Sängerin und Schauspielerin Isabel Varell hat über ihre neue Western-Rolle gesprochen und darüber, warum sie und ihr Mann trotz glücklicher Ehe eine eher überraschende Wohnsituation bevorzugen.
Isabel VarellHappy in der Kölner Südstadt – Wohnsituation überrascht

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Isabel Varell und Schimmel „Meloso“ geben in Bad Segeberg ein gutes Team ab. Gerade fand die Premiere der Karl-May-Spiele 2026 statt.

Das gab es bei den Karl-May-Spielen in Bad Segeberg noch nie: eine Hauptdarstellerin, die diesen Sommer in Rente gehen könnte. Am 31. Juli feiert Isabel Varell ihren 65. Geburtstag.
Aber erstens sieht man ihr das nicht an und zweitens ist das für sie wirklich nur eine Zahl. Wie sie es geschafft hat, sich für so eine körperlich anstrengende Rolle so fit zu halten und warum sie jenseits der 60 noch mit dem Reiten begonnen hat, verrät sie im großen Talk mit dem EXPRESS.
Isabel Varell: Reitunterricht für Traumrolle in Bad Segeberg
Wie gefällt es einem kölschen Mädche bei den Karl-May-Spielen in Bad Segeberg?
Isabel Varell: Unglaublich gut. Manchmal muss ich mich zwicken, ob ich das hier alles wirklich erlebe. Ich hab das Gefühl, mich küsst das Leben jeden Tag – von der Pferdeschnauze bis zum tollen Team und einem Cast, der rundum harmonisch ist.
Wie klappt's denn mit dem Reiten?
Isabel Varell: Also ich hab vorher noch nie auf einem Pferd gesessen und hätte das laut Vertrag in der Rolle auch nicht unbedingt machen müssen. Doch ich hab’ den Sportlergeist und wollte das unbedingt probieren. Erst in „Tinas Ponyclub“ in Köln, dann bei Hans-Willi Weber in Düsseldorf, der eigentlich nur Spring- und Turnierreiter trainiert und zuletzt richtig intensiv in Bad Segeberg, auf einem Reiterhof und bei den Festspiel-Proben in der Arena mit meinem Pferde-Partner „Meloso“. Okay, man wird nicht innerhalb eines halben Jahres die perfekte Reiterin, aber das muss ich in meiner Rolle auch nicht.
Also beherrschen Sie auch Galopp?
Isabel Varell: Galoppieren muss ich nicht. Ein Lied hoch zu Ross habe ich beim Training immer mal wieder gesungen. „Melosos“ Ohren gingen in meine Richtung, er sah dabei ganz vergnügt aus. Und da er in Pferdejahren umgerechnet in etwa so alt wie ich ist, gehen wir zwei das Ganze entspannter an. Ich bin allerdings auch schon dreimal runtergeflogen, da hatte ich zum Glück noch Helm und Sicherheitsweste an. Die sind bei der Premiere im tollen Kleid natürlich verschwunden.
Ein Kleid mit Corsage. Haben Sie vorher schwer Diät gelebt?
Isabel Varell: Nein. Ich habe mit 40 mit Sport angefangen. Mit Laufsport, später kam Yoga dazu. Ich habe bis jetzt keinerlei Zipperlein und bin einfach sehr glücklich, dass ich das immer so konsequent durchgezogen habe. Wenn ich nicht so fit wäre von Hause aus, dann hätte ich vermutlich auch so ein Rollenangebot nicht bekommen. Das ist nämlich richtig Hochleistungssport und fordert meine ganze Aufmerksamkeit. Wir müssen die Arena rauf und runter, die Wege sind weit, der Backstage-Bereich ist sehr beengt, dann kommt jemand um die Ecke galoppiert, das ist schon eine andere Bühne als die Boulevardbühne, die ich auch gerne bespiele.
Was verbindet Sie mit der Rolle der intriganten Miranda?
Isabel Varell: Die Parallele ist, dass wir beide oft die falschen Männer im Leben geküsst haben. Im Gegensatz zu mir ist sie darüber verbittert und böse geworden. Sie ist auch, so wie ich, in wirtschaftlich schwächeren Situationen aufgewachsen. Deshalb ist ihr größter Wunsch, dass sie nicht auch noch arm sterben will.
Wie sieht das bei Ihnen aus?
Isabel Varell: Ich bin ein Scheidungskind, habe sehr früh, mit Anfang 20, mit der Altersvorsorge angefangen. Das lege ich auch den vielen jungen Menschen, mit denen ich zusammenarbeite, ans Herz. Ich bin so froh heute, dass ich das in meinem Leben durchgezogen habe. Es war nicht immer leicht, neben der gesetzlichen Versicherung auch die private Säule aufzubauen. Es gab immer wieder Durststrecken. Aber ich habe das hingekriegt und vor mir liegt ein sorgenfreies Leben. Ich werde diesen Sommer 65 und muss nicht unruhig werden, wenn Aufträge ausbleiben. Mir ist bewusst, dass das irgendwann passieren kann. Ich denke an ein drittes Buch und ich möchte weiterhin auf Tournee gehen, meine Lieder selbst schreiben und singen, auch wenn sie keine Hits werden.
Kritiker von Karl May monieren oft die verharmlosende Unterdrückung indigener Völker. Wie geht man in Bad Segeberg damit um?
Isabel Varell: Ich bin jemand, der seine Sprache sehr gerne anpasst und weiterentwickelt. Ich würde gewisse Worte einfach nie wieder sagen. Aber in diesem Fall finde ich das alles absolut in Ordnung. Ich habe Karl May nie gelesen, aber ich habe die Filme gesehen. Ich verbinde damit etwas Wundervolles. Ich habe mich immer in diese Welt geträumt. Und tatsächlich sind die Indigenen hier diejenigen, die das Gute transportieren, Weisheit, Tiefe, Freundschaft, Solidarität. Das ist doch eine tolle Botschaft für 450.000 Gäste in der Saison.

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Isabel Varell mit Freundin Birgit Schrowange Anfang der 90er Jahre.
Sie sind Lesebotschafterin. Toll für eine Legasthenikerin, oder?
Isabel Varell: Das ist mir sehr wichtig, weil ich als Kind die Hölle durchlebt habe. Damals hat man den Stempel „geistig zurückgeblieben“ auf der Stirn gehabt. Ich habe früher mit dem Vorwurf im Elternhaus leben müssen: „du liest ja nicht, du bist ja dumm, lies doch mal ein gutes Buch“. Ich möchte vermitteln, dass Druck aufzubauen die völlig falsche Herangehensweise ist. Lesen muss Spaß machen, und wenn es ein Mickey-Maus-Heft ist.
Wann haben Sie den Zugang zu Büchern gefunden?
Isabel Varell: Mit Anfang 20 habe ich entdeckt, dass Bücher Freunde sein können. Auch wenn ich heute noch lange für ein Buch brauche. Liedtexte lerne ich leicht auswendig, auch meine Rollen in Drehbüchern kann ich schon ab der ersten Leseprobe frei sprechen. Ich habe eben andere Stärken und gelernt, für mein Leben Lösungen zu finden. Wenn ich mit meiner Freundin Birgit (Anm. der Red.: Schrowange) im Urlaub bin, liest sie ein Buch nach dem anderen, ich bin immer noch beim gleichen. Aber das ist mir egal.
Ihre Freundschaft mit Birgit Schrowange hält schon über 40 Jahre. Bei welchem Thema kommen Sie beide nie auf einen Nenner?
Isabel Varell: Mode. Mir reichen drei Jeans und drei T-Shirts. Ich bin halt kein Fashion-Mädchen und muss nur lange genug warten, bis meine Boots aus den 80ern wieder modern sind. (lacht). Wenn ich in einer ihrer Lieblingsboutiques dumm rumstehe, guckt sie mich an und sagt: „Ich verstehe dich nicht, geht dir nicht auch der Puls, wenn du das alles siehst?“ Nein. Ich bin lieber die Tütenträgerin von Birgit.
Ihr Ehemann Pit Weyrich ist 13 Jahre älter als Sie. Ist das mit zunehmendem Alter ein größeres Problem als früher?
Isabel Varell: Pit lebt schon ein anderes Leben als ich, aber wir sind beide so tolerant und wünschen dem anderen bei allem, was uns guttut, viel, viel Spaß. Pit freut sich gerade irre mit mir und sagt, ich sähe so glücklich aus auf den Fotos in Bad Segeberg. Und er ist ja selbst schwerstbeschäftigt mit seinem Radiosender.
Ein eigener Radiosender?
Isabel Varell: Er hat vor Jahren einen Internet-Radiosender gegründet mit bekannten Moderatoren. Das sind Musikexperten und leidenschaftliche Musikkenner, so wie Pit auch. Das Schöne an diesem Sender ist, dass die Hörerinnen und Hörer in Chaträume können und sich – während eine Sendung läuft – untereinander austauschen. Und er sitzt selber auch bei seinen Sendungen oft im Chat und tauscht sich da mit den Leuten aus. Das ist wie eine Radiokneipe, finde ich total toll. Wir sind eben beide kreativ und aktiv, allerdings auf sehr unterschiedlichen Ebenen. Pit hat z. B. keine Lust mehr, viel zu reisen. Er hat 55 Jahre seines Lebens den Koffer in der Hand gehabt – und ist jetzt froh, zu Hause zu sein.

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Seit elf Jahren verheiratet: Isabel Varell mit ihrem Ehemann Pit Weyrich 2019 bei einer Theaterpremiere.
Leben Sie wirklich in getrennten Wohnungen?
Isabel Varell: Das stimmt, weil wir völlig unterschiedliche Rhythmen haben. Wenn er seine Radiosendungen produziert, darf ich ja noch nicht mal atmen. Und auch ich brauche beim Schreiben meine Ruhe. Aber wir leben beide in der Südstadt ganz nah beieinander, sehen uns, wenn ich in Köln bin, jeden Tag. Ich finde das mittlerweile sehr gut, weil wir doch sehr unterschiedlich sind. Ich bin laut und quirlig. Und er ist halt einfach viel ruhiger. Aber wir haben unsere Schnittmengen, sind beide Genießer und Gourmets. Wir haben unser Ritual, wenn ich in Köln bin, trinken wir bei unserem Spanier an der Ecke, im „La Esquina“, erst mal unseren Rosé. Und fürs Reisen habe ich ja Birgit. Wir waren schon ein paar Mal zusammen auf Sri Lanka, haben Ayurveda zusammen gemacht. Das macht mit der besten Freundin doch mehr Spaß als mit einem Mann.
Sebastian Pufpaff veräppelt Sie regelmäßig in „TV Total“. Nervt Sie das eigentlich?
Isabel Varell: Ach was, ich finde das toll. Und ich finde ihn toll. Ich bin ja da schon ewig auf seinem Keyboard mit meinen Brot- und mit Pflegeprodukt-Sprüchen, die er immer wieder aufploppen lässt. Ich hab ihn einmal beim Dreh in der Fußgängerzone gesehen. Wir haben uns sofort lachend in den Arm genommen.
Isabel Varell: Durchbruch mit Schlagern
Isabel Varell wurde am 31. Juli 1961 in Kempen geboren. Bereits in jungen Jahren zeigte sie großes Interesse an Musik und Unterhaltung. Ihr Talent wurde früh erkannt, wodurch sie schon als Jugendliche erste Bühnenerfahrungen sammeln konnte. Der große Durchbruch gelang ihr Anfang der 1980er Jahre, als der bekannte Musikproduzent Jack White auf sie aufmerksam wurde.
Mit ihren ersten Schlagertiteln entwickelte sie sich zu einer festen Größe der deutschen Musikszene. Auch ihre zweijährige Ehe mit Sänger und Produzent Drafi Deutscher sorgte Ende der 80er für viele Schlagzeilen. Im Laufe ihrer Karriere beschränkte sich Isabel Varell nicht nur auf die Musik, feierte auch als Schauspielerin („Für alle Fälle Familie“), Moderatorin („Live nach neun“) und als Buchautorin Erfolge. Sie ist seit 2015 mit Fernsehregisseur Pit Weyrich verheiratet und lebt in der Kölner Südstadt.

