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Star-Rednerin nimmt AbschiedNach 16 Jahren im Karneval ist es aus und vorbei

Ingrid Kühne steht zwischen Michael Gerhold und Joachim Wüst.

Copyright: Daniela Decker

Der Präsident der Nippeser Bürgerwehr, Michael Gerhold (l.), holte Joachim Wüst auf die Bühne. Er sang für Ingrid Kühne zum Abschied „Du bes Kölle“.

Aus und vorbei. Ingrid Kühne hat nach 16 Jahren im Kölner Karneval ihren letzten Auftritt absolviert. Bei der Nippeser Bürgerwehr wurde sie mehrfach überrascht und konnte die Tränen nicht zurückhalten.

16 Jahre gehörte sie fest zum Kölner Karneval. Doch nun ist die Zeit für Ingrid Kühne (57) im jecken Treiben der Stadt vorbei. Im Rahmen der Kostümsitzung der Nippeser Bürgerwehr feierte sie ihren tränenreichen Abschied.

Der letzte Auftritt der erfolgreichen Kabarettistin aus Xanten-Lüttingen fand am Freitagabend (13. Februar 2026) in der Flora statt. Seit Anfang Januar hatte Ingrid Kühne rund 100 Auftritte absolviert und jeder einzelne war ein Abschied von der Karnevalsbühne.

Ingrid Kühne verabschiedet sich nach rund 100 Sessionsauftritten

„Ich gehe mit einem weinenden und einem lachenden Auge“, erklärte Kühne im EXPRESS.de-Gespräch. „In den 16 Jahren durfte ich unvergesslich schöne Momente erleben, die ich nie vergessen werde“, betonte sie mit tränenerstickter Stimme.

In dieser Zeit hat sich der Karneval jedoch stark verändert. „Früher sind Gäste, die sich nicht für den Redner oder die Rednerin interessiert haben, aus Respekt vor dem Künstler und den anderen Gästen ins Foyer gegangen. Heute wird einfach am Tisch weitergeredet.“

„Es fühlt sich immer noch richtig an, aber auch komisch. Erstens weiß ich nicht, wie es für mich nächstes Jahr ohne Karneval sein wird. Zweitens weiß ich nicht, ob alle meine Entscheidung verstehen oder zumindest respektieren können.“

Ingrid Kühne steht mit dem Elferrat auf der Bühne.

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Ingrid Kühne zusammen mit dem kompletten Elferrat und Joachim Wüst.

Vor ihrem letzten Auftritt bei der Nippeser Bürgerwehr hatte Ingrid Kühne großen Bammel. „Es war nicht nur die Sitzung meines Agenturchefs Michael Gerhold, sondern ein ganz persönlicher und emotionaler Abschluss.“ Die letzten Wochen waren bereits herausfordernd, doch der Abend in der Flora übertraf alles. Beim Einmarsch in den Saal wurde sie von hunderten Fähnchen mit der Aufschrift „Danke Ingrid“ empfangen.

„Als ich morgens aufgewacht bin, wurde mir erst richtig bewusst, dass heute mein letzter Tag auf einer Karnevalsbühne ist. Ich bin vollkommen glücklich, dass ich meinen letzten Auftritt bei euch haben darf“, sagte Kühne unter Tränen und fügte mit ihrem typischen Humor hinzu: „Lasst uns jetzt ein bisschen Spaß haben, sonst zahlt Michael die Gage nicht.“

Gäste halten „Danke Ingrid“-Fähnchen in die Luft.

Copyright: Daniela Decker

Mit über 1000 Fähnchen mit dem Aufdruck „Danke Ingrid“ wurde Ingrid Kühne in der Flora empfangen.

Nach ihrer mit Standing Ovations gefeierten Rede bedankte sich Ingrid. „Humor ist keine Frage des Geistes. Humor ist eine Frage des Herzens. Deshalb sage ich zu meinem Herzenspublikum: Meine Zeit ist jetzt um. Ihr wart ein fantastisches Publikum. Ich verschwinde jetzt von der Karnevalsbühne und wünsche euch noch einen schönen Karneval.“ Weiter kam sie vor lauter Schluchzen und donnerndem Applaus nicht.

Präsident Michael Gerhold hatte sich zu Ehren von Ingrids Abschied mit seinem kompletten Elferrat in lilafarbenen Westen gekleidet. Mit Urkunde und Krätzchen ernannte er die Künstlerin zum Ehrenoberleutnant der Bürgerwehr und überraschte sie anschließend mit einer riesigen Torte. Aber es kam noch besser.

Ingrid Kühne mit Mann Ralf und Sohn Sven.

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Ingrid Kühne zusammen mit ihrem Mann Ralf (l.) und Sohn Sven. Beide begleiteten die Rednerin zu ihrem letzten Auftritt.

„Wir haben für dich einen Wegbegleiter und Förderer eingeladen. Joachim Wüst war der erste, der dich in die Fernsehsitzung geholt und deinen Weg damit ein ganzes Stück leichter gemacht hat“, betonte Gerhold. Als der Präsident der Großen Kölner zum Mikrofon griff und die Hymne „Du bes Kölle“ von Tommy Engel anstimmte, brachen bei Ingrid alle emotionalen Dämme.

„Dieser letzte Auftritt wird mir immer in Erinnerung bleiben. Ganz besonders ist es, dass ich diesen Moment mit meinem Mann Ralf und meinem Sohn Sven teilen durfte. Sie standen immer hinter mir, nicht nur im Karneval – besonders dort – und haben viel dafür getan, dass alles schön für mich ist.“

Michael Gerhold überreicht Ingrid Kühne eine große Torte.

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Der Präsident der Nippeser Bürgerwehr, Michael Gerhold, überraschte Ingrid Kühne mit einer riesigen Torte und der Ernennung zum Ehrenoberleutnant.

Auch der Agentur Ahrens und deren Chef Michael Gerhold galt ihr Dank: „Ihr habt mich von Anfang an freundschaftlich unterstützt, und das wird sich nicht ändern, wenn ich ab März mit meinem neuen Solo-Programm unterwegs bin.“

Ingrid Kühne freut sich jetzt auf den Rosenmontagszug, den sie auf dem Gesellschaftswagen der „Großen Kölner“ erleben wird. „Mein Herz schlägt immer für den Karneval und das wird auch so bleiben. Lassen wir uns gemeinsam dafür sorgen, dass Tradition, Brauchtum und ein positives Miteinander an erster Stelle stehen. Ich habe eine wunderbare Session hinter mir, und der Spruch könnte nicht passender sein: Wenn es am schönsten ist, sollte man gehen.“

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