Adieu, SüdstadtKölner Kult-Franzose schließt sein Bistro für immer

David Boucherie steht mit einem Glas Wein in der Tür seines Lokals.

Copyright: Jens Meifert

David Boucherie steht vor seinem Bistro an der Elsaßstraße

19 Jahre lang war sein Bistro ein Stück Frankreich mitten in Köln. Jetzt ist Schluss. Gastronom David Boucherie verlässt die Südstadt – für die Liebe.

Ein letztes Mal Coq au vin, ein letztes Glas Côtes du Rhône. Nach 19 Jahren gehen in der Elsaßstraße die Lichter aus. David Boucherie (57), ein gebürtiger Normanne, der der Südstadt ein Stückchen Frankreich schenkte, schließt sein geliebtes Bistro.

Am Samstag fällt der letzte Vorhang. Für den Gastronomen beginnt ein neues Leben auf dem Land, in einer kleinen Ortschaft bei Fulda. Dort wartet seine Frau auf ihn. Anderthalb Jahre lang pendelte der Küchenchef, jetzt ist damit Schluss.

Vom „EXPRESS“-Fotografen zum „Südstadt-Franzosen“

Sein Lokal war immer eine Herzensangelegenheit. „Ich habe immer gerne mit guten Produkten gearbeitet“, erzählt Boucherie. Er wusste, woher seine Ware kam. Ein guter Rohmilchkäse? Für ihn ein Genuss und „echte Handarbeit“. Auf eine Bioschiene wollte er sich niemals festlegen lassen, es zählte nur, was schmeckt.

Für herausragende Croissants stand er in den Anfangsjahren morgens um 6 Uhr auf und fuhr tief in die Eifel zu einem französischen Bäcker. „Viele Dinge habe ich aus der Lust heraus gemacht“, sagt er heute, „aber es war wohl nicht immer vernünftig.“

Nach Deutschland kam Boucherie bereits 1989 – der Liebe wegen. Im Kroatien-Urlaub lernte er eine Deutsche kennen und zog für sie nach Bonn. Die Beziehung hielt nicht, doch das Rheinland wurde seine Heimat. Er arbeitete als Fotograf, drei Jahre davon für den „EXPRESS“, studierte Afrikanistik, doch die Gastronomie zog ihn in ihren Bann.

Sein Bistro, zusammengewürfelt aus Holztischen und alten Stühlen, entwickelte sich von einem Feinkostladen über ein Café zu einem echten Restaurant. Das Kochen brachte er sich selbst bei. „Ich mag Schmorgerichte wie Boeuf bourguignon“, verrät er. Mit Quiche und Tartines fing alles an. Schnell wurde er zum „Südstadt-Franzosen“.

Kölner Gastronom: „Es ist ein Knochenjob“

Viele authentische Cafés dieser Art gibt es nicht in Köln. Früher waren es Stammgäste, dann kamen immer mehr Interessierte von außerhalb. Die Arbeit war hart. Meist stand Boucherie allein in der Küche, nur unterstützt von einer Hilfe an der Theke. „Es ist ein Knochenjob, und es ist in der Gastronomie nicht leichter geworden“, stellt er klar. Trotzdem war ihm wichtig: Ein Bistro muss ein Ort des Teilens sein und darf nicht zu teuer werden.

Viele Anklänge an Frankreich finden sich an den  Wänden.

Copyright: Jens Meifert

Viele Anklänge an Frankreich finden sich an den Wänden.

Am letzten Abend soll alles ganz normal laufen. „Alle sollen kommen und miteinander reden. Darum geht es doch in einem Bistro“, wünscht sich Boucherie. „Aber später räumen wir vielleicht die Tische zur Seite und tanzen.“ Ein besonderer Gänsehaut-Moment: Zehn Bewohner aus seinem neuen 800-Seelen-Dorf Niederjossa reisen extra für den Abschied nach Köln an.

Die Zukunft des kleinen Lokals ist bereits gesichert: Kostas Tzikas, der in derselben Straße das „Phaedra“ betreibt, wird Ende Oktober die Weinbar „Eos“ eröffnen. Die Leitung wird seine Schwester Sophia Tzikas übernehmen. Geplant sind ein Umbau, eine neue Theke und eine breite Weinkarte mit kleinen Gerichten, Meze und Tapas. Den Lieferanten für Käse aus Straßburg teilen sich die beiden Gastronomen schon jetzt. (red)