In der Kölner Südstadt wurde ein türkisches Café beschossen. Das LKA erfasst inzwischen rund 20 ähnliche Fälle in NRW – und nennt brisante Details.
Schüsse in KölnSteckt die „Gen-Z-Mafia“ dahinter?
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Nach vier Schüssen auf ein türkisches Café an der Bonner Straße in der Kölner Südstadt prüft die Polizei einen Zusammenhang mit einer neuen Form der Erpresserkriminalität. Ein konkreter Hinweis darauf liegt bislang nicht vor.
Die Schüsse krachten am Montagmorgen in die Scheibe des zu diesem Zeitpunkt noch geschlossenen Lokals. Verletzt wurde niemand. Der Täter flüchtete, auf dem Bürgersteig lagen Patronenhülsen im Kaliber neun Millimeter. Ein Zeuge beschrieb einen dunkel gekleideten, glatzköpfigen Mann mit Kapuzenpullover. Die Polizei sperrte die Straße ab und setzte Spürhunde ein.
„Türkische Gen-Z-Mafia“
Bereits im August waren ein Juweliergeschäft auf der Keupstraße und ein Uhrengeschäft in der Kölner Innenstadt beschossen worden. In Erftstadt schossen zwei Vermummte auf Haus und Auto eines türkischen Geschäftsmanns.
Der Unternehmer, dem der Angriff mutmaßlich galt, betreibt eine Imbisskette; zuvor waren Filialen in Mannheim, Rüsselsheim und Osnabrück beschossen oder in Brand gesetzt worden.
Das Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen spricht laut „Kölner Stadt-Anzeiger“ von einem „neuen Kriminalitätsphänomen“. In der Öffentlichkeit wird es „türkische Gen-Z-Mafia“ genannt. Nach Einschätzung der Sicherheitsbehörden handelt es sich nicht um eine einzige Organisation.
Einem LKA-Sprecher zufolge gehe es um verschiedene Gruppierungen, die kooperieren oder gelegentlich auch miteinander konkurrieren. Genannt werden die „Daltonlar“ (die Daltons) sowie Ezgins, Caspers und Şirinler (die Schlümpfe). Die Namen stammen aus der Türkei; Experten ordnen mehrere der Gruppen einer jüngeren, gewaltorientierten Szene in Istanbul zu. Taten werden in sozialen Medien angekündigt und anschließend mit Bildern oder Videos dokumentiert.
Taten richten sich gegen konkrete Personen
Die bisher identifizierten Tatverdächtigen seien überwiegend türkische Staatsangehörige, für einzelne Tatbeiträge wurden nach LKA-Angaben auch Menschen anderer Staatsangehörigkeit eingesetzt.
Seit Februar 2026 führt das LKA dazu eine eigene Statistik. Erfasst sind rund 20 Sachverhalte in Nordrhein-Westfalen, in sechs Fällen kamen Schusswaffen zum Einsatz, in zwei weiteren hinterließen die Täter Munition in einem Kuvert. Die Zahlen seien bislang aber nur eingeschränkt belastbar.
Das LKA spricht von einer dynamischen Entwicklung und hoher Gewaltbereitschaft. „Das Fehlen fester Lebensmittelpunkte ermöglicht den Tätern ein hohes Maß an Agilität sowie einen schnellen Wechsel ihrer Unterkünfte und operativen Aktionsradien“, betont der Sprecher gegenüber dem KSTA.
Von einer allgemeinen Bedrohungslage könne nicht gesprochen werden, da sich die Taten gegen konkrete Personen richteten, auch wenn Risiken für Unbeteiligte nie ganz auszuschließen seien.
Vor allem türkeistämmige Unternehmer im Fokus der „Mafia“
Zielpersonen sind nach derzeitigem Kenntnisstand vor allem türkeistämmige Unternehmer, etwa Supermarktbetreiber, Inhaber von Restaurantketten, Fleischfabrikanten oder Juweliere. Für einen „Nichtangriffspakt“ sollen in Berlin über 100.000 oder 200.000 Euro für ein Jahr gefordert worden sein. Nach einer „rbb“-Recherche verlangte ein Anrufer in einem anderen Fall 250.000 Euro; kurz darauf seien Filialen des Supermarktbetreibers beschossen worden.
Ähnliche Phänomene traten nach Erkenntnissen des LKA zunächst in Berlin, später in Süddeutschland und schließlich in Nordrhein-Westfalen auf. Ob es sich um eine Ausweitung des Wirkungskreises oder um einen Verdrängungseffekt handelt, ist offen. (red)

