Kölns Oberbürgermeister warnt vor einer zunehmenden „Ballermannisierung“, setzt auf gezielte Kontrollaktionen. Die Reaktion aus der Gastro kommt prompt.
„Wie Schafe auf einer Wiese“Kölner Club-Chefin kontert OB Burmester

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Unfassbar voll: Am 11.11.2025 feierten Menschenmassen auf der Zülpicher Straße.
Köln zählt die Tage bis Weiberfastnacht, da kam die Ansage vom Oberbürgermeister gerade richtig. Alle sollen in Köln feiern, aber mit Regeln, erklärte Torsten Burmester. Er will die Stadt vor einer zunehmenden „Ballermannisierung“ bewahren, auch mit gezielten Kontrollakionen.
Prompt macht sich eine Kölner Club-Besitzerin Luft. Und auch die Inhaber der Gaststätte „Bei Oma Kleinmann“ mischen sich ein. Beide Lokale liegen im Karneval-Party-Hotspot Kwartier Latäng.
Appell: Geht vernünftig feiern!
„Oh Mann! Wird es jemals eine Person in Verantwortung geben, welche aufhört, diese hohlen Phrasen zu dreschen?“, schreibt Claudia Wecker, Inhaberin des Studentenclubs „Das Ding“ auf Instagram. „Welche, die die Perspektive mal ändert und eine vernünftige Lösung der gesamten Ballermann-Problematik an der Wurzel packt?“ Sie fragt auch nach vernünftigen Angeboten für die jungen Leute.
Wenn die Stadt doch gegen alles so hart und rücksichtslos vorgehen würde, wie gegen Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene, legt die Club-Chefin nach. „Wenn man junge Menschen auf der Straße abstellt, oder wie Schafe auf einer Wiese parkt, was erwartet man denn, was sie dann machen? Ich verrate Euch was: Sicher nicht brav ‚Mäh‘! Harter Alkohol, Drogen... für jeden Minderjährigen frei verfügbar!“
Kein Angebot! Kein Verständnis! Nur leere Worte und Zäune!, zählt Claudia Wecker auf, die schon im letzten Jahr das Konzept der Stadt zum 11.11. kritisierte. Es gebe zahlreiche Gastronomien, in denen man sich amüsieren und feiern könne.
„Bitte lasst Euch nicht hinter Zäunen abstellen! Geht vernünftig feiern. Kennt Euer Limit! Passt gut aufeinander auf und lasst nicht zu, dass die Verantwortlichen ihre unverantwortliche Unfähigkeit etwas vernünftiges auf die Beine zu stellen nutzen, um Euch als Sauftouristen zu diffamieren!“, appelliert Claudia Wecker.
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Die Inhaber von „Bei Oma Kleinmann“ reagieren auf ihren Kommentar und feiern sie, wie knallhart sie die Probleme und Fakten im Kwartier Latäng auf den Punkt bringe. Die Gaststätte liegt an der Zülpicher Straße, „Das Ding“ in direkter Nachbarschaft auf dem Hohenstaufenring.
„Wir bauen auf den neuen Bürgermeister und frischen Mut im Amtsstüble, die Dinge tatsächlich auch mal von einer anderen Seite aus anzugehen, als bisher“, schreiben sie. Immerhin habe Oberbürgermeister Torsten Burmester bei der Mitgliederversammlung der IG Gastro ein sehr offenes Ohr für ihre Anliegen gehabt. „Die Hoffnung also stirbt zuletzt.“
Die Hoffnung teilt die Chefin von „Das Ding“ nicht wirklich. „Ich bin skeptisch. Ich möchte uns allen die Enttäuschung ersparen, wenn wieder Versprechen gebrochen und wir wieder nur hingehalten werden und das Fait wieder ist, dass man uns erklärt, was alles nicht geht.“

