„Es ist kurz vor zwölf“ Händler schlagen Alarm: Kölner Wochenmärkte in Gefahr

Wochenmarkt auf dem Riehler Gürtel.

Durch die Entscheidung, die geplante Fläche des Großmarktes in Marsdorf zu verkleinern, fürchten viele Händler in Köln um ihre Existenz. Das Foto zeigt den Wochenmarkt auf dem Riehler Gürtel am 2. September 2021.

Die Kölner Händler bangen um die 39 Wochenmärkte in der Stadt. Eine Entscheidung der Grünen und der CDU schlägt hohe Wellen.

Der Kölner Großmarkt soll bis 2025 seinen Standort in Raderthal räumen und nach Marsdorf umziehen. In Raderthal soll Platz für das große Wohnprojekt Parkstadt-Süd geschaffen werden.

Doch die Ersatzfläche in Marsdorf soll nun kleiner ausfallen, als eigentlich gedacht. Das geht aus einem Ratsbeschluss auf Initiative von Grünen und CDU hervor. Grund: Auf dem Areal in Marsdorf könnte auch noch Platz für den 1. FC Köln sein, der am Geißbockheim expandieren möchte, aber nicht darf. Die Entscheidung schlägt hohe Wellen.

Köln: Wochenmärkte vor dem Aus? „Kind fast schon in den Brunnen gefallen“

Horst Zedow, Mitglied des Marketingbeirats der Kölner Wochenmärkte, sagt gegenüber EXPRESS.de: „Ein großer Teil der Händler befürchtet, dass das Angebot durch die Verkleinerung des Großmarktes massiv verkleinert wird. Aber nicht nur das: Es geht um Arbeitsplätze und ganze Existenzen.“ Schon heute würden kleine, regionale Betriebe von großen Handelsketten preislich immer weiter gedrückt werden.

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„In den Familienbetrieben überlegen sich die jüngeren Generationen immer genauer, ob sie das Unternehmen überhaupt weiterführen sollen. Viele geben auf. Es kann nicht sein, dass aufgrund der Nachhaltigkeit immer von regionalen Produkten gesprochen wird, die Erzeuger aber durch politische Entscheidungen irgendwann nicht mehr mithalten können.“

Die Toyota-Allee in Marsdorf von oben.

Die Toyota-Allee in Köln-Marsdorf am 13. Dezember 2021: Das grüne Feld auf der linken Seite ist eine mögliche Fläche für den Großmarkt, das braune Feld rechts ein möglicher Standort für das FC-Leistungszentrum.

Die Wochenmarkt-Händler seien auf einen Großmarkt mit entsprechender Größe angewiesen, so Horst Zedow. Zurzeit gibt es 39 Wochenmärkte in Köln. Laut Zedow sei nicht ausgeschlossen, dass Märkte aus dem Stadtbild verschwinden. „Das Kind ist fast schon in den Brunnen gefallen und ich kann bei den Entscheidungen der Stadt einfach keinen roten Faden erkennen. Es ist kurz vor zwölf“, sagt Zedow abschließend.

Köln: IG Großmarkt-Sprecher: „Stehen mit dem Rücken zur Wand“

Ähnlich sieht es auch Michael Rieke, Sprecher der Interessensgemeinschaft Großmarkt in Köln: „Wir waren sehr überrascht von der Entscheidung der Stadt, die geplante Fläche in Marsdorf zu verkleinern. Wir haben zwei Jahre lang hinter verschlossenen Türen zusammen mit der Stadt an den Planungen gearbeitet – aber jetzt ist es plötzlich so, als wirft man uns einfach nur einen kleinen Knochen hin.“

Der Gewölbebau der historischen Großmarkthalle auf dem Gelände des Großmarktes in Raderthal.

Der Gewölbebau der historischen Großmarkthalle auf dem Gelände des Großmarktes in Köln-Raderthal am 1. Mai 2021. Der Großmarkt soll bis 2025 nach Marsdorf verlagert werden.

Rieke geht sogar noch weiter: „Mit den aktuellen Planungen wird der Großmarkt früher oder später aus Köln verschwinden. Wir stehen momentan mit dem Rücken zur Wand, und viele Händler sind sehr verunsichert und stehen mit ihren Existenzen auf der Kippe. Doch wir kämpfen alle weiter.“

Köln: Alteingesessener Großhändler plädiert für Produktvielfalt

Jörg Zimmermann ist einer dieser Händler. Seit 1986 verkauft er Obst und Gemüse auf dem Großmarkt, übernahm das Unternehmen von seinem Vater, der es zuvor von seinem Vater übernahm. Auch er steht dem Ratsbeschluss, als direkt Beteiligter, negativ gegenüber: „Um in einem Großmarkt gescheit agieren zu können, muss ausreichend Platz vorhanden sein. Er lebt von der Vielfalt. Wenn dann irgendwann nur noch 20 Händler vor Ort sind, kann man es auch gleich sein lassen.“

Der 1. FC Köln steht dem Vorhaben auch kritisch gegenüber, würde sein Trainingszentrum lieber im Grüngürtel ausbauen. Zuletzt hatte Henriette Reker betont, dass daraus nichts werde – aber auch gesagt, dass erneut alternative Standorte für den Verein geprüft werden. Es müsse nicht unbedingt Marsdorf sein. Die Ausbaupläne des FC und der Großmarkt: Zwei Themen, bei denen das letzte Wort garantiert noch nicht gesprochen ist.

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