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Skandal um Corona-TestsMillionenbetrug und keiner will's gewesen sein

In einem Testzentrum wird von einer Mitarbeiterin ein Abstrich für einen Corona-Schnelltest genommen. Es handelt sich um ein Symbolfoto.

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In einem Testzentrum wird von einer Mitarbeiterin ein Abstrich für einen Corona-Schnelltest genommen. Es handelt sich um ein Symbolfoto.

Vor Gericht in Köln schiebt einer dem anderen die Schuld zu. Es geht um 3,2 Millionen Euro.

Wie genau funktionierte die Abrechnung der Bürgertests? Diese Frage ist der Dreh- und Angelpunkt am zweiten Verhandlungstag im Prozess um den gigantischen Corona-Betrug am Landgericht Köln.

Am Freitag (10. April) packte nun ein ehemaliger Mitarbeiter des Paares Werner und Birgit C. (Namen geändert) aus. Er leitete eine Weile die acht Teststationen, die das Duo aus Leverkusen im Frühjahr 2021 hochgezogen hatte. Nun rollt die Justiz die Machenschaften auf.

Manager im Zeugenstand mit Gedächtnislücken

Laut Anklage wurden viel zu viele Tests bei der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein eingereicht. Den Schaden beziffert die Staatsanwaltschaft auf satte 3,2 Millionen Euro.

Ende 2021 kam es zum endgültigen Bruch zwischen Werner und Birgit C. und ihrem Top-Manager, wie der „Kölner Stadt-Anzeiger“ berichtet. Doch weil dieser Mann fast ein Jahr lang eine zentrale Rolle im Unternehmen spielte, nimmt ihn Ingo Lindemann, der Verteidiger von Werner C., jetzt in die Mangel.

Doch der Zeuge will sich an viele Details nicht erinnern können. Er leidet anscheinend unter Gedächtnisschwund. Der Anwalt bohrt nach: War es vielleicht seine Idee, statt der wirklich durchgeführten Tests einfach nur die Anmeldungen bei der Kassenärztlichen Vereinigung einzureichen? Das könnte die gewaltige Abweichung erklären, die am Ende zu der massiven Überzahlung seitens der KV führte. Aber der Manager streitet alles ab.

An genaue Zahlen, wie häufig er die Teststationen in und um Leverkusen besuchte, kann er sich nicht erinnern. Seine Arbeit während der Pandemie habe sich vor allem auf Niedersachsen konzentriert. Einen bizarren Tipp zur Rekonstruktion seiner Anwesenheitstage hat er aber parat: Man könne ja seine Hotelbuchungen prüfen. „Ich habe immer im Lindner-Hotel gewohnt.“

20.000 Euro Gewinn pro Monat – und das war erst der Anfang

Die 28. Große Strafkammer will auch wissen: Ist Birgit C. wirklich so unschuldig, wie sie behauptet? Zum Prozessauftakt am Mittwoch ließ die Mitangeklagte verkünden, allein ihr Mann Werner C. sei für die Abrechnungen bei der Kassenärztlichen Vereinigung zuständig gewesen. Er allein trage die Verantwortung. Doch diese Version wird vom ehemaligen Mitarbeiter zerschlagen. Seine Aussage ist ein Hammer: „Sicherlich wussten beide davon, wie das mit der KV-Abrechnung lief.“ Auch die interne Kommunikation zeichnet ein unklares Bild: Es gab wohl Zoff und Streit, wer in dem extrem profitablen Corona-Test-Business welche Aufgaben übernehmen sollte.

Ein weiterer Zeuge packt auf Nachfrage aus, wie lukrativ das Geschäft war. Gemeinsam mit seiner Frau betrieb er zwei Teststationen in Köln. „Es ging darum zu helfen. Aber natürlich auch ums Geldverdienen.“ Über 20.000 Euro im Monat blieben für sie übrig, also „hängen geblieben“. Das Geschäftsmodell war simpel: Ihre beiden Standorte waren quasi Tochterfirmen des Unternehmens von Birgit und Werner C. Deren Manager lieferte das Material und die Technik. Fünf Prozent Provision gingen dafür an das Paar.

Dass diese 20.000 Euro monatlicher Gewinn wohl nur die Spitze des Eisbergs sind, macht ein anderer Fakt deutlich: Die Kölner Betreiber liegen bis heute im Clinch mit den Angeklagten. Es geht um etwa 200.000 Euro, die Werner und Birgit C. unrechtmäßig kassiert haben sollen.

Nach der unschönen Trennung von Birgit und Werner C. von ihrem Manager herrschte pures Durcheinander. „Chaos ausgebrochen“, berichtet der ehemalige Betreiber der Kölner Standorte. Testmaterial wurde nicht mehr geliefert. Die Folge: Menschen mussten abgewiesen und heimgeschickt werden. Ein Image-Desaster, gerade zu Beginn der Pandemie, als Tests händeringend gesucht wurden.

Doch die alles entscheidende Frage bleibt auch am Freitag ungeklärt: Wer hat die Testzahlen an die Firma von Birgit und Werner C. weitergegeben? Aus den Kölner Teststationen wurden die Zahlen jeden Abend gemeldet. Die Ehefrau und Mitbetreiberin der Kölner Standorte erklärt es mit einer unglaublichen Lässigkeit: „Das hat der gemacht, der den Laden zugemacht“. Ob die gemeldeten Zahlen stimmten, wurde anscheinend nie geprüft. Für Richter Martin Lamsfuß und seine Kolleginnen bleibt in diesem Verfahren um Millionenbetrug noch viel Arbeit. (red)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.

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