„Was für ein Film“ Kölner will Hilfe und wird von Krankenhäusern abgewiesen – wegen irrer Regel

Der Kölner Murat K. (40) zeigt seinen Arm, an den ein Gips angebracht wurde.

Der Kölner Murat K., hier am Donnerstag (16. September) in Mülheim, ist frustriert, dass er von mehreren Krankenhäusern keine Hilfe bekommen hat.  

Nach einem Vorfall musste der Kölner Murat K. zahlreiche Stellen abklappern, bis er medizinische Hilfe bekommen hat. Dass mehrere Ärzte und Kliniken ihn abgewiesen haben, liegt an einer besonderen Regel.  

Köln. Der Kölner Murat K. (40) wird den vergangenen Dienstag (14. September) so schnell nicht vergessen. Der Bahn-Mitarbeiter wurde von einem Hund gebissen und verletzt. Als er sich dann gegen Tollwut impfen lassen wollte, hat er festgestellt, dass das gar nicht so einfach ist. „Niemand wollte mich impfen, das kann doch nicht wahr sein“, sagt er frustriert. Bei EXPRESS.de schildert er seine Odyssee quer durch Köln.

Köln: Polizei ermittelt nach Hundebiss gegen Halter

Zu dem Vorfall ist es gegen 13.20 Uhr am Gremberger Wäldchen gekommen. „Als ich mit meinem Fahrrad da entlang gefahren war, hat mich ein Hund einer Person, die man dem Obdachlosenmilieu zuordnen könnte, gebissen. Erst hat er mich am linken Fuß gefasst. Als ich dann abgestiegen war, biss mich der schwarze Schäferhund noch in den Arm“, schildert der Kölner.

Der Kölner Murat K. zeigt seine verletzte Hand nach einem Hundebiss.

So sah der Arm von Murat K. nach dem Hundebiss am Dienstag (14. September) aus.

Hund und Halter sind laut Murat K. dann über die nahegelegenen Gleise geflüchtet. Immerhin konnte die alarmierte Polizei den Mann (58) und den Hund fassen. Laut eines Polizeisprechers wird gegen den Mann, der zum Tatzeitpunkt alkoholisiert gewesen sein soll, wegen gefährlicher Körperverletzung ermittelt. Murat K. ist dann ins Krankenhaus, wo an seinen Arm ein Gips angebracht wurde.

Weil er sich große Sorgen gemacht hat, frage Murat K. bei der Polizei nach, ob der Hund gegen Tollwut geimpft ist. „Der Halter habe der Polizei gesagt, dass der Hund geimpft ist. Ich hatte aber ein schlechtes Gefühl und wollte auf Nummer sicher gehen. Also habe ich noch bei der Stadt angerufen, um eine Auskunft über den Hund zu bekommen. Doch da konnte mir niemand helfen. Ich wurde zurück an die Polizei verwiesen“, schildert der Kölner.

Aus eigener Initiative sei er ins städtische Klinikum Merheim gefahren. „Dort wollte mir niemand eine Impfung verabreichen. Es sei ein zu langes Prozedere und die Gefahr nicht groß genug, wurde mir gesagt. Also bin zum Krankenhaus nach Deutz. Da war das Personal zwar noch netter, aber auch dort bekam ich keine Spritze. Was für ein Film, dachte ich mir“, sagt er.

Da eine Impfung gegen Tollwut innerhalb der nächsten 24 Stunden nach einem Biss erfolgen muss, versuchte Murat K. sein Glück am Telefon beim ärztlichen Notdienst 116 117. „Auch dort wurde mir nicht weitergeholfen. Ich bin dann zum Kassenärztlichen Notdienst nach Kalk gefahren. Der Arzt wollte mir kein Rezept für die Impfung ausstellen. Auch er sagte, dass die Gefahr zu gering sei. Ich dachte mir nur, nicht dass ich einer dieser Extremfälle, von denen man immer hört, werde und wollte mich unbedingt impfen lassen. Im Krankenhaus Kalk wurde ich aber auch abgewiesen“, berichtet der Kölner.

Köln: Tollwut-Impfung nach Hundebiss nur in besonderen Fällen möglich

Weitere Anrufe beim Kölner Gesundheitsamt und der Uniklinik brachten den Kölner auch nicht weiter. Nach einem Hinweis eines Bekannten hat er dann eine Impfung von dem Hausarzt seines Freundes bekommen. „Ich habe zig Stellen angerufen und bin überall hingefahren, um eine Impfung zu bekommen. Dass ich so lange dafür brauche und so viel Stress bekommen würde, hätte ich nicht gedacht. Das kann doch nicht wahr sein“, sagt der Kölner frustriert.

EXPRESS.de fragte bei den Kliniken der Stadt, dazu gehört auch das Klinikum Merheim, nach, warum die Ärzte keine Impfung verabreichen wollten. Sprecherin Sigrid Krebs erklärt, dass in Deutschland nicht jeder, der von einem Hund gebissen wurde, automatisch eine Impfung gegen Tollwut bekommt.

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Warum das so ist, erklärt sie so: „Zuletzt wurde ein Tollwutfall bei einem in Deutschland lebenden Menschen im Jahr 2007 festgestellt, der in Marokko von einem streunenden Hund gebissen wurde (Quelle: RKI). Eine Impfempfehlung gegen Tollwut gilt lediglich für Personen, die in Länder mit einem endemischen Vorkommen von Tollwut reisen oder in bestimmten Laborbereichen beruflich tätig sind. In unseren Kliniken der Stadt Köln ist der Impfstoff gegen Tollwut selbstverständlich vorrätig. Eine Impfung kommt nur nach den Richtlinien des RKI in Frage, wenn ein Patient beispielsweise in von Tollwut betroffenem Ausland gebissen wurde.“

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