Abo

+++ EILMELDUNG +++ Weltkriegsbombe in Köln-Niehl gefunden Blindgänger muss noch heute entschärft werden

+++ EILMELDUNG +++ Weltkriegsbombe in Köln-Niehl gefunden Blindgänger muss noch heute entschärft werden

Kölner Schul-DramaImmer mehr Erstklässler bleiben sitzen: „Besorgniserregend“

Die Lage in Köln ist dramatisch. Jedes 13. Kind schafft die erste Klasse nicht.

Copyright: imago images/wolterfoto

Die Lage in Köln ist dramatisch. Jedes 13. Kind schafft die erste Klasse nicht (Symbolbild).

Köln: Jedes 13. Kind schafft die erste Klasse nicht.

Mangelnde Deutschkenntnisse, zu wenige Kita-Plätze und kaum Vorbereitung: Die Lage in Köln ist dramatisch. Jedes 13. Kind schafft die erste Klasse nicht.

An der Grundschule Merianstraße in Chorweiler ist die Situation für einen beträchtlichen Teil der Kinder schon am ersten Schultag praktisch aussichtslos, berichtet der „Kölner Stadt-Anzeiger“. Schulleiter Dirk Külker rechnet damit, dass 20 von 120 Kindern die Klasse wohl wiederholen werden.

„Sie wissen nämlich nicht, was ein Apfel ist“

Er erklärt die ernste Lage so: „95 Prozent unserer Kinder haben einen Migrationshintergrund, die sprachlichen Voraussetzungen sind mitunter eingeschränkt“. Er schildert ein Beispiel aus dem Unterricht, das fassungslos macht: „Wenn ich den Kindern mit der Anlauttabelle die Buchstaben A wie Apfel und B wie Baum vermitteln will, funktioniert das für viele Kinder nicht. Sie wissen nämlich nicht, was ein Apfel ist, weil sie das Wort nicht kennen“.

Allerdings gebe es über die sprachlichen Mängel hinaus, von denen auch Kinder ohne Zuwanderungsgeschichte betroffen seien, eine Vielzahl an Schwierigkeiten. Laut Külker bringen die Kinder viele grundlegende Kompetenzen wie Konzentrationsfähigkeit, Beharrlichkeit oder feinmotorische Begabungen nicht mit, um das erste Schuljahr erfolgreich zu meistern.

So gebe es Jungen, die keinem längeren Gespräch folgen könnten, und Mädchen, die nicht in ganzen Sätzen sprechen. Andere seien unfähig, sich zu organisieren, beispielsweise ihr Mäppchen und die Arbeitsmaterialien bereitzulegen. Külkers Fazit ist unmissverständlich: „Wenn man vieles von dem nicht mitbringt, ist es nicht sinnvoll, in die zweite Klasse zu gehen“.

Vielen Kindern fehlen grundlegende Fähigkeiten

Die Schüler in Chorweiler sind keine Ausnahme. Die Anzahl der Kinder, die das erste Schuljahr wiederholen, bleibt auf einem Rekordniveau. Im aktuellen Schuljahr werden nach dem Stand von Mitte März 758 Mädchen und Jungen in der ersten Klasse verbleiben – das sind über acht Prozent aller Schulanfänger. Diese Zahl liegt schon jetzt leicht über der des Vorjahres, als 753 Kinder betroffen waren. Im Vergleich zum Schuljahr 2023/2024 (590 Kinder) ist der Anteil der Wiederholer um fast 28 Prozent gestiegen.

Gemäß den Zahlen des Landes NRW müssen 1496 Kinder in Köln eines der ersten beiden Schuljahre wiederholen. Mit einem Wiederholeranteil von 7,6 Prozent an der Gesamtzahl der Kinder befindet sich Köln im Vergleich zu anderen kreisfreien Städten im oberen Drittel.

Zum Vergleich: In Düsseldorf liegt die Quote bei 5,4 Prozent, in Bonn bei 6,0 Prozent. Überdurchschnittlich hohe Raten weisen Städte wie Duisburg (7,3 Prozent) und Dortmund (9,6 Prozent) auf. Der Landesdurchschnitt beläuft sich auf 6,5 Prozent.

Es überrascht kaum, dass der Anteil der nicht versetzten Kinder in sozial schwächeren Stadtteilen zunimmt. In Einrichtungen wie der Grundschule Merianstraße, die dem höchsten Sozialindex (Stufe 9) zugeordnet ist, erreicht die Quote landesweit 14,3 Prozent. Nach Daten des Landesgesundheitsamts zeigten 2024 ein Drittel der Kinder sprachliche Auffälligkeiten. In der Domstadt waren es 31,58 Prozent.

Schulleiterin sieht Handys als einen der Gründe

Auch an der James-Krüss-Schule in Ostheim gibt es „signifikant viele“ Kinder, die das erste oder zweite Schuljahr wiederholen. „Viele kommen mit starken Entwicklungsverzögerungen“, sagt Schulleiterin Christiane Hartmann. Sie erlebt Kinder, die keinen Reißverschluss schließen oder ihren Schulranzen nicht allein packen können.

Einige können nicht bis zehn zählen, andere wiederum keine Mengen erfassen oder Objekte vergleichen. Auch beim Spracherwerb zeigen sich teils Lücken: So meinen manche Kinder, das Wort Zug habe mehr Buchstaben als Schmetterling – schlicht, weil ein Zug größer ist. „Es gibt immer mehr Kinder, die mit weniger Grundfähigkeiten kommen. Das finde ich besorgniserregend.“

Hartmann vermutet, dass in den Familien nicht mehr so ausgiebig mit den Kindern geredet wird wie noch vor einem oder zwei Jahrzehnten. Betroffen seien hauptsächlich bildungsferne Milieus, aber auch in gut situierten Familien nehme die zunehmende Sprachlosigkeit zu. Mitverantwortlich seien auch Smartphones und Social Media: „Für manche Eltern ist es eine Herausforderung, beim Essen das Handy wegzulegen.“

Der Schulleiterin ist es wichtig hervorzuheben, dass die Schwierigkeiten nicht allein Kinder mit Migrationshintergrund betreffen. Denn: Wer die eigene Muttersprache sicher beherrscht, erlernt in der Regel auch zügiger eine zweite Sprache. Ausschlaggebend sei, ob die Eltern sich im Schulsystem zurechtfinden.

Kita-Platzvergabe: Jedes siebte Kind hat das Nachsehen

Die James-Krüss-Schule stellt bereits diverse Hilfsangebote bereit, die „Brücken ins System“ schlagen sollen. So verfügt die Schule über ein Familiengrundschulzentrum, in dem Eltern beispielsweise an Spielnachmittagen, Sprachkursen oder Frauenfrühstücken teilnehmen können. Wenn die Eltern in der Schule gut beraten werden, kommt das auch den Kindern zugute, so Hartmann. Und falls Probleme auftreten, können diese rasch im Zentrum thematisiert und gelöst werden.

Dennoch bleibt der Spracherwerb eine der größten Aufgaben, die Familien, Kinder, Schulen und die Stadt gemeinsam meistern müssen. Ein idealer Ort, um fehlende Kenntnisse aufzuholen, wären die Kindertagesstätten.

Allerdings nehmen nicht alle Familien dieses Angebot wahr; besonders viele Kinder aus Familien mit Zuwanderungsgeschichte besuchen keine solche Einrichtung. Während auf Bundesebene 76,8 Prozent der Drei- bis Fünfjährigen und lediglich 22,3 Prozent der Kinder unter drei Jahren mit Migrationshintergrund eine Kita besuchen, beträgt der Anteil bei Kindern ohne Migrationshintergrund 99,3 Prozent bzw. 44,5 Prozent, wie das Institut der deutschen Wirtschaft ermittelt hat.

Oftmals tragen die Familien dafür aber keine Verantwortung: „Bundesweit fehlten zuletzt fast 300.000 Plätze für Kinder unter drei Jahre“, so das Institut. „Jedes siebte Kind geht leer aus. Oft sind es Kinder ausländischer Familien, die bei der Vergabe zurückstecken müssen.“

In Köln besuchen nach Angaben der Stadtverwaltung momentan 558 Kinder keine Kindertagesstätte. 387 Kinder wurden im Zuge der Sprachstandsfeststellung untersucht, wobei 291 von ihnen sprachliche Mängel aufwiesen. 152 Kinder erschienen jedoch mit ihren Eltern nicht zum festgesetzten Termin.

Für 186 Kinder mit einem Bedarf an Sprachförderung konnte das Jugendamt Kita-Plätze zur Verfügung stellen, teilt die Stadt auf Anfrage mit. Andere sollen an Sprachförderkursen teilnehmen. Jedoch seien auch einige Kinder nicht zu diesen Kursen gekommen.

ABC-Klassen werden Pflicht – doch Schulen fürchten Personalmangel

Damit mehr Kinder bereits vor der Einschulung sprachlich gefördert werden, sollen sie zukünftig ABC-Klassen besuchen. Wer bei der Sprachstandserhebung Defizite zeigt, muss ab 2028/2029 verpflichtend an einer ABC-Klasse teilnehmen. „Dort werden insbesondere sprachliche und kommunikative, aber auch motorische und sozial-emotionale Vorläuferkompetenzen systematisch gestärkt“, erklärt das Schulministerium NRW.

Die ABC-Klassen können an öffentlichen Schulen, in Kitas oder an anderen geeigneten Standorten stattfinden. Zum ersten Mal gilt die Teilnahmepflicht für Kinder, deren Schulpflicht am 1. August 2029 beginnt.

Mehr als 1600 Lehrstellen sollen neu geschaffen werden; das Land kalkuliert allein hierfür mit 115 Millionen Euro an jährlichen Kosten. Hinzu kommen Ausgaben für den Transport der Kinder, Lehrmaterialien und die Schaffung von fehlenden Räumlichkeiten. Das Land beabsichtigt, sämtliche Kosten zu übernehmen.

„Der Gedanke ist gut, an der praktischen Umsetzung hapert es aber“, äußert sich der Chorweiler Grundschulleiter Külker. Es sei fraglich, woher die Schulen die benötigten Räume und angesichts des angespannten Fachkräftemarktes das Personal beziehen sollen. Schon jetzt gibt es ein Defizit von über 8000 Lehrkräften, wie das Land einräumt. Der Städtetag NRW sowie die Stadt Köln weisen zusätzlich auf Transportprobleme hin. (red)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.

Die Polizei sucht nach einem flüchtigen Radfahrer. (Symbolfoto)

Unfall in Rodenkirchen

Radfahrer fährt Senior um und flüchtet – Zeugen gesucht