Köln Auch bei Bluttat in Höhenberg erfolgreich – Polizist hat besondere Fähigkeit

Polizist Niklas B. (39, Name geändert) sitzt vor einem Computerbildschirm und zeigt auf eine Person, die dort auf einem Überwachungsbild zu sehen ist.

Niklas B. (39, Name geändert) zeigt bei einem Überwachungsbild aus einem Lokal auf eine Person, die er wiedererkannt hat. Der Kölner Polizist ist ein sogenannter Superrecognizer.

Der Kölner Polizist Niklas B. (Name geändert) hat eine seltene Gabe. Er ist ein sogenannter Superrecognizer.

Die Tat Mitte März erschütterte Köln. In Höhenberg griff eine Gruppe Männer am helllichten Tag einen Smart-Fahrer (37) an, riss ihn aus dem Wagen und verletzte ihn so schwer, dass er starb. Erstaunlich schnell hatte die Polizei gleich 18 Tatverdächtige im Visier – auch dank Kriminalhauptkommissar Niklas B. (39, Name geändert).

Der 39-Jährige hat die besondere Gabe, Gesichter wiederzuerkennen. Er ist ein sogenannter Superrecognizer. Da er hauptsächlich auf der Straße Taschendiebe „jagt“, möchte er nicht mit seinem richtigen Namen genannt werden.

Kölner Polizist hat seltene Begabung – nur ein bis zwei Prozent haben diese

Zum Tötungsdelikt in Höhenberg lag den Ermittlern schnell Bildmaterial vor. Kein Problem in einer Zeit, in der es überall Überwachungskameras gibt oder Zeugen sofort ihr Handy zücken. Kaum war das Material in das interne Fahndungsportal der Polizei Köln eingestellt, nahm Niklas B. es sich zusammen mit anderen Auswertern vor. „Direkt auf den ersten Bildern habe ich gleich mehrere Personen wiedererkannt, die ich schon mal festgenommen hatte“, erzählt er.

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Ein bis zwei Prozent der Bevölkerung sind Superrecognizer. Ihnen reichen wenige Sekunden, um ein Bild in ihrem Langzeitgedächtnis abzuspeichern. Der Kölner Polizist hatte 2020 erfolgreich einen entsprechenden Universitätstest gemacht. „Mich hat das Thema interessiert. Ich hatte schon länger bemerkt, dass ich mir auffallend gut Gesichter merken kann“, so Niklas B.

Superrecognizer Niklas B. aus Köln: „Manchmal ist es ein Klickmoment“

Bei dem Test bekam er unter anderem das Bild einer Person gezeigt – mal von schräg unten fotografiert oder nur die Silhouette, mal schwarz-weiß, unscharf oder die Person, wie sie gealtert aussieht. Dann musste er sie in einer Gruppe wiedererkennen.

Stellung der Augenbrauen, besonderer Haaransatz, Nasobialfalte – „Wenn man lange genug schaut, erkennt man viele Feinheiten in einem Gesicht. Das Ohr ist für mich auch ein wichtiger Hinweis“, erklärt der 39-Jährige. Er präge sich auch die Körperhaltung ein, wie die Fußstellung ist oder wie ein Mensch geht. Niklas B.: „Manchmal kann ich es gar nicht so festmachen, sondern es ist ein Klickmoment – Moment, den kenn' ich.“

Noch weitere Superrecognizer unter den Polizisten des PP Köln

Er sei Fahnder und kein Superheld, stellt der Beamte klar. Neben der Wiederkennung von Straftätern auf Fahndungsfotos oder Überwachungsvideos ist er zu 90 Prozent auf den Straßen im Kölner Stadtgebiet sowie in Leverkusen unterwegs, in U-Bahn und Bus – überall dort, wo Taschendiebe ihr Unwesen treiben. Superrecognizer sei keine Berufsbezeichnung und es gäbe auch keine spezielle Ausbildung, erklärt Niklas B. „Wir sind ganz normale Beamte, die eine besondere Fähigkeit haben.“

Rund 40 der insgesamt rund 5000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Kölner Polizeipräsidiums hatten damals an dem Test erfolgreich teilgenommen. „Sie sind namentlich erfasst, damit man im Bedarfsfall auf sie zurückgreifen kann“, ergänzt Polizeisprecher Christoph Schulte. Stolze Bilanz des Teams vom Kriminalkommissariat 73, der Dienststelle von Niklas B.: Allein in den ersten Monaten des Jahres 2022 wurden bereits mehr als 200 Wiedererkennungen verzeichnet.

Es sei allerdings nicht so, dass er ständig Personen abscannen würde, erzählt Niklas B. lachend: „Nur Leute, die ich mir einprägen möchte. Ich will ja, wenn ich mit meinen Kindern ein Eis essen gehen, nicht nur Gesichter sehen.“

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