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Historische PremiereHunderttausende erhalten in Köln jetzt wichtigen Brief

Aktualisiert

Es ist eine historische Premiere für Köln, der allererste Ratsbürgerentscheid. Nach und nach fliegen jetzt hunderttausende Briefe in die Haushalte. 

Es ist ein weißer Umschlag. Unscheinbar. Und doch steckt in diesem Kuvert, das dieser Tage in die Briefkästen von rund 814.000 Kölnerinnen und Kölnern flattert, eine der gewichtigsten Fragen: Soll sich die Stadt für Olympische Spiele bewerben?

Seit dem 18. März 2026 trudeln die Abstimmungsunterlagen in den Haushalten ein. In der fast 2000-jährigen Geschichte Kölns ist er eine echte historische Premiere: der allererste Ratsbürgerentscheid. Kein Stadtrat, kein Ausschuss, keine Partei– diesmal entscheiden die Menschen direkt. Und sie entscheiden eben mit diesem Brief (oben im Video).

So wird gewählt

Im weißen Briefumschlag liegen drei Dinge: Erstens die Wahlbenachrichtigung – auf deren Rückseite befindet sich der Wahlschein, der eigenhändig unterschrieben werden muss.

Zweitens: der eigentliche Stimmzettel in Weiß, auf dem die entscheidende Frage steht, die mit einem schlichten Kreuz (Ja oder Nein) beantwortet werden soll.

Und drittens: ein blauer Umschlag sowie ein roter Rückumschlag. Das Kreuzchen auf dem weißen Zettel kommt in den blauen Umschlag. Der blaue Umschlag kommt zusammen mit dem unterschriebenen Wahlschein in den roten Umschlag. Der rote Umschlag geht unfrankiert zurück an die Stadt. 

Die Frage, die alles entscheidet

Die Frage auf dem weißen Stimmzettel lautet:

„Sind Sie dafür, dass sich die Stadt Köln an der gemeinsamen Bewerbung der Region Rhein/Ruhr um die Olympischen und Paralympischen Spiele im Jahr 2036, 2040 oder 2044 beteiligt?“

Die Jahresangaben – 2036, 2040 oder 2044 – sind dabei bewusst offen gehalten. Eine konkrete Jahreszahl für die Bewerbung steht nämlich noch nicht fest, das ist Sache des weiteren Vergabeverfahrens durch das Internationale Olympische Komitee (IOC). Köln und die gesamte Region Rhein-Ruhr bewerben sich für eines dieser drei möglichen Jahre.

Wie viele müssen mitmachen, damit es gilt?

Der Ratsbürgerentscheid kommt zum Tragen, wenn der Stadtrat eine Entscheidung abgibt – zum Beispiel, wenn eine Angelegenheit sehr umstritten ist. Dann stimmen die Kölnerinnen und Kölner über diese Angelegenheit ab. Die Antwort mit den meisten Stimmen ist am Ende das Ergebnis des Entscheids. Bedingung: Es müssen mindestens 10 Prozent der Menschen in  Köln für diese Antwort abgestimmt haben. Bei Stimmengleichheit gilt die Frage als mit Nein beantwortet.

Das Ergebnis als politisch richtungsweisend: Das Votum soll zeigen, ob in der Bevölkerung eine Zustimmung für eine Olympia-Bewerbung vorhanden ist. 

Die Stimmzettel werden am 19. April 2026 ausgezählt – dem offiziellen Stichtag des Entscheids. Bis 16 Uhr desselben Tages können Abstimmungsunterlagen noch persönlich am Hans-Böckler-Berufskolleg in Köln-Deutz, Eitorfer Straße 20, abgegeben werden. Dort werden dann 1.000 Wahlhelferinnen und Wahlhelfer die Stimmen auszählen.

814.000 Menschen bekommen Post – automatisch

Wer in Köln abstimmungsberechtigt ist, bekommt die Unterlagen einfach zugeschickt – automatisch, an die Meldeanschrift. Abstimmungsberechtigt sind alle Personen, die bei einer Kommunalwahl in Köln wahlberechtigt wären: also deutsche Staatsangehörige und EU-Bürgerinnen und -Bürger ab 16 Jahren, die seit mindestens 16 Tagen in Köln gemeldet sind.

Werden die Olympischen und Paralympischen Spiele, das größte Sportereignis der Welt, in Köln stattfinden? OB Torsten Burmester erklärt dazu, dass die Spiele eine „großartige Chance“ böten, bereits geplante Stadtentwicklung massiv zu beschleunigen. „Ein Beispiel dafür ist der Kölner Norden. Im geplanten Stadtteil Kreuzfeld wird das Olympische und Paralympische Dorf sowie ein temporäres Leichtathletikstadion entstehen“. Das werde nach den Spielen in ein nachhaltiges Stadtquartier mit Wohnraum für rund 10.000 Menschen überführt. 

Die Linke NRW ist die einzige etablierte Partei mit einer klaren, offiziellen „Nein“-Empfehlung. Der Landesverband NRW hat die Bevölkerung ausdrücklich dazu aufgerufen, beim Ratsbürgerentscheid mit „Nein" zu stimmen. Die Kritik zielt vor allem auf die Kosten, die Umverteilung finanzieller Risiken auf die Kommunen und die Intransparenz des IOC. „Die Linke NRW sagt Ja zum Sport, aber Nein zu Olympia“, erklärte der stellvertretende Landessprecher der Linken in NRW, Nils Böhlke. Man wolle die Milliarden lieber in die Infrastruktur investieren. (mg)

Eine Leuchttafel weist in einer U-Bahnstation der Kölner Verkehrsbetriebe (KVB) auf einen Streik hin. Durch die Landesweiten Warnstreiks im öffentlichen Personennahverkehr fallen in Köln die Fahrten der Bahn aus.

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