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Kampf um AusrichtungRapper Sido mischt am Weihnachtsmarkt am Dom mit

Der Weihnachtsmarkt am Kölner Dom

Rapper Sido mischt beim Kampf um die Ausrichtung des Weihnachtsmarkts am Kölner Dom mit. 

Mit Spannung erwartet wird in Köln gerade, wer den Weihnachtsmarkt am Dom 2026 ausrichten darf. Dass ein berühmter Name aus der deutschen Rap-Szene sich auch dafür bewirbt, sorgt in Köln für Aufsehen. 

Der Berliner Rapper Sido hat eine krude Ansicht zum Thema Weihnachten, die er in seinem „Weihnachtssong“ wie folgt beschreibt: „Wer cool sein will, geht raus in den Wald, sucht nach so einem Kerl in Rot und macht ihn kalt…“ Anteile an der Kölner Weihnachtsgesellschaft und dürfte bei einem Zuschlag künftig den Weihnachtsmarkt neben dem Dom mitgestalten.

Man mag es kaum glauben: Bereits seit 2024 ist Sido, der bürgerlich Paul Würdig heißt, mehrheitlich am Kölner Weihnachtsmarkt beteiligt. Das belegene Handelsregisterauszüge, die EXPRESS.de vorliegen. Arbeitet man sich durch eine geschickt verschachtelte Firmenkombination, landet man bei Paul Würdig. Auch Monika Flocke, die der Findungskommission als Geschäftsführerin der „Kölner Weihnachtsgesellschaft mbh“ am vergangenen Freitag ihr Konzept präsentierte, bestätigt die Beteiligung.

So micht Rapper Sido bei Kölner Weihnachtsmarkt mit

Ist der Name „Kölner Weihnachtsgesellschaft“ (KW) daher nur Schein? Die KW gehört zu 80 Prozent der „Big Thing GmbH“. Diese „Big Thing GmbH“ gehört wiederum zwei Eigentümern. Ein Eigentümer ist die „Open Minds Veranstaltungsgesellschaft mbH“, die andere ist die „MeinBlock GmbH“. Die „MeinBlock GmbH“ gehört zu 100 Prozent der „Würdig & Westerhoff OHG“. Würdig – das ist Paul Würdig alias Sido.

Wie EXPRESS.de erfuhr, sollen die Mitglieder der Findungskommission nicht informiert worden sein, dass Rapper Sido bei der Vergabe im Hintergrund mitmischt. Dies könnte insofern wichtig sein, als dass in der Leistungsbeschreibung (Ausschreibung) der Stadt Köln unter 3.2 festgeschrieben ist: „Das Konzept soll durch besondere, kreative und originelle Ansätze hervorstechen, welche dem Weihnachtsmarkt ein individuelles, unverwechselbares Profil verleihen und gleichzeitig respektvoll den historisch-kulturellen Kontext des Roncalliplatzes und der Hohen Domkirche würdigen.“

Monika Flocke bezieht dazu wie folgt Stellung: „Die der Stadt Köln bekannten gesellschaftsrechtlichen Beteiligungen bestanden in dieser Konstellation bereits während der beiden vergangenen Märkte. In genau dieser Konstellation konnte der Weihnachtsmarkt am Dom außerordentliche Erfolge verzeichnen. Hervorzuheben ist insbesondere die internationale Anerkennung, unter anderem durch die London Times, die den Weihnachtsmarkt am Dom als einen der schönsten Weihnachtsmärkte weltweit ausgezeichnet hat.“

Ob und wie weit Rapper Sido künftigen Einfluss auf den Kölner Weihnachtsmarkt haben möchte oder wird, bleibt unklar. Monika Flocke weiter dazu: „Vor diesem Hintergrund erschließt sich für uns nicht, weshalb die Beteiligung des Künstlers Paul Würdig, die nicht mal eine direkte ist, nunmehr anders bewertet werden sollte, zumal er auch keinen aktiven Einfluss auf die Gestaltung des Weihnachtsmarktes hat.“

Sido lieferte Tausende Penis-Tassen für Kölner Weihnachtsmarkt

Immerhin lieferte Sido im Jahr 2024 aufgrund eines Engpasses von seinem eigenen Berliner Weihnachtsmarkt, wo er auch Auftritte hat, 20.000 Glühwein-Becher nach Köln. Im schwummerigen Licht des Roncalliplatzes schaute offenbar niemand richtig hin, denn auf den Bechern waren neben Engeln und Sternen fliegende Penisse abgebildet

In der Gründungsurkunde seiner Firma „Würdig&Westerhoff OHG“, die EXPRESS.de vorliegt, heißt es unter Punkt 5 über den Zweck des Unternehmens zudem: „… die Herstellung, die Verarbeitung und der Vertrieb von Medizinal-Cannabis sowie Sonstige Cannabis-Produkte, soweit dies gesetzlich zulässig ist, und Tabakprodukte sowie tabakaffinen Produkte.“ Und unter Punkt 6 dann: „… das Angebot von Cannabis-Zubehörprodukten, Medizinprodukten, Tabak- und tabakaffinen Produkten sowie Servicedienstleistungen in diesem Zusammenhang.“

Die daraus folgende Frage: Sollte das Unternehmen eines nicht unumstrittenen Rappers, welches das Kiffen als Einnahmequelle ausweist, in irgendeiner Form Einfluss auf den Kölner Weihnachtsmarkt haben dürfen?

Insider wissen: Für grenzüberschreitende Cannabis-Geschäfte werden häufig „Kryptowährungen“ genutzt. Da überrascht es nicht gänzlich, dass „Würdig&Westerhoff OHG“ in der notariell beurkundeten Handelsregister-Eintragung festhält: „Gegenstand des Unternehmens … ist der Vertrieb von Produkten, die mit Kryptowährungen erworben werden, …“

Krypto, Kiffen, Penis-Tasse

Krypto, Kiffen, Penis-Tasse – da wird der Hohen Dom-Kirche zu Köln wohl ein ziemlich hohes Maß an nachbarschaftlicher Toleranz zugemutet. Verschachtelte Unternehmen und Krypto-Handel – Transparenz geht anders. Wie sieht es aus mit der gesetzlichen Verpflichtung, Wirtschaftszahlen im Bundesanzeiger zu veröffentlichen? Die Rechercheergebnisse: „Big Thing GmbH“: keine Angaben. „Open Minds Veranstaltungsgesellschaft mbH“ – keine Daten vorhanden. „MeinBlock GmbH“: keine Daten vorhanden. „Würdig & Westerhoff OHG“: keine Angaben.

In den kommenden Tagen, so die Planung, wird die Findungskommission der Stadt Köln ihr Ergebnis mitteilen, wer den Zuschlag erhalten wird. Ob es tatsächlich dazu kommt, bleibt abgewarten. Im vergangenen Jahr musste die Stadt die Entscheidung zurückziehen – wegen grober Fehler in der Ausschreibung. Nun könnten Anwältinnen und Anwälte der anderen Bewerberinnen und Bewerber eine juristische Auseinandersetzung suchen, die eine gefallene Entscheidung zunichtemachen könnte. 

An Balkonen hängen Laken mit Aufschriften wie „Kinder brauchen Schutz“.

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