Ewald Lienen blickt mit Sorge auf die WM 2026, die unter anderem auch in den USA stattfindet. Im EXPRESS.de-Interview spricht er aber auch unter anderem über den 1. FC Köln und die Bundesliga.
WM 2026Ex-FC-Trainer Lienen: „Menschenverachtend, psychopathisch oder sogar kriminell“
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Ewald Lienen war nicht nur als Spieler in der Bundesliga aktiv, sondern auch als Trainer. Als Übungsleiter erweiterte er seinen Horizont und stand unter anderem in Spanien, Griechenland und Rumänien unter Vertrag.
Auch beim 1. FC Köln stand er fast dreieinhalb Jahre an der Seitenlinie und feierte im Jahr 2000 den Aufstieg aus der 2. in die Bundesliga. Heute ist er seinen Ex-Klubs noch verbunden und hat einen eigenen Fußball-Podcast. Im EXPRESS.de-Interview spricht Lienen unter anderem über die FC-Entwicklung unter Lukas Kwasniok, Tabellenführer FC Bayern und seinen kommenden Auftritt in Köln.
Ewald Lienen: „Ich freue mich für uns Fußballfans“
Fußball bestimmt Ihr Leben nach wie vor. Schauen Sie sich aktuell lieber Spiele der 1. Bundesliga, der 2. Liga oder der 3. Liga an?
Lienen: Fußball gehört zu meinem Leben. Ich schaue viel und gerne Spiele an. Am liebsten natürlich schöne und spannende Spiele, national und international. Es gibt Vereine und Mannschaften, die mich besonders interessieren. In Bielefeld, Mönchengladbach, Duisburg, Rostock, Hannover, Köln, 1860 München und St. Pauli war ich selbst beruflich tätig. Mit den Vereinen fühle ich mich immer noch mehr oder weniger verbunden. In der letzten Saison haben mir die Spiele des VfB Stuttgart, sowie von Frankfurt und Leverkusen mit ihrer Spielweise viel Freude gemacht. Dass der MSV Duisburg, Arminia Bielefeld, 2024 der FC St. Pauli und 2025 der FC Köln aufgestiegen sind, hat mich sehr begeistert. Und natürlich war ich auch beim Pokalendspiel 2025 in Berlin dabei. Wenn mein Heimatverein Arminia Bielefeld als Drittligist gegen den VfB Stuttgart spielt, das lasse ich mir nicht entgehen! Und: Die Mannschaft wurde der Gewinner der Herzen! Das ist für mich persönlich mehr wert als ein Pokal in der Vitrine.
Bayern München hatte nach 18 Spieltagen schon elf Punkte Vorsprung. Auch, wenn es nun – zwei Spieltage später – nur noch sechs Zähler sind: Ist das der Ausdruck eigener Stärke, der Schwäche anderer oder sogar ein Alarmsignal?
Lienen: Die Mannschaft des FC Bayern begeistert mich in dieser Saison sehr. Da stimmt einfach alles! Sensationelle Spieler, ein großartiger Trainer. Den Bayern ist alles zuzutrauen, sowohl in der Meisterschaft als auch in der Champions League. Und ich wünsche es ihnen sehr. Dass die Bayern gut dastehen, hat was mit ihren finanziellen Möglichkeiten und ihrer klugen Transferpolitik, aber vor allem mit dem Trainer zu tun. Es hat der beste Trainer keine Chance, wenn die Mannschaft nicht gut zusammengestellt ist. Es können die besten Mannschaften nicht gut und effektiv spielen, wenn es nicht den passenden Trainer gibt. Der FC Bayern hat beides. Chapeau! Ich freue mich für sie und für uns Fußballfans, auch wenn sie gerade etwas von ihrem großen Punktevorsprung verloren haben.
Am 2. März sind Sie im Gloria zu Gast in Köln. Lukas Kwasniok stand in der letzten Zeit schon sehr in der Kritik. Wie beurteilen Sie die Entwicklung des Vereins?
Lienen: Also, ich bin immer wieder in Köln. Köln ist für mich vielleicht nicht die schönste Stadt Deutschlands, aber Köln ist ein Lebensgefühl (lacht). Ich bin sehr gerne dort. Ein überzeugter Karnevalist werde ich allerdings wohl nie. Ich bin das ganze Jahr über fröhlich, auch in meiner Heimat OWL. Was die Entwicklung des 1. FC Köln betrifft: Dazu kann ich eigentlich nichts wirklich Fundiertes sagen, weil ich nicht nah genug dran bin. Was ich auf dem Platz via TV sehe, zeigt, dass sich die Mannschaft weiterentwickelt und das auch weiter tun muss. Das ist ein Prozess und benötigt Zeit. Gras wächst auch nicht schneller, wenn man daran zieht. Lasst die Mannschaft und das Trainerteam in Ruhe arbeiten und etwas aufbauen. Die sportliche Leitung und der Trainer werden schon wissen, wie sie spielen möchten und welche Art von Spieler sie benötigen.
Mit welchem Gefühl blicken Sie auf das Turnier in einem Land, dessen Präsident Donald Trump heißt?
Lienen: Sportliche Veranstaltungen in Ländern zu veranstalten, die von menschenverachtenden, psychopathischen oder sogar kriminellen Führern regiert werden, ist auf jeden Fall diskussionswürdig. Aber das ist nicht neu. Und es ist sehr schwer zu handeln, vorwiegend dann, wenn die verantwortlichen Sportorganisationen wie die FIFA oder das IOC mit solchen Leuten gemeinsame Sache machen. Sollen sich die beteiligten Verbände für einen Boykott aussprechen, nachdem sie vorher der Vergabe zugestimmt haben? Die Mannschaften haben sich qualifiziert, die Spieler haben hart dafür gearbeitet, an dieser WM teilnehmen zu können. Kritisch sehe ich aber auf jeden Fall auch, dass auf dem Rücken der Sportler jetzt wieder eine Diskussion entfacht wird, für die sie nicht verantwortlich sind, die gesamtgesellschaftlich geführt werden muss und um die sich die Politik immer wieder erfolgreich gedrückt hat. Sie fragen nach meinen Gefühlen in diesem Zusammenhang? Sie sind auf jeden Fall ambivalent.
Sie schauten schon immer über den Tellerrand Fußball hinaus. Nach Ihrem Abschied beim FC St. Pauli arbeiten Sie zwar weiterhin als Fußballexperte und haben einen Fußball-Podcast, sind aber auch Nachhaltigkeitsbotschafter, Autor, Vortragsredner und Klimabotschafter im Kreis OWL. Gibt es einen Schwerpunkt, der Ihnen besonders am Herzen liegt?
Lienen: Einen Schwerpunkt? (lacht) Wieviel Zeit haben Sie? Ich habe mich schon auf vier bis fünf Schwerpunkte reduziert, weil man nicht alles machen kann. Aber noch weniger wird der Sache nicht gerecht … Grundsätzlich bin ich sehr an Gerechtigkeit und Menschenrechten, am Schutz und Erhalt unserer Lebensräume, an körperlicher und geistiger Gesundheit und an einem Leben im Einklang mit der Natur und uns selbst interessiert. All das sind sehr komplexe Themen, wie auch „Klimaschutz und Nachhaltigkeit“, die mit allen gesellschaftlich relevanten Bereichen zu tun haben und in sie hineinwirken. Aber was auch immer wir verbessern oder umsetzen wollen, es ist nicht auf einfache Art und Weise zu erreichen, weil alles mit allem verbunden ist und sich Entwicklungen gegenseitig beeinflussen. Die Bildung spielt eine große Rolle, und da speziell die Persönlichkeitsentwicklung und Charakterbildung unserer Kinder und Jugendlichen, in den Schulen und den Zehntausenden Sportvereinen. Das ist eines meiner Themen, ohne dessen Verbesserung wir auch keine Chance hätten, dass sich mehr Menschen für Natur- und Klimaschutz einsetzen. Genauso wichtig ist die Art und Weise, wie wir miteinander umgehen, sprechen, kommunizieren. Auch damit beschäftige ich mich, weil man es lernen kann, als Einzelner, aber auch als Führungskraft, als Lehrer, Gruppenleiter, Trainer oder Elternteil. Wenn die ewigen Lebensprinzipien der Maßstab unseres Denkens und Handelns sind, wenn also unsere gelebten Werte die Charaktereigenschaften widerspiegeln, die für ein zufriedenes und „gesundes“ Leben unerlässlich sind, dann sind wir auf dem richtigen Weg, egal, um welchen Lebensbereich es geht …
Bei Ihrem Auftritt im Kölner Gloria wird der Kölner Gitarrist und Sänger Helmut Krumminga für die musikalische Unterhaltung sorgen.
Lienen: Helmut Krumminga gehört zu den besten Gitarristen in Deutschland und ist ein wunderbarer Sänger. Wir haben uns 1999 in Köln kennengelernt. Ich war der neue Trainer des 1. FC Köln und Helmut Musiker bei BAP. Unsere Wege kreuzten sich ständig. Wir merkten schon bald, dass wir gut zueinanderpassten, unsere Gedanken und Gefühle im Gleichklang waren. So hat sich über die Jahre eine schöne Freundschaft entwickelt. Als ich für meinen Bühnenauftritt einen musikalischen Partner suchte, war Helmut da. So ist das eben. Freundschaft ist, füreinander da zu sein. Und dass wir jetzt zusammen auf der Bühne stehen, das ist die Kirsche auf der Marzipantorte! Ihr werdet sehen …




