Schaurig-schön in Nippes: Ein riesiger Geister-Tross eroberte das Viertel.
Jecke Party und ernster ProtestGrusel-Demo: Kölns Mietrebell mit rasanter Rede

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Der Jeisterzoch zieht am Samstag (7. Februar 2026) durch Nippes.
Aktualisiert
Unter dem Motto „Hühste Zick för ne andere Wunnungspolitik – mer könne nit all em Dom schlofe!“ erlebte Köln-Nippes am Samstag (7. Februar) eine wahre Geisterflut. Der kultige Geisterzug feierte sein 35. Jubiläum, ein wilder Mix aus jecker Party und ernstem Protest. Tausende Teilnehmer forderten lautstark das Recht auf eine Bleibe und mehr Zusammenhalt in einer Stadt für jeden und jede.
Bereits eine Stunde vor Beginn war die Geräuschkulisse gewaltig. Ausgestattet mit allem, was Lärm macht – von Trommeln über Bratpfannen bis zu Vuvuzelas – sorgten Tausende von Spukgestalten für einen Riesen-Radau. Erich Hermans, der Chef des Vereins Ähzebär un Ko e.V., führte die Parade an und steuerte mit seinem eigenhändig gebauten „Rummelpot“ ein schrilles Pfeifkonzert bei. Ganz traditionell blieben elektronische Beats, Süßigkeiten und motorisierte Fahrzeuge außen vor; stattdessen dominierten Getöse, klare Botschaften und kreative Verkleidungen. Das berichtet „Kölner Stadt-Anzeiger“.
Teilnehmerin: „Der absolute Horror sind solche Sachen wie Indexmiete.“
Mathias, Sonja, Annika und Ida sind seit mehr als einem Jahrzehnt Stammgäste bei dem Umzug. „Das Motto dieses Jahr ist uns aber besonders wichtig“, erläuterte Sonja. „Jeder von uns hätte einfach gern eine tolle, lebenswerte Wohnung und jeder von uns weiß auch, wie viel wohnungspolitisch falsch läuft.“
Die derzeitige Situation sei schaurig genug, um perfekt zum Geisterzug zu passen. Ida ergänzte: „Der absolute Horror sind solche Sachen wie Indexmieten.“ Die offiziellen Statistiken der Stadt malen ein düsteres Bild: In Köln haben circa 12.000 Personen keine eigene Bleibe, und davon sind ungefähr 400 obdachlos.
Auch die Verkleidungen übermittelten die unmissverständliche Message. Mitglieder der Wohnhilfen der Diakonie Michaelshoven hatten sich Häuser als Kopfbedeckung gebastelt, auf denen Sprüche standen wie „Ein Zuhause ist kein Privileg, sondern ein Menschenrecht“.
Währenddessen marschierten leuchtende Miethaie mit Trommeln durch die Gassen und hielten ganz Nippes wach. Ein Astronaut am Wegesrand präsentierte ein Plakat mit der Aufschrift: „Mir welle en Köln levve, net op dem Mond!“
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Der 70-jährige Erich Hermans blickte auf die Ursprünge der nächtlichen Parade zurück. „1991 wurde wegen des zweiten Golfkriegs der Rosenmontagszug abgesagt“, berichtete er. Als Reaktion darauf rief man eine Demonstration gegen den Krieg ins Leben, an der sich alle beteiligten.
Zwei Jahre danach rief er den Verein „für Geisterzug und andere kölschrebellische Traditionen“ ins Leben. Zugleiter Frank Zingsheim stellt unmissverständlich fest: „Brauchtum ist mehr als Tradition. Brauchtum ist Haltung, gelebte Solidarität und Statement.“

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Ein Miethai ist auch beim Jeisterzoch am Samstag (7. Februar 2026) dabei, auf seinem Schild prangert er eine Miete von 1500 Euro kalt für eine 60- Quadratmeter-Wohnung in Nippes an
Anlässlich des 35. Geburtstags mündete der Umzug diesmal nicht in einer Abschlusskundgebung, sondern in einer riesigen Sause im Odonien. Auf dem Programm standen Musik, Auftritte von Samba-Gruppen und knappe Ansprachen.
Mietrebell Kalle Gerigk: Köln braucht einen anderen Geist in der Wohnungspolitik
Der Miet-Aktivist Kalle Gerigk fasste die Lage in einer rasanten Büttenrede zusammen: „Man bleibt nicht mehr zusammen aus Liebe, sondern aus Wohnungsnot.“ In Köln würde man schneller ein leeres Büro als eine bezahlbare Wohnung finden.
„Wohnen ist kein Luxus. Wohnen ist ein Menschenrecht. Und was erleben wir in Köln? Mietern, die explodieren. Nebenkosten, die Menschen in Schulden treiben. Sozialwohnungen, die schneller verschwinden als sie gebaut werden. Luxusneubauten, die leer stehen, während tausende Menschen verzweifelt eine Wohnung suchen“, so Gerigk.
Darum brauche Köln einen anderen Geist in der Wohnungspolitik. Kölns Mietrebell: „Einen Geist, der fragt: Wie viel Miete ist zumutbar? Nicht, wie viel Profit ist möglich.“ Er schloss seine Darbietung mit einem dreifachen „Alaaf für ein Köln, in dem niemand mehr Angst vor Wohnungsnot hat“. (red)
Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.

