Historischer Tiefstand in Köln! Der Rheinpegel ist auf nur 40 Zentimeter gefallen, ein Experte hat eine düstere Prognose.
Historischer TiefstandKölner Rhein nur ein Rinnsal – Experte mit düsterer Prognose

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Der Rhein führt extremes Niedrigwasser, in der Nacht wurde ein Pegelstand von nur noch 40 Zentimetern und damit ein neuer historischer Rekord erreicht.
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Der Rhein hat einen Tiefstand erreicht, den es seit Start der Messungen nicht gab. Am Montag fiel der Wasserstand auf kümmerliche 40 Zentimeter. Die Konsequenzen sind heftig: Fährbetriebe stellen den Dienst ein, Ausflugsboote können nicht mehr alle Ziele ansteuern und Frachttransporte werden spürbar kostspieliger.
Fachleute befürchten sogar, dass der Pegel am Mittwoch oder Donnerstag noch tiefer sinken könnte.
Die Politik greift wegen der Auswirkungen auf den Warenverkehr ein. Nordrhein-Westfalen hat am Montag die Ausnahme vom Fahrverbot für Lkw an Sonn- und Feiertagen bis Ende Oktober verlängert. Sie gilt für Transporte, die wegen der Wasserknappheit auf die Straße ausweichen müssen. Bundesverkehrsminister Steffen Bilger zeigte sich alarmiert über die fallenden Wasserstände in den Flüssen. „Die Lage ist weiterhin sehr angespannt. Es hat erneut zu wenig geregnet, und die Wasserstände sind weiterhin sehr niedrig“, erklärte der CDU-Politiker dem „Kölner Stadt-Anzeiger“.
Er untersuche mit den Verkehrsministern der Länder, wie man die nötige Flexibilität für die Wirtschaft gewährleisten könne. „Dazu gehören auch weitere befristete Ausnahmen vom Sonn- und Feiertagsfahrverbot für Lkw, damit Güter, die aufgrund des Niedrigwassers nicht oder nur eingeschränkt über die Wasserstraße transportiert werden können, auf der Straße befördert werden können“, so Bilger.
Steffen Bilger: Ausnahmen keine Dauerlösung
Dies sei jedoch keine permanente Lösung, unterstrich der Verkehrsminister. „Wir brauchen diese Ausnahmen jetzt, um die Unternehmen durch diese außergewöhnliche Situation zu bringen. Gleichzeitig schaffen wir zusätzliche Kapazitäten auf der Schiene und müssen langfristig dafür sorgen, dass unsere Wasserstraßen und die Schifffahrt besser mit solchen Niedrigwasserlagen umgehen können.“ Für die Binnenschifffahrt sind außer dem Rhein besonders die Elbe, die Donau, der Main und die Mosel von Bedeutung.
Wie dramatisch die Wasserknappheit mittlerweile ist, wird in Köln deutlich. Bei einem Stand von 40 Zentimetern ist die Fahrrinne im Zentrum des Flusses nur noch 1,51 Meter tief. An manchen Stellen könnte es sogar noch flacher sein. Erst am Samstag lief das Flusskreuzfahrtschiff „Dutch Melody“ an der Deutzer Platte auf Grund und musste von einem Frachtschiff befreit werden.
Die Auswirkungen treffen auch die Infrastruktur hart. Die Fähre, die zwischen Weiß und Zündorf pendelt, fährt seit Freitag nicht mehr. Die Verbindung zwischen Langel und Leverkusen-Hitdorf wurde bereits am 5. September gestoppt. Die Köln-Düsseldorfer musste Schiffe umparken, ihr Aushängeschild „Rhein-Magie“ kann seit Wochen nicht mehr ablegen.
Auswirkungen auch auf Polizei und Feuerwehr
Auch die Polizei und die Feuerwehr müssen sich auf den geringen Wasserstand einrichten. Die Wasserschutzpolizei verlegte ihr Patrouillenboot aus dem Deutzer Hafen an einen neuen Standort in Mülheim. Das Löschboot der Kölner Feuerwehr ankert nun an einem Steiger bei der Bastei. Die Abfahrt des Rettungsbootes, das weiterhin im Deutzer Hafen liegt, wird bei Pegelständen von unter 60 Zentimetern jeden Tag geprobt.
Der Meteorologe Karsten Brandt gibt kaum Anlass zur Hoffnung auf eine rasche Besserung, selbst wenn es wieder kräftiger regnen sollte. Schuld daran sind auch die extrem trockenen Böden, wie Brandt in einem Gastbeitrag für den „Kölner Stadt-Anzeiger“ erläutert. „Bevor überhaupt wieder vermehrt Wasser in die Bäche und Flüsse abfließen kann, müssen die Erdschichten erst einmal vollständig mit Feuchtigkeit gesättigt werden. Es braucht gewaltige Niederschlagsmengen, nur um dieses Defizit im Wasserhaushalt des Bodens auszugleichen“, so der Gründer des Portals donnerwetter.de.
Um die „Niedrigwasserkrise“ im Rhein zu beenden und die Fahrrinnen wieder für den regulären Schiffsverkehr befahrbar zu machen, „bräuchten wir ein ganz anderes Kaliber: langsamen ausdauernden Landregen und das über Tage hinweg“. Dafür müssten bis Februar „von der Schweiz bis zu den Mittelgebirgen“ ungefähr 700 Liter pro Quadratmeter Regen fallen. Eine solche Menge an Niederschlag fällt in Köln normalerweise in einem kompletten Jahr. (red)
