Die Kölner Bühnen haben auf dem Weg zur Eröffnung des Opernquartiers nach quälend langer Sanierung eine PR-Kampagne gestartet, die auf das Ereignis einstimmen soll - dabei wird der Bauskandal ironisiert. Ob das in der Bevölkerung gut ankommt?
Imagekampagne für Kölner Oper„Arsch-Plakat“ geht nach hinten los – und noch ein schräger Spruch

Copyright: Ayhan Demirci
Eines von mehreren neuen Plakatmotiven: Hier geht´s ums das viele Geld für die Sanierung - und die Gesäße der künftigen Operngäste.

Was soll man dazu sagen? Ist das witzig? Bringt das was? Oder hätte sich die Stadt das Geld dafür sparen sollen?
Jedenfalls scheinen die Verantwortlichen diesmal wirklich sehr sicher zu sein, dass das Opernquartier nach 14 Jahren Sanierung im Herbst endlich seiner Bestimmung überführt werden kann, denn mit einer großen Plakatkampagne wirbt die Stadt für Abos – die Sprüche dazu erscheinen grenzwertig. EXPRESS.de macht den Check!
Imagekampagne soll die Stimmung in der Bevölkerung drehen
Der Spruch: 14 Jahre Vorfreude haben sich gelohnt. Echt jetzt? 14 Jahre Vorfreude? Oder war diese lange Zeit vielleicht doch von einem anderen Gefühl geprägt?
Spontan eine Passantin gefragt, die auf dem Weg zum Fußballspiel ihres Enkels in Mauenheim war. Sie winkt ab: „Ich halte diese Aussage für einen Witz. Wenn, dann habe ich mich über all die Jahre geärgert.“ Also: Falls hier ein kreativer Kopf mit Ironie spielt - die kommt nicht bei allen an.

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Diesen Spruch würde nicht jeder Kölner unterschreiben.
Vor einigen Wochen hatten die Kölner Bühnen angekündigt, dem negativen Image der Bühnensanierung entgegenzutreten, eine Werbekampagne sollte die Stimmung drehen. Es hieß, dass 2,1 Millionen Euro für eine „bundesweite Mobilisierungskampagne“ (Marketing) bereitstünden. Beauftragt wurde die renommierte Werbeagentur Jung von Matt.
Der Spruch: Manche Ausgaben waren wirklich für den Arsch. Der Versuch, sich selbst auf die Schippe zu nehmen, erscheint angesichts der Tragweite des Debakels und der Dimension der Gesamtkosten von 1,465 Milliarden Euro erschreckend verharmlosend und/oder sarkastisch. Das erinnert an einen Spruch aus der einige Jahre zurückliegenden PR-Kampagne der KVB, als das Unternehmen angesichts handfester Probleme bei der Takthaltung auf die Straßenbahnen (neben vielen anderen charmanten Sprüchen) den Satz pinnte: „KVB: Seit 1877 die beste Ausrede für Verspätungen bei der Arbeit“
Den Arsch-Spruch der Bühnen, der natürlich doppeldeutig gemeint ist (auch das Sitzmobiliar in der Oper ist künftig vom Feinsten), den könnten viele allein schon wegen der derben Wortwahl wohl für'n Arsch finden.
Der Spruch: Kein Phantom mehr: Unsere Oper Yoah...ist nicht schlecht. Macht schon eher Lust auf mehr, also die ersten Premieren, das große Spektakel, den großen Vorhang und Applaus, Applaus, Applaus!
Los geht es übrigens mit einem festlichen Gala-Konzert, mit dem Oper und Schauspiel Köln am 24. September gemeinsam den Wiedereinzug in ihre angestammten Häuser am Offenbachplatz feiern. Oper und Schauspiel präsentieren auf der Opernbühne ein Programm für Bürgerinnen und Bürger und Ehrengäste.

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Es geht in wenigen Monaten los und das Opernleben wird wieder sichtbar werden: Für diese Aussage wird auf das Bühnenstück „Das Phantom der Oper“ angespielt.
Die erste reguläre Premiere an der Oper wird am 27. September „Der Rosenkavalier“ von Richard Strauss sein. Das Schauspiel startet am 25. September mit „In bester Lage“, einer Komödie über „das Trauerspiel im Eigentum“ von Kristof Magnusson und Gunnar Klack in einer Inszenierung von Kay Voges in seiner ersten Spielzeit an der neuen Wirkungsstätte.

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Soll heißen: Die Oper sieht nach 14 Jahren Arbeit von außen altbekannt aus - aber es wird hörbar anders, ein Hochgenuss nämlich.
Der Spruch: Klingt neuer, als es aussieht. Der Satz ist interessant und thematisiert die vielleicht etwas paradox erscheinende Tatsache, dass nach all dem Machen und Tun, der aufwendigen Generalsanierung, der Installierung hochmoderner Bühnentechnik und auch trotz des Baus einer nagelneuen Kinderoper (unter dem Offenbachplatz, Platz für 200 Zuschauer) sich rein äußerlich am großen Erscheinungsbild nichts geändert hat.
