Kölner EigelsteinMichael (61) und die Poller-Posse – Bürgerverein schlägt Alarm bei der Stadt

Ein Mann steht auf einer Straße und hat einen gelockerten Poller in Händen

Michael Seffen (61, Veedelskümmerer beim Bürgerverein Eigelstein) bei seinem Poller-Einsatz am Dienstag (14. Mai 2024).

Am Eigelstein hat Veedelskümmerer Michael Seffen eine ganz besondere Aufgabe. Dazu muss er auch noch früh aufstehen. 

von Iris Klingelhöfer (iri)

Seit eineinhalb Jahren ist der Eigelstein autofrei – und genauso lange kommt Michael Seffen (61) in den „Genuss“ eines kostenlosen Krafttrainings. 

Um 5.34 Uhr klingelt sein Wecker und es heißt für ihn: raus aus den Federn und Poller stemmen!

Poller-Posse am Eigelstein: Michael Seffen macht täglich „Krafttraining“

Insgesamt fünf Poller sorgen am Eigelstein dafür, dass kein Fahrzeug dort widerrechtlich hineinfahren kann. Weil es jedoch für den Lieferverkehr eine bestimmte Ladezeit gibt, ist Michael Seffen gefragt.

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Der 61-jährige Veedelskümmerer muss täglich (bis auf sonn- und feiertags) die Poller um 6 Uhr herausnehmen und um 11 Uhr wieder einsetzen. Gerade das frühe „Krafttraining“ ist nicht unbedingt nach seinem Geschmack.

„Ansonsten würde ich mindestens eine Stunde länger schlafen“, erzählt er am Mittwoch (15. Mai 2024) im Gespräch mit EXPRESS.de lachend. Immerhin wohnt er ganz in der Nähe und schlüpft morgens nur schnell in den Jogginganzug.  

Köln: Versenkbare Poller am Eigelstein längst beschlossen

Eigentlich sollen die Poller durch versenkbare Poller ersetzt werden. Deren Installation wurde schon im Oktober letzten Jahres einstimmig von der Bezirksvertretung Innenstadt beschlossen. Doch es tut sich nichts.

Burkhard Wennemar, 1. Vorsitzender des Bürgervereins Eigelstein, der auch gegen die ausufernde Drogenszene am Ebertplatz kämpft, hat daher nachgehakt. „Eine Anfrage bei der Stadtverwaltung, wann der Beschluss umgesetzt wird, ist seit drei Wochen unbeantwortet“, erzählt er.

Zwar gebe es einen Vertrag mit der Stadt, wonach der Bürgerverein, namentlich Veedelskümmerer Seffen, sich unentgeltlich um die Poller kümmert. „Aber es kann ja nicht im Sinne des Erfinders sein, dass der das macht, bis er 90 ist“, so Wennemar und rechnet zusammen, wie teuer es wäre, wenn ein Team von KölnService das erledigen würde. 

„Im Jahr wären das hochgerechnet 22.820 Euro“, erklärt er. Geld, das der Bürgerverein der Stadt jährlich schenken würde. Zumal der Poller-Einsatz natürlich nur als Übergangslösung gedacht gewesen sei.

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Wennemar: „Wir hatten das damals angeboten, weil wir wollten, dass der autofreie Eigelstein schnellstmöglich funktioniert.“ Offenbar hatte aber keiner geahnt, dass die versenkbaren Poller so lange auf sich warten lassen. 

Kölner Eigelstein: Veedelskümmerer schon Poller-krank 

Der inoffizielle Poller-Beauftragte Seffen hatte sogar schon Schulterprobleme. „Weil ich einen Poller immer etwas verkrampft hochgehoben habe. Seitdem versuche ich, die geschmeidiger hochzuziehen“, erklärt er. 

Jetzt, wo es morgens heller ist, verbindet er seinen Poller-Einsatz mit einem Kontrollgang zu den Pflanzenkübeln, die auch der Bürgerverein betreut. Michael Seffen: „Ich entferne den gröbsten Unrat, der sich dort über Nacht leider immer wieder ansammelt.“