Stefan Blatt, der Jungfrau Aenne im Kölner Dreigestirn verkörpert, ist großer BAP-Fan. Prinz Niklas Jüngling fiebert mit dem 1. FC Köln. Über diese Themen tauschten sich die Tollitäten mit Wolfgang Niedecken aus.
Dreigestirn trifft NiedeckenMusik-Legende bei diesem Satz baff: „Das berührt mich“

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Das Kölner Dreigestirn – Jungfrau Aenne, Prinz Niklas und Bauer Clemens – traf Wolfgang Niedecken (2.v.r.) zum großen Gespräch über BAP, 1. FC Köln und Karneval.
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Auch wenn diese Zusammenkunft auf den ersten Blick merkwürdig erscheint. Sie erleben alle ein ganz besonderes Jahr 2026 und haben auch sonst sehr viele Parallelen in den Interessen.
Prinz Niklas I., Bauer Clemens und Jungfrau Aenne feiern gerade als Kölner Dreigestirn die Session ihres Lebens. Der Rosenmontagszug und damit der Höhepunkt der Regentschaft rückt immer näher.
Wolfgang Niedecken wird 75 und feiert 50 Jahre BAP mit großer Tour
Wolfgang Niedecken feiert Ende März seinen 75. Geburtstag. Zudem stehen in diesem Jahr die Jubiläumskonzerte zum 50-jährigen Bestehen seiner Band BAP an. Das ausverkaufte Jubiläumskonzert findet am 10. Juli im Rhein-Energie-Stadion statt. Am 18. Dezember folgt dann noch ein Heimspiel in der Lanxess-Arena.
Stefan Blatt (40), der die Jungfrau Aenne verkörpert, ist glühender BAP-Fan. Bei ihm läuft die Musik der Kölschrock-Legenden rauf und runter. Außerdem hat er ebenso wie Prinz Niklas Jüngling (33) neben dem Karneval noch eine Leidenschaft: den 1. FC Köln. Da geht es Niedecken nicht anders.
Bauer Clemens von Blanckart (42) hängt an Dackelhündin Sissi, ebenso wie der Musiker immer Hündin Numa an seiner Seite hat. 2025 fuhr der BAP-Frontmann im Rosenmontagszug mit. Genug Themen also, über die sich die vier beim großen EXPRESS.de-Treffen austauschen konnten.
Was macht BAP-Musik so besonders?
Stefan Blatt: Ich finde, dass die Band für jede Lebenssituation das passende Lied hat. Die Songs begleiten mich durch mein ganzes Leben. BAP läuft bei uns den ganzen Tag. Bei meiner Spotify-Jahresbilanz waren alle Top-5-Alben von BAP. Ich habe im vergangenen Jahr 2575 Minuten BAP gehört und bin Nummer 532 der Top-Hörer weltweit.
Wolfgang Niedecken: Da hörst du mehr BAP als ich (lacht).
Stefan Blatt: Ich kenne meine Frau seit der Krabbelgruppe. Durch sie habe ich BAP noch intensiver kennengelernt. Sie war noch im Bauch ihrer Mutter, als die im April 1986 im Rahmen der „Ahl Männer, aalglatt“-Tour in der Sporthalle das Konzert besucht hat.

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Erinnerungsfoto für zwei eingefleischte BAP-Fans: Wolfgang Niedecken zusammen mit Jungfrau Aenne Stefan Blatt (r.) und dessen Ehefrau Julia.
Wolfgang Niedecken: An das Konzert erinnere ich mich noch gut. Bis dahin hatte ich es immer abgelehnt, in größeren Hallen als dem Sartory-Saal zu spielen. Ich wollte immer das Weiße in den Augen der Leute sehen können, um die Kommunikation aufrechtzuerhalten.
Stefan Blatt: Wir waren 2023 zusammen mit Julias Eltern bei den „Zeitreise“-Konzerten im Sartory. Die haben die Begeisterung gewissermaßen an uns weitergegeben. Auch unsere Töchter singen die Lieder inzwischen mit.
Wolfgang Niedecken: Das berührt mich, wenn ich sehe, wie viele Generationen mit der Musik etwas verbinden. Ich spüre, wie oft die Leidenschaft für BAP weitergegeben wird. Wir können nur nach unseren Werten leben und damit im Kleinen dazu beitragen, die Welt vielleicht ein wenig besser zu machen.
Stefan Blatt: Bei unserer Hochzeit 2013 haben wir zu „Ich danz met dir“ getanzt. Wir sind nicht so die Tänzer und hatten auch im Vorfeld nicht viel geübt. Als der Moment da war, hat es einfach funktioniert. Es hört sich vielleicht blöd an, aber ich mag es nicht, bei der eigenen Feier so im Mittelpunkt zu stehen.
Wolfgang Niedecken: Dann hast du ja jetzt im Dreigestirn alles richtig gemacht (lacht).

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Clemens von Blanckert, Stefan Blatt und Niklas Jüngling hatten reichlich Gesprächsstoff mit Wolfgang Niedecken.
Niklas Jüngling: Meine Tante hat bei der Plattenfirma EMI gearbeitet. Das erste Konzert, zu dem sie mich mitgenommen hat, war auch von BAP. 2008 habt ihr im Rahmen der „Linz Europa Tour“ auf einem Schiff an der Südbrücke gespielt.
Clemens von Blanckart: Ich kenne nur die Hits, habe aber ein Herz für zeitgenössische Kunst. Wolfgang ist auch ein fantastischer Maler. Seine ausdrucksstarken Bilder gefallen mir. Die knalligen Farben sprechen mich an.
Bei einem anderen Thema gibt es auch große Parallelen – bei der Liebe zum 1. FC Köln.
Wolfgang Niedecken: Welcher Fußballverein kann sich schon rühmen, dass im Stadion nur Lieder im Dialekt laufen? Ich bekomme immer feuchte Augen, wenn der FC gut gespielt, aber verloren hat und alle zusammen das „Veedel“ singen. Das ist eigentlich Weltkulturerbe. Ich will nichts gegen den BVB sagen, aber wie kann man die Hymne des FC Liverpool singen?
Niklas Jüngling: Ich bin Dauerkartenbesitzer und bin dabei schon durchs Stadion gewandert. Anfangs saß ich mit meinen Eltern in W1, dann durfte ich mit 13 Jahren in S6 wechseln, bin immer weiter Richtung S3/S4 gewandert, wo der harte Kern der Südkurve steht. Jetzt sitze ich seit vielen Jahren in O8. Ich fahre auch gerne zu den Auswärtsspielen und stehe dann dort in der Kurve. Wenn nach einem Sieg „Dat Hätz vun dr Welt“ gesungen wird, bin ich begeistert.
Clemens von Blanckart: Ich bin gar nicht so der Fußball-Fan. Ich vergesse auch immer, in der Tipprunde der Prinzen-Garde die Tipps abzugeben.
Niklas Jüngling: Wenn es nach meinen Tipps geht, würde der FC immer mit voller Punktzahl Deutscher Meister.
Wolfgang Niedecken: Ich habe auch noch nie gegen den FC getippt. Auch wenn ich befürchte, dass wir einen auf die Mütze bekommen, denke ich, dass ein 1:0 gegen Bayern drin sein muss.
Niklas Jüngling: Das macht man auch nicht, gegen seinen Verein zu tippen.

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Stammgast im Rhein-Energie-Stadion. Wolfgang Niedecken ist möglichst oft mit seiner Frau Tina bei den Heimspielen des 1. FC Köln.
Wolfgang Niedecken: Ich habe mal neben Hans Süper, der von Fußball gar keine Ahnung hat, ein Spiel gegen die Bayern in der Präsidentenloge verfolgt. Vor uns saß direkt Karl-Heinz Rummenigge. Vom Spiel habe ich nichts mitbekommen, weil Süper in einer Tour auf Rummenigge eingeredet hat. Da fielen nur Sprüche wie: „Wenn alle den Ball haben wollen, dann gebt ihnen doch 22 Bälle.“
Stefan Blatt: Ich war 2016 beim 40-Jahre-Jubiläumskonzert in der Lanxess-Arena. Damals kam Hans Süper mit auf die Bühne. Das war ein Gänsehautmoment.
Wolfgang Niedecken: Hans Süper half ihm nach dem Schlaganfall
Wolfgang Niedecken: Zwischen uns beiden gab es eine wunderbare Freundschaft. Dieser karnevalistische Anarchist mit seinen dadaistischen Pointen hat mich immer zum Lachen gebracht. Als ich 2011 meinen Schlaganfall hatte, rief Hans mehrmals bei meiner Frau an und wollte mich unbedingt sprechen. Sie hat das immer abgelehnt, weil ich noch Schwierigkeiten hatte, die richtigen Worte zu finden. Ich lag noch in der Uniklinik, da rief er wieder an und ließ nicht locker. Als er mich endlich am Hörer hatte, hielt er mir eine Standpauke, was mir einfallen würde, einen Schlaganfall zu haben. Ich hab’ mich verteidigt und hatte plötzlich keine Mühe mehr, die richtigen Worte zu finden, weil ich Kölsch mit ihm gesprochen habe.
Wie weit sind denn schon die Vorbereitungen auf die großen Jubiläumskonzerte?
Wolfgang Niedecken: Ich sitze seit Wochen an der Setlist. Mir fallen immer wieder Lieder ein, die wir noch spielen müssten. Wenn wir dürften, könnten wir bis zum Morgengrauen spielen. Ich freue mich schon sehr darauf, was in diesem Jahr kommt. Wir planen das Jubiläum seit zwei Jahren. Das ist wirklich viel Arbeit. Wenn ich aber auf der Bühne stehe, empfinde ich das nicht mehr als Arbeit, die findet vorher statt.

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Inzwischen hat Wolfgang Niedecken auch seinen Frieden mit dem Karneval gemacht. „Nit für Kooche“ spielte er zuletzt sogar mit jecker Mütze.
Gibt es Tipps oder Rituale vor den Auftritten?
Wolfgang Niedecken: Eine Stunde vor Showbeginn wird ein Schild mit der Aufschrift „Ommm“ an die Garderobe gehängt, dann lege ich mich hin und komme zur Ruhe. Über Yoga habe ich mich lange lustig gemacht, aber ich mache eine einfache Übung, bei der ich die Beine hochlege und die Arme zur Seite strecke. Dann läuft mir das Blut in den Kopf und ich bin wieder fit und entspannt. Vielleicht ist das auch was für euch, bei den ganzen Terminen.
Niklas Jüngling: Da wird mein Adjutant aber blöd schauen, wenn ich demnächst die Yogamatte ins Auto packe (lacht).
Stefan Blatt: Ich kenne noch ein weiteres BAP-Ritual: die Huldigung vor dem Altar. Mein bester Kumpel hat einen Partyraum mit Theke. Er hat damals in einer Schulband gespielt und hat sich so einen mit vielen Erinnerungsstücken nachgebaut. Wenn wir dann bei ihm im Keller die FC-Spiele geschaut haben, wurde davor angestoßen.
Wolfgang Niedecken: Entstanden ist das in Anspielung auf den chaotischen und blamablen Auftritt von Bob Dylan, Keith Richards und Ron Wood, anmoderiert von Jack Nicholson, bei Live Aid 1985, wo alle komplett betrunken waren. Es war purer Rock ’n’ Roll. Ich sage immer „Auf den Fußballgott, auf den Wettergott“ und die Band antwortet „Und auf die vier Heiligen Drei Könige“. Dazu gibt es ein kleines Gläschen Grappa in homöopathischer Dosis.

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Vor diesem Altar voller Erinnerungsstücke trifft sich die Band BAP vor jedem Auftritt zur Huldigung.
2025 sind Sie zum zweiten Mal im Zoch mitgefahren. Wie hat sich das angefühlt?
Wolfgang Niedecken: Das ist schon ein Erlebnis. Es ist bekannt, dass ich zum Karneval ein differenziertes Verhältnis habe. Christoph Kuckelkorn hat sich aber immer sehr bemüht, mich einzubinden. Die Leute rufen deinen Namen, das ist schon ein Triumphzug durch die Stadt. Wenn man einmal auf so einem Wagen stand und das Gesamtgefühl erlebt hat, kann man da nicht mehr drüber lästern.
Niklas Jüngling: Das ist der höchste Feiertag der Stadt, es gibt nichts Schöneres.
Wolfgang Niedecken: Es geht auch so schnell vorbei und ist ein einziger Rausch. Ich wusste immer nicht, wo ich zuerst hinschauen sollte.
Clemens von Blanckart: Es wird meine achte Teilnahme im Zoch. Ich war schon zu Fuß dabei und auf einem Wagen. Jetzt wird es natürlich ganz speziell. Die Severinstraße ist für mich immer der Höhepunkt.
Stefan Blatt: Für mich ist es mein zwölfter Rosenmontagszug. Wenn man durch die Straßen zieht, spürt man, wie froh die Menschen sind und wie viel Freude man schenken kann. Das ist auch unser Dreigestirn-Motto. Wir leben in einer so verrückten Zeit. Wenn wir durch unsere Figuren Freude schenken können, ist das großartig.

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Wolfgang Niedecken und seine Frau Tina beim Rosenmontagszug 2025 neben Festkomitee-Vizepräsidentin Christine Flock (r.).
Wolfgang Niedecken: Ist es nicht unheimlich heiß in einem Ornat?
Niklas Jüngling: Ich habe zum Glück ein kurzes Höschen an. Beim Bauern ist der Hut sehr schwer, die Jungfrau trägt das schwerste Ornat.
Clemens von Blanckart: Obwohl wir gelegentlich ein Kölsch trinken und zwischendurch deftiges Essen bekommen, nehmen wir in der Session durch das Herumlaufen, Schwitzen und Tanzen Gewicht ab. Wir erleben auch eine emotionale Achterbahn, wenn wir von sozialen Einrichtungen zu wilden Kostümsitzungen fahren. Da benötigt man schon etwas, um das zwischendurch zu verarbeiten.
Wie verarbeiten Sie die Konzerte vor Tausenden?
Wolfgang Niedecken: Direkt nach dem Auftritt benötige ich eine Viertelstunde, in der ich meine Ruhe habe und unter die Dusche gehe. Dann dauert es aber auch relativ lange, bis ich einschlafen kann, weil so viel Adrenalin unterwegs ist. Die Partyjahre nach den Konzerten sind definitiv vorbei.
Stefan Blatt: Fragt man sich dann in der Band auch, was gut oder schlecht gelaufen ist?
Wolfgang Niedecken: Nicht direkt nach dem Auftritt. Das spreche ich dann am nächsten Tag beim Soundcheck für die folgende Show an. Wir haben eine schöne Tradition. Wenn jemandem eine lustige Verfehlung unterläuft, erhält er dafür den „Heinz“. Die Trucker haben doch oft vorn ihren Namen oder den der Partnerin am Armaturenbrett. Ich habe mal solch einen Anhänger mit dem Namen „Heinz“ gekauft und der wird dann verliehen.
Niklas Jüngling: Eine tolle Idee, sollten wir auch mal diskutieren. Vielleicht sollten wir das innerhalb der Wache der Prinzen-Garde verleihen.
Wolfgang Niedecken: Unser Posaunist hat sich mal beschwert, dass damit immer eher negative Dinge verbunden wurden. Daraufhin haben wir den „Heinz plus“ für besondere Leistungen entwickelt. Der „Heinz“-Anhänger ist in weißer Schrift auf blauem Grund, der „Heinz plus“ farblich genau umgekehrt. Zudem ist da noch die Schweizer Flagge drauf. Wir sind ziemlich albern, aber das hilft bei einer anstrengenden Tour für die Stimmung.
Clemens von Blanckart: Ich fürchte, dass ich nachher oft ausgezeichnet werde. Für Fettnäpfchen bin ich der Spezialist. Meine Angst ist immer, dass ich mit dem Dreschflegel vier Leute k.o. schlage.

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Stefan Blatt hatte seine Plattensammlung mitgebracht, um sich alle Schätze von Wolfgang Niedecken unterschreiben zu lassen.
Niklas Jüngling: Mich hat ein sehr erfahrener Karnevalist in den Arm genommen und hat zu mir gesagt: Genießt die Zeit und macht auch richtig viel Blödsinn. Denn Fastelovend soll Spaß machen. Das beherzigen wir.
Stefan Blatt: Wenn wir mit der Wache in die Sartory-Tiefgarage fahren, machen alle Autos „Highway to Hell“ an. Das ist auch ein solcher Moment.
Wolfgang Niedecken: Nach der Session wird es dann sicher die Herausforderung, nicht in ein Loch zu fallen.
Niklas Jüngling: Deshalb fahre ich direkt danach in den Skiurlaub, um auf andere Gedanken zu kommen. Clemens holt die Hochzeitsreise nach, die wegen Corona und der Geburt seiner Tochter mehrmals verschoben wurde.
Stefan Blatt: Ich habe zwei schulpflichtige Kinder. Mich holt der Alltag dann schnell wieder ein. Dann ist Jungfrau Aenne schnell vergessen. Aber mit diesem Treffen habe ich ja jetzt eine bleibende Erinnerung an die Dreigestirns-Zeit.

