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Interview

Obwohl er am 11.11. Geburtstag hatDas hält Matze Knop von der Karnevals-Karriere ab

Aktualisiert:

Comedian Matze Knop präsentiert sein neues Solo-Programm auch in Köln. Der Meister der Parodie fühlt sich auf allen Bühnen und in vielen Themenbereichen wohl. Nur beim Karneval hält er sich lieber zurück.

Wenn er als Kloppo, Ronaldo, Lodda, Jogi oder Diedää auf die Bühne kommt, dann tobt das Publikum. Matze Knop ist der Meister der Parodie. Doch der 51-Jährige hat noch viele weitere Entertainer-Qualitäten.

Er moderiert im MDR-„Riverboat“, schlüpft in seine Paraderolle Supa Richie und spricht im Podcast mit Reiner Calmund über das Fußballgeschehen. Nun nimmt der Comedian sein Publikum in seiner neuen Show mit auf eine Zeitreise in die 80er, 90er und 2000er Jahre.

Matze Knop präsentiert neues Solo-Programm im Kölner Gloria

„Spitzenreiter – Wo wir sind ist vorne!“ heißt das brandneue Bühnenprogramm von Matze Knop. Zusammen mit seinem neuen Pferdebuddy reitet er wagemutig durch den Wahnsinn des Alltags.

Am 12. Mai 2026 ist die neue Comedy-Show im Kölner Gloria zu erleben. Mit EXPRESS.de sprach der Komiker über seinen Blick auf den normalen Wahnsinn in der Welt und sein Rezept für mehr Zufriedenheit.

Wollen Sie der Nation mit Ihrem Programm Optimismus und Selbstbewusstsein verordnen?

Matze Knop: Wir können natürlich alles schlechtsehen und jammern. Aber das bringt einen nicht weiter. Es ist wissenschaftlich bewiesen: Wenn man die Mundwinkel für 30 Sekunden hochzieht, schüttet das Gehirn Endorphine aus. Das sollten wir im Alltag wieder mehr beherzigen. Wenn die Kassiererin mürrisch schaut, einfach mal lächeln. Selbst wenn das Finanzamt schreibt, einfach mal lächeln. Und sollte dann die Nachzahlung höher ausfallen, dann muss man einfach mal drei Monate durchlachen.

Matze Knop hält das Eis Flutschfinger in der Hand.

Copyright: Boris Breuer

Matze Knop unternimmt in seinem neuen Solo-Programm „Spitzenreiter – Wo wir sind ist vorne!“ eine Zeitreise.

Gab es einen Auslöser dafür, dass das Programm entstanden ist?

Matze Knop: Nicht einen bestimmten. Wenn ich aber beobachte, mit welchem Gesichtsausdruck manche an einer roten Ampel stehen, frage ich mich schon, was mit denen los ist. Der Zahnarzt sagt, man würde schlecht putzen, der Ernährungsberater meckert über die Kalorien, die Frau sagt, man mache alles schlecht. Ich frage deshalb gern den Weinhändler. Der sagt immer: ausgezeichnete Wahl.

Ist die junge Generation mit der Welt überfordert?

Matze Knop: Die Jugendlichen hängen alle am Smartphone oder gehen ins Gym. Merkwürdigerweise gehen sie aber nachts dahin. Wir waren früher nachts in der Disco, haben auf der Box getanzt und uns vom Laser die Hornhautverkrümmung wegbrennen lassen. Wir hatten früher kein Fitnessstudio. Wenn du Muskeln haben wolltest, musstest du das Zimmer aufräumen.

Apropos Disco. Die aktuelle Musik gefällt Ihnen offenbar auch nicht.

Matze Knop: Früher haben wir wild und voller Freude zu Wham und den Backstreet Boys getanzt. Heute dominieren melancholische Singer-Songwriter, die klingen, als hätten sie schon beim Aufstehen den Lebenswillen verloren. Wenn Silbermond singt „Gib mir ein kleines bisschen Sicherheit“, denke ich: Dann kauf dir doch ein Fahrradschloss. Deshalb nehme ich das Publikum mit in die 80er, 90er und 2000er. Da sind wir mit der Leckmuschel, einem Ed von Schleck und Walkman durchs Freibad gestolpert – ohne WLAN, aber mit hungrigem Tamagotchi.

Sie führen ein Dankbarkeitsbuch und machen sich jeden Abend Notizen. Was steckt dahinter?

Matze Knop: Damit habe ich schon vor 20 Jahren angefangen, seit 2019 mache ich das wirklich konsequent. Ich notiere mir abends Dinge, die gut gelaufen sind. Da stellt man fest, dass doch viel mehr positive Sachen passieren, als man so glaubt. Vieles wird immer als selbstverständlich hingenommen. Aber die negativen Erlebnisse speichert man viel länger. Das Buch ist schon ein Gamechanger. Dadurch schlafe ich mit einem Lächeln ein.

Matze Knop sitzt auf einem Plüschpferd.

Copyright: Boris Breuer

Matze Knop möchte seinem Publikum ein paar unbeschwerte Stunden in aufwühlenden Zeiten schenken.

„Wo wir sind ist vorne“ ist das Programm umschrieben. Wo ist das denn so?

Matze Knop: Im Stau kann man das locker sein, wenn man langsam fährt. Ich erzähle Alltagsgeschichten, wie vom Ikea-Besuch, wo man eigentlich nur Teelichter kaufen wollte, aber schon auf dem Parkplatz der erste Zoff beginnt und man später ’ne Küche bestellt hat. Oder von meinem Besuch im Schloss Bellevue, als dort auf der Toilette das Papier gefehlt hat, wo sonst der Frank-Walter in den Stein meiert. Um Politik geht es auch. Solange die Strafzölle nicht zurückgenommen werden, gehe ich nicht mehr aufs Trumpolin.

Sie bringen auch Supa Richie wieder auf die Bühne. Funktioniert das noch?

Matze Knop: Von seiner Art ist er immer noch aktuell. Pietro Lombardi beispielsweise ist doch gar nicht so weit von Richie weg. Heute heißt es „Digga“, „Alter“ und „Bro“. Damals hieß es: „Sonst hol isch meinä Brüda“. Bei den 90er-Shows, wo ich ihn präsentiere, herrscht immer eine enorme Stimmung, ohne Negatives, ohne politische Botschaften, nur bunte Lebensfreude.

Matze Knop steht als Supa Richie auf der Bühne.

Copyright: IMAGO/Andreas Weihs

Matze Knop schlüpft bei seinem Bühnenprogramm auch wieder in die Rolle des Supa Richie.

Fällt es schwer, neue Parodien zu finden? Es scheint, als fehle es an echten Charakterköpfen.

Matze Knop: Ich habe meist Leute parodiert, die wirkliche Stars sind. Aber da hat ein Wandel stattgefunden. Wer weiß denn, wie ein Lamine Yamal spricht? Wer erkennt Jamal Musiala, wenn ich ihn nachmache? Eine Parodie ist nur so gut wie das Original. Und natürlich waren Typen wie Mario Basler oder Louis van Gaal perfekt. Aber ein Florian Wirtz, der weitestgehend nichts sagt?

Gab es mal Promis, die sich über ihre Parodie beschwert haben?

Matze Knop: Franz Beckenbauer war wohl anfangs etwas reserviert, als er von meiner Parodie erfahren hat. Dann haben wir uns kennengelernt. Seitdem hat er mir sogar zum Geburtstag gratuliert. Dieter Bohlen hat gesagt, dass ihm aufgefallen sei, dass ich immer die Schultern hochziehe, wenn ich ihn nachmache. Jetzt würde er gezielt trainieren, damit er eine andere Haltung hat. Bei mir geht es nicht unter die Gürtellinie. Natürlich habe ich meine Witze über Lothar Matthäus’ Frauen gemacht. Aber andererseits finde ich, dass er der beste Fußballexperte im TV ist.

Sie haben am 11.11. Geburtstag. Wäre die Karnevalsbühne nicht etwas für Sie?

Matze Knop: Ich hatte vor über zehn Jahren ein paar Auftritte im Karneval. Meine Comedy funktioniert da. Da ich auch Songs im Portfolio habe, könnte ich auch immer reagieren, wenn es bei der Herrensitzung zu laut wird. Man muss aber eine Entscheidung treffen, wenn man ernsthaft in den Karneval geht. Bin ich bereit, im November loszulegen und bis Februar durchzuziehen, mit bis zu zehn Auftritten am Tag? Daher habe ich mich dagegen entschieden.

Reiner Calmund albert mit Matze Knop herum.

Copyright: IMAGO/Future Image

Matze Knop und Fußball-Legende Reiner Calmund (l.). Beide nehmen regelmäßig den Podcast „Echte Champions XXL“ auf.

Sie sind auch noch regelmäßig als Talkmaster bei „Riverboat“ zu erleben.

Matze Knop: Man könnte denken: Wenn einer viel kann, kann er nichts richtig. Der Deutsche benötigt zwar gern die Schublade, aber ich würde mich als Entertainer bezeichnen. Ich denke, ich bin authentisch. Bei den Talkrunden habe ich gelernt, genau zuzuhören und nicht die nächste Pointe vorzubereiten.

Sie würden doch als Kind des Westens besser zum „Kölner Treff“ als zum MDR passen, oder?

Matze Knop: Die haben mich leider nicht gefragt. Ich schätze die Sendung sehr. Durch „Riverboat“ habe ich aber die ostdeutsche Hälfte des Landes viel besser kennengelernt. Da sitzen mir Menschen gegenüber, die ich noch gar nicht kannte, dort aber große Stars sind. Es wäre großartig, wenn mal jemand in der Sendung zu Gast wäre, den ich nachmache: Joachim Löw, Dieter Bohlen oder Cristiano Ronaldo zum Beispiel.

Matze Knop steht mit Ansgar Brinkmann auf dem Platz.

Copyright: IMAGO/Nordphoto

Matze Knop mit Bundesliga-Legende Ansgar Brinkmann (r.). Der Comedian veranstaltet regelmäßig Benefiz-Fußballturniere.

Sie machen auch einen Fußball-Podcast. Haben Sie schon WM-Pläne?

Matze Knop: Ich werde am 24. April den Song „Spitzenreiter (Hey! Hey!)“ veröffentlichen. Es ist der offizielle Tour-Song und gleichzeitig eine Hymne für alle erfolgreichen Fußballmannschaften. Zufällig passt er somit auch perfekt zur Fußball-WM im Sommer. Bei der WM gibt es ja sehr viele Ex-Spielerinnen und -Spieler, die sich rund um die Spiele äußern. Mir kommt der Humor da meist etwas zu kurz und ich finde, der Berichterstattung fehlt oft die Leichtigkeit. Ich mag es auch nicht, wenn jemand Witze über Fußball macht, der gar keine Ahnung hat. Der Fußball wird mir jedoch oft zu sehr pseudo-intellektuell dargestellt. Dabei wird in der Kabine ganz anders gesprochen.

Woher nehmen Sie für sich heraus, die Qualifikation zu haben, über Fußball zu sprechen?

Matze Knop: Mein Vater war Trainer und Sportreporter. Ich habe als Jugendlicher schon Artikel geschrieben, habe unzählige Spiele absolviert, war Trainer und habe bei Steffen Baumgart und Lukas Kwasniok ein Praktikum absolviert. Ich kenne mich wirklich gut mit Fußball aus, bin trotzdem im Bewusstsein der Leute ein Comedian.

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