Was macht das Klavier denn hier? Fragen sich sicherlich viele Menschen angesichts des Pianos unter der Severinsbrücke. EXPRESS klärt auf.
„Paino Bombing“ in KölnEin Klavier, ein Klavier – aber wer hat's bemalt?

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Bitte einfach ans Klavier setzen und in die Tasten hauen! Unter der Severinsbrücke steht derzeit ein kunstvoll gestaltetes Piano. Wer das wohl bemalt hat ...?

„Ein Klavier, ein Klavier!“ Loriot hätte sicherlich seine helle Freude an dem Musikinstrument, das derzeit unter der Severinsbrücke steht. Manch Mitarbeiter der Abfallwirtschaft wird sich vielleicht fragen: „Was macht das Klavier denn hier? Ist das Sperrmüll? Kann das weg?“ Nein, das ist Guerilla-Kunst im öffentlichen Raum. „Piano Bombing“ hat jetzt auch in Köln ein musikalisches Zeichen gesetzt.
Die Elsdorfer Airbrush-Künstlerin Ute Sillini war sofort dabei, als sie den Anruf erhielt, ob sie auf Initiative von „Piano Bombing“ für den Kölner Raum ein Klavier gestalten könnte. Upcycling und Streetart, verbunden mit der Idee, spontane musikalische Begegnungen im Alltag zu fördern, das wollte sie sofort unterstützen. Selbstverständlich ehrenamtlich. Amy Winehouse und Freddie Mercury, Madonna und Slash, Frida Kahlo oder Salvador Dalí – sie alle laden jetzt in Köln zum Mitspielen ein.
Was das Guerilla-Kunstprojekt „Piano Bombing“ erreichen möchte
Anfangs stand das Klavier in der Quincy-Passage (ehemals DuMont-Carré) und wurde eifrig frequentiert. „Da setzte sich jemand ans Klavier, eine Frau mit Geige gesellte sich dazu, schnell bildete sich eine Traube von begeisterten Zuschauern“, schildert Ute Sillini die ersten Spuren, die die Aktion in Köln gelassen hat. Aber das kunterbunte Musikinstrument soll nicht nur Profis anlocken, im Gegenteil. Der Initiative geht es vor allem darum, Musik unabhängig von Hintergrund oder Geldbeutel für alle erlebbar zu machen.
Den Ursprung hatte sie in der Corona-Zeit in Hannover. Damals wollte David Dünkelhaft Klavier spielen lernen und schaffte sich über Kleinanzeigen kostenlos ein Klavier an. Dazu gesellten sich zwei weitere, in der Wohnung wurde es zu eng, entsorgen war zu teuer. So kam er zusammen mit Kumpel Daniel Drunter auf die Idee, die Pianos noch mal stimmen, künstlerisch aufarbeiten zu lassen und in den öffentlichen Raum zu stellen. Mittlerweile findet man die Klaviere von „Piano Bombing“ in vielen Städten Deutschlands, überdacht und wettergeschützt, eines sogar aus Beton.

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Die Elsdorfer Air-Brush-Künstlerin Ute Sillini gestaltete das Klavier.
Klar, ging das nicht immer gut aus. Die Initiatoren haben schon erlebt, dass ihre Instrumente zertrümmert wurden, doch „für jedes Klavier, das wir durch Vandalismus verlieren, bekommen wir meist zwei Neue“. Die Initiative findet bei Musikfans deutschlandweit Beachtung. Die Initiatoren, Klavierstimmer, Künstler und Aufsteller arbeiten alle ehrenamtlich aber nach wie vor meist ohne öffentliche Genehmigung. Wie lange Ute Sillinis Kunstwerk deshalb noch am Fuße des Rheins zu bewundern ist, steht deshalb in den Sternen. Da könnte Trude Herrs Song „Niemals geht man so ganz“ eine ganz neue Bedeutung bekommen. Denn die kommen bestimmt wieder, keine Frage.
