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Keine Schiffe, keine GästeKölner Altstadt-Händler wegen Rhein-Niedrigwasser tief in der Krise

Keine Schiffe, keine Einnahmen. Weil der Rhein so wenig Wasser führt, bleiben Kreuzfahrttouristen aus.

Copyright: Alexander Schwaiger

Keine Schiffe, keine Einnahmen. Weil der Rhein so wenig Wasser führt, bleiben Kreuzfahrttouristen aus.

Weil der Rhein so wenig Wasser führt, bleiben Flusskreuzfahrttouristen aus. Händler der Kölner Altstadt spüren die Folgen.

Minus 90 Prozent! So stark sind die Einnahmen von Mohamed K. (60) seit August eingebrochen. Seine laufenden Kosten bekommt der freiberufliche Stadtführer kaum noch gestemmt. Für ihn geht es inzwischen um die Existenz.

Der Grund fließt direkt vor seiner Haustür, oder besser: Er fließt kaum noch. Seit der Rheinpegel in Köln auf ein Rekordtief gefallen ist, bleiben die Flusskreuzfahrtschiffe weg, und mit ihnen verschwindet ein kompletter Wirtschaftszweig.

Stadtführer ohne Kundschaft: Klimawandel mitten in Köln

Mohamed K., der seinen vollen Namen nicht genannt sehen möchte, steht damit nicht alleine. Der Stadtführer kennt so ziemlich jeden Wirt und jeden Händler in der Kölner Altstadt. Rund um den Alter Markt hat der 60-Jährige zu jedem einzelnen Geschäft eine Geschichte auf Lager. Über den Dom und Groß St. Martin könnte er ebenfalls viel erzählen. Nur: Im Moment hört ihm einfach keiner zu.

„Der Klimawandel ist da – hier und jetzt in Köln“, warnt er. Seit vielen Jahren verdient K. sein Geld mit den Passagieren der Flusskreuzfahrtschiffe. Dass die Schiffe fernbleiben, hält er nicht für eine Durststrecke, die irgendwann vorbei ist. Im Gegenteil: „Das ist kein Zukunftsthema mehr, der Rhein bleibt jetzt einfach weg.“

In der Chocolaterie Jan von Werth am Alter Markt hängen Geldscheine und Souvenirs aus aller Welt an den Wänden – stille Zeugen besserer Tage. Jetzt bleibt die Kasse leerer als sonst. „So eine Situation hatten wir noch nie", sagt Inhaber Ingo Schröder, der den Laden seit über 15 Jahren zusammen mit seiner Frau betreibt.„ „Die ganze Stadt lebt vom Rhein. Ich hätte nie gedacht, dass wir so abhängig davon sind."“

Kundschaft, die traditionell aus den USA, Kanada oder Australien anreiste, bleibt aktuell aus. Die klassische Route führt eigentlich von Amsterdam über Basel nach Budapest, mitten durch Köln. Doch die Schiffe fehlen, und mit ihnen die Kundschaft und das Geld.

Eine Stadtführung hält vor dem Souvenirshop in der Kölner Altstadt.

Copyright: Béla Gerardu

Eine der wenigen Stadtführungen, die aktuell am Souvenirshop von Dieter Veithen vorbeikommen.

Klingt zunächst wie ein Nischenproblem, doch die Wahrheit ist: Der Kreuzfahrttourismus macht knapp elf Prozent des gesamten Kölner Tourismus aus. Von den 4,6 Millionen jährlichen Gästen kommen 460.000 über Kreuzfahrtschiffe, wie Statistiken von Köln-Tourismus zeigen. Die Passagiere buchen nicht nur Stadtführungen – sie stützen eine ganze Kette lokaler Betriebe. „Aktuell wäre eigentlich die Hauptsaison, in der wir das Geld verdienen, um den Winter finanziell zu überbrücken“, erklärt Stadtführer Mohamed K.

Auch Dieter Veithen spürt in seinem Souvenirshop die Krise. Seit fast 35 Jahren führt er das Geschäft – schon jetzt stellt er auf winterliche Räuchermännchen um, ein Versuch, irgendwie auf die ausbleibenden Sommergäste zu reagieren. „Für viele hier ist es so schlimm wie damals zu Corona-Zeiten. Ich finde, das ist ein Fall für eine Härtefallregelung – doch die bekomme ich nicht.“, sagt Stadtführer Mohamed K.

Er hat sich an zahlreiche Stellen gewandt: das NRW-Wirtschaftsministerium, den Tourismusverband NRW, das Förderprogramm Kompass. Ohne Erfolg – die Stellen verweisen teils gegenseitig aufeinander. Wer für Menschen wie ihn einsteht, bleibt unbeantwortet.

Das sagt Köln Tourismus zu den Problemen

Köln Tourismus bestätigt auf Anfrage: „Das Niedrigwasser des Rheins führt bei uns weiterhin zu Stornierungen von Stadtführungen durch Flusskreuzfahrt-Anbieter. Bis mindestens Ende Oktober sind entsprechende Absagen eingegangen.“ Wie stark sich das insgesamt auf die Gästezahlen auswirkt, lasse sich mangels statistischer Erfassung nicht beziffern – auch zu den Folgen für Gastronomie und Einzelhandel könne man derzeit keine belastbaren Aussagen treffen.

Die Sorge der Betroffenen reicht über diesen Sommer hinaus: dass es auch in den kommenden Jahren häufiger Niedrigwasser geben wird – und sie sich wirtschaftlich nicht mehr halten können. Dahinter steht die Angst vor einer, wie es Mohamed K. ausdrückt, „austauschbaren und langweiligen Altstadt ohne die alteingesessenen Kölner Geschäfte“.

Stadtführer Mohamed K. fehlt wegen des Niedrigwassers die Kundschaft.

Copyright: Arton Krasniqi

Stadtführer Mohamed K. fehlt wegen des Niedrigwassers die Kundschaft.

Auch dem NRW-Wirtschaftsministerium ist das Problem bekannt, konkreter wird die Pressestelle auf Anfrage aber nicht: „Die Folgen des Niedrigwassers bekommen Anbieter von Flusskreuzfahrten ebenso zu spüren wie Stadtführer, Restaurantbetreiber, Hoteliers oder Inhaber von Souvenirläden in den Orten entlang der Flüsse. Niedrige Pegelstände werden unsere Wirtschaft auch in Zukunft vor Herausforderungen stellen.“

Man setze deshalb „konsequent auf Klimaschutz und Klimaanpassung, um uns auf die Folgen des Klimawandels einzustellen und handlungsfähig zu bleiben“ – eine langfristige Antwort auf ein Problem, das Mohamed K., Ingo Schröder und Dieter Veithen schon jetzt akut spüren. (red)