Persönlicher Brief Danke, Henning! Gegen was der Kölner Kult-Sänger ankämpfen musste

Henning Krautmacher in den 1980er Jahren

Start seiner Karriere: Henning Krautmacher Ende der 1980er Jahre bei den Höhnern.

Am Aschermittwoch ist alles vorbei: Henning Krautmacher wird seine Karnevals-Karriere bei den Höhnern beenden. In einem persönlichen Brief beschreibt EXPRESS.de-Redakteur Bastian Ebel „den Schnäuzer“.

„Dä Henning“. Immer wenn Du Dein berühmtes „Ei-Phone“ (als Höhner-Sänger, klar) in die Hand nimmst, meldest Du Dich so. Und Du hast Dich oft gemeldet. Nicht, weil Du erzählen wolltest, wie toll der neue Song ist, nein: Du wolltest mobilisieren. Für den guten Zweck, für den Leselauf, für Pänz. Dinge, die nicht die großen Schlagzeilen einnehmen. Aber Du hast es vehement verteidigt.

Ich bin mit Dir aufgewachsen, habe als kleiner Panz „Willst du eine Pizza“ bewundert. Deinen Aufstieg in den Kölner Karneval. Boah, die Höhner! Unfassbare Songs, was für eine Band. Ich wurde Journalist, Du ein unverwechselbares Markenzeichen dieser Stadt. Wir sind uns oft begegnet, die Chemie hat einfach gestimmt. Aber Henning, Du hast eins immer verstanden: Fairness, auch anderen Kollegen und Kolleginnen gegenüber. Das hat geklappt: Sympathie und Distanz – ein Kunststück wie in Euren Roncalli-Shows.

Köln: Henning Krautmacher mit Höhen und Tiefen

Auch Deine Tiefen musste ich teilweise an der Tastatur begleiten. Das hast Du nie krummgenommen, nein. Klar, es gab auch Zoff. Aber Du hast Dein Leben geordnet und bist stärker zurückgekommen als viele andere. Die Menschen sahen in Dir unter anderem einen „Verräter“, weil Dein Herz eben auch für einen anderen Fußballverein schlägt.

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Henning Krautmacher singt und lacht in die Kamera.

Rampensau: Henning Krautmacher bei einem Auftritt an Weiberfastnacht 2020.

Du hast oft gegen Engstirnigkeit angekämpft. Und gegen den Kommerz-Vorwurf, als Deine Höhner sich etwas nationaler ausgerichtet haben. Auch ich habe das nicht verstanden. Ihr habt Euren Weg gefunden – trotz aller Anfeindungen.

Dann kommt die Nachricht, dass Du aufhörst im Karneval. „Weit weg“, denkt man da noch – und plötzlich ist der Tag gekommen. Wie es auf der jecken Bühne zu Ende geht – ich weiß, es trifft Dich tief in Deinem Herzen: Corona. Kein Auftritt. Ehrung per Video-Schalte bei Biwak. Es ist unfassbar.

2012: Die Höhner vor dem Weißen Haus in Washington.

2012: EXPRESS.de-Redakteur Bastian Ebel (l.) begleitete die Höhner nach Washington.

Denn mit Dir geht ein Mensch, der die Menschen mobilisiert hat. Ein Herzensmensch. Ich weiß noch, wie Du Dich 2016 als „Horst Schlämmer“ verkleidet und Linus bei seiner Talentprobe im Tanzbrunnen besucht hast. Wie wir 2012 in Washington vor dem Weißen Haus standen und der liebe Janus (er ist ein guter Lehrer geblieben) uns die USA im Besonderen erklärt hat.

Du warst Schauspieler und Koch, deinen Schnäuzer kennt die gesamte Republik. Aber: Du bist Mensch geblieben. Einer, mit dem man Schabernack gemacht hat. Einer, der danach aber auch mit ganz viel Tiefsinn die Dinge des Lebens einordnen kann.

Nun also geht Dein Kapitel im Kölner Karneval zu Ende. So wie Du Dich verabschiedet hast, läuft mir ein Schauer über den Rücken. Ohne Auftritt, das geht gar nicht. Denn wohl erst jetzt lernen Dich die Menschen so kennen, wie Du eigentlich bist: sensibel, ohne Allüren, ein ehrenwerter Mann. Du bist noch lange nicht „weg vom Fenster“ und wirst quirlig bleiben. Aber oftmals in der zweiten Reihe.

Dafür wünschen Dir nicht nur die Fans alles erdenklich Gute. Leeven Schnäuzer: Du hast einen gut bei den Kölnerinnen und Kölnern. Sie verneigen sich vor Dir, denn die Klaviatur der kölschen Lebensart hast Du benutzt, um Menschen zu bewegen. Dein Abschied bewegt tief. Ich freue mich weiter über Deine Anrufe vom „Ei-Phone“.

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