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Erschreckende Karnevals-Bilanz„Von Grapschen bis hin zu Vergewaltigungen“

Einsatzkräfte der Polizei beim Rosenmontagsumzug in Köln

Copyright: Arton Krasniqi

Einsatzkräfte der Polizei beim Rosenmontagsumzug in Köln

Die Initiative Edelgard zieht nach den Karnevalstagen eine erschreckende Bilanz.

Das Projekt, das Frauen vor sexualisierter Gewalt schützen soll, hat dieses Jahr einen gestiegenen Beratungsbedarf bei jungen Leuten und eine Zuspitzung der Lage bemerkt.

Dies berichtet Hanna Frank von der Koordinierungsstelle der Initiative Edelgard.

Hohe Dunkelziffer vermutet: Edelgard nennt keine Zahlen

Mit mobilen Einsätzen von jeweils drei Zweierteams in den Party-Hotspots Zülpicher Platz/Barbarossaplatz, Südstadt und Aachener Straße/Brüsseler Platz wurden laut eigenen Angaben 4700 Personen erreicht.

„Die Einsatzteams hatten einen Zähler dabei“, erklärt Frank auf Anfrage des „Kölner Stadt-Anzeiger“. Ihre Aufgabe war es, aktiv auf Feiernde zuzugehen, sie über Beratungsangebote aufzuklären und Unterstützung nach sexualisierter Gewalt zu leisten. „Die akute Unterstützung vor Ort war häufig notwendig“, so Frank.

Der Grund für den gestiegenen Bedarf lässt sich nicht exakt bestimmen. Edelgard engagiert sich seit Jahren im Straßenkarneval. Eine verbesserte Zusammenarbeit mit Rettungskräften und der Polizei könnte eine Ursache sein, ebenso wie die wachsende Bekanntheit des Projekts.

Zusätzlich zu einer Infozentrale am Barbarossaplatz, die an den Karnevalstagen per Telefon erreichbar war, waren die mobilen Teams am Donnerstag, Samstag und Montag im Schichtbetrieb teils bis in die Nacht im Einsatz.

Die akuten Fälle reichten laut Frank von Begrapschen über den Einsatz von K.o.-Tropfen bis hin zu Vergewaltigungen. „Wegen verbaler Belästigung wenden sich die Frauen nicht an uns“, stellt Frank klar.

Obwohl Ordnungsamt und Polizei die Lage dieses Jahr insgesamt als ruhiger bewerteten, kam es trotzdem zu Straftaten, Einsätzen und Anzeigen.

So soll an Weiberfastnacht ein Unbekannter eine Frau in der Toilette einer Südstadt-Kneipe vergewaltigt haben. Am Samstag gab es Hinweise auf die mutmaßliche Vergewaltigung einer Jugendlichen in einem Dixi-Klo an der Roonstraße/Ecke Rathenauplatz. Frank geht von einem großen Dunkelfeld aus, weshalb Edelgard es ablehnt, Statistiken zu erstellen oder Fallzahlen zu veröffentlichen.

Diese Haltung begründet Frank mit der kürzlich erschienenen Studie „Lesubia“ – „Lebenssituation, Sicherheit und Belastung im Alltag“. Diese wurde vom Bundeskriminalamt gemeinsam mit dem Innen- und Familienministerium durchgeführt. Die erste große, repräsentative Studie belege klar, dass „sexuelle Belästigung weit verbreitet ist, aber nur selten angezeigt wird“, zitiert die Edelgard-Bilanz. Laut Frank erlauben Zahlen deshalb keine Aussage über die wirkliche Gefährdungslage.

Forderung nach mehr Sicherheitspersonal und Appell an die Gastronomie

Intern protokolliert Edelgard allerdings die Fälle der vergangenen Jahre. Die Einsatzkräfte sind laut Frank erfahrene Berater und Beraterinnen. „Was wir auch beobachtet haben – und das bereits am 11.11. – war, dass es neben sehr viel positivem Feedback und Dankbarkeit für unsere Arbeit, auch vermehrt Situationen gab, in denen Männer sich sehr negativ geäußert haben“, berichtet Frank. Es sei eine wachsende „antifeministische Haltung“ bei Männern und in Männergruppen festzustellen.

Die Initiative fordert jetzt von der Stadt Köln mehr Sicherheitspersonal an den mobilen Toiletten. Außerdem sollen Toiletten nach „männlich“ und „Flinta“-Personen (Frauen und queere Menschen) getrennt werden. Des Weiteren richten sie einen Appell an Gastronominnen und Gastronomen, stärker für das Thema sexualisierte Gewalt zu sensibilisieren.

„Es gibt Bars und Clubs, die Awareness-Konzepte haben und deren Security-Leute an der Tür bereits kommunizieren, dass man sich an sie wenden kann: Das muss weiter ausgebaut werden“, so Frank. (red)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.

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