, die es weder auf die Reihe bekommt, im finanziellen und zeitlichen Rahmen normale kommunale Bauten wie Schulen zu errichten, geschweige denn Großprojekte wie Oper, U-Bahnen und Brücken. Und die wichtigen Partner KVB und Bahn haben sich hier bisher auch nicht mit Ruhm bekleckert. Die realistische Gefahr: Ein solches Megaprojekt bindet und lähmt die städtische Verwaltung auf Jahre – für alle wichtigen und längst überfälligen Bauprojekte befürchte ich nichts Gutes.“

Kritik an der Infrastruktur dominiert

Die Stoßrichtung ist klar: Wer sich an die jahrelange Hängepartie rund um die Kölner Oper erinnert, an die KVB-Dauermisere oder die maroden Rheinbrücken, der glaubt kaum daran, dass Köln bis zu einem möglichen Olympia-Zuschlag für 2036, 2040 oder 2044 auf der Höhe der Zeit sein wird.

Nicht nur das Ergebnis sorgt für Zündstoff, sondern auch der Weg dorthin. Dass die Auszählung bis tief in die Nacht dauerte, ließ die Häme in den Netzwerken nicht lange auf sich warten: „Köln will also Leading City bei Olympia sein und benötigt für die Auszählung bis 03:00 in der Nacht. Absolutes Schlusslicht!“ Und ein weiterer Nutzer formulierte trocken, was wohl viele dachten: „Wenn die Auszählung der Stimmen schon so viel länger dauert als geplant, wie würde es dann klappen mit der Fertigstellung all der für Olympia nötigen Infrastruktur?“

„Überwältigend knapp“

Das knappe Ergebnis selbst lässt ebenfalls viele nicht kalt. Ein Kommentar bringt die ambivalente Stimmung auf den Punkt: „Überwältigend knapp ist das Ergebnis schon. Aber Mehrheit ist Mehrheit. Bekommt NRW den Zuschlag, müssen die Kölnerinnen und Kölner sich halt auf harte Einschnitte und weitere Dauerbaustellen einstellen.“

Inmitten der Kritik melden sich auch Stimmen zu Wort, die den deutschen Hang zur Schwarzmalerei anprangern: „Statt wie üblich alles negativ zu sehen – ‚wir blamieren uns‘ und so weiter –, sollte man endlich mal optimistisch rangehen. Kein anderes Land ist so selbstkritisch wie Deutschland“, meint ein User.

Der Blick in die Abstimmungsempfehlungen der Ratsfraktionen zeigt: Auch die Kölner Politik war sich alles andere als einig. Für die Bewerbung sprachen sich SPD und CDU aus – die beiden größten Fraktionen zogen damit an einem Strang.

OB Burmester zeigte sich begeistert – Kritik von der Grünen Jugend

Die Grüne Jugend, Linke und weitere Fraktionen hingegen empfahlen ein „Nein“ und verwiesen dabei auf genau jene Probleme, die nun auch im Netz die Gemüter erhitzen: fehlende Finanzierungsgrundlagen, ungelöste Infrastrukturfragen und die Sorge, dass das olympische Prestigeprojekt dringend notwendige Investitionen in Schulen, ÖPNV und Wohnraum verdrängen könnte. Allein die Grünen in Köln haben keine klare Wahlempfehlung abgegeben, innerhalb der Partei wurde ebenfalls heftig über die Position debattiert. 

„Wir fordern, dass die Stadt Köln sich an das hält, was sie versprochen hat, und das bedeutet: kein weiteres Haushaltsloch, keine sozialen Kürzungen, keine Umweltzerstörung für Olympia, keine teure, unfertige Infrastruktur und keine geklüngelte Auftragsvergabe“, hieß es von der Grünen Jugend. Co-Sprecherin Ida Holschbach kommentierte das Ja aus Köln zur Olympia-Bewerbung im Netz.

Torsten Burmester (SPD) gibt dem ZDF während der laufenden Stimmauszählung ein Interview.

Copyright: Thomas Banneyer

Torsten Burmester (SPD) gibt dem ZDF während der laufenden Stimmauszählung ein Interview.

Oberbürgermeister Torsten Burmester (SPD) zeigte sich hingegen nach Bekanntgabe des Ergebnisses begeistert. „Dieser Entscheid hat gezeigt, wie viel Kraft in einer Bewerbung für Olympische und Paralympische Spiele steckt“, so Burmester. Er hatte sich bereits im Vorfeld als vehementer Befürworter positioniert und betonte, dass an Köln als Leading City alles hänge – ohne die Domstadt wäre eine NRW-Bewerbung kaum denkbar gewesen.

Freude auch bei der Kölner SPD-Fraktion. „Das ist ein Gänsehaut-Moment für unsere Stadt und das gesamte Rheinland. Ich bin beeindruckt von der Zustimmung der Bürgerinnen und Bürger“, teilte Christian Joisten, Vorsitzender der SPD-Ratsfraktion, mit. „Olympia ist eine riesige Chance für die Entwicklung Kölns – von der Modernisierung unserer Sportstätten bis hin zu neuen Impulsen für Mobilität und Wohnungsbau“, hieß es weiter. Auch NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) schwärmte nach dem Votum: „Was für eine Klarheit.“

Die sozialen Netzwerke spiegeln wider, was viele Kölnerinnen und Kölner bewegt: Die Freude über den Olympia-Traum ist da – aber das Vertrauen in die Umsetzungskompetenz ihrer Stadt ist es (noch) nicht. Ob Burmester und die Befürworter das ändern können, wird die Arbeit der nächsten Monate zeigen. (mg)

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