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Hitze-Horror an Kölner SchulenBis zu 52 Grad Celsius in Gebäude gemessen

Demonstration am Genoveva-Gymnasium. Die Schule braucht dringend eine Klimaanlage.

Copyright: Alexander Schwaiger

Im September 2024 demonstrierten die Schülerinnen und Schüler des Genoveva-Gymnasiums in Mülheim für eine kühlere Schule. 

Hitze-Horror an Kölner Schulen: Eltern und Lehrkräfte fühlen sich von der Stadt im Stich gelassen und fordern Taten.

Temperaturen von 36 Grad im Klassenzimmer, Kinder mit Kreislaufproblemen und sogar Feueralarm durch Überhitzung. Die Lage an den Schulen in Köln spitzt sich zu. Eltern und Lehrpersonal sind wütend und fordern, dass die Stadt endlich handelt.

Die Schulen in Köln wurden von der letzten Hitzewelle an den Rand des Kollapses gebracht. Die Stadtschulpflegschaft der Stadt zeichnet ein erschreckendes Bild, basierend auf Rückmeldungen von Eltern und dem Lehrpersonal. In einem Gebäudeteil einer Schule steigen die Temperaturen ins Unerträgliche, was bei den Kindern zu gesundheitlichen Problemen führt. An anderer Stelle ist die Situation ebenso schlimm: Unterrichtscontainer werden zu Brutkästen und der komplett versiegelte Pausenhof bietet keinerlei Schutz vor der Sonne.

Lehrer, Schüler, Eltern: Verzweiflung über Hitze an Kölner Schulen

„Für viele Kinder und Lehrkräfte ist der Schulalltag bei Temperaturen von weit über 30 Grad längst nicht mehr nur belastend, sondern zur Gesundheitsfrage geworden“, macht Katharina Schmiedel, die Vorsitzende der Stadtschulpflegschaft, unmissverständlich klar. Ein unzureichender Schutz vor der Hitze sei ein Problem, das überall auftritt. „Es gibt kaum eine Schule, die über eine Klimaanlage verfügt.“ Daher appelliert die Vertretung an die Stadtverwaltung, den Hitzeschutz an den Bildungseinrichtungen massiv zu verbessern. Erforderlich seien neben dem aktuellen Plan auch dauerhafte Investitionen in äußere Beschattungen, grüne und entsiegelte Pausenhöfe sowie Belüftungssysteme mit Kühloptionen. Schmiedels klares Fazit: „Ohne Klimaanlagen wird es nicht gehen“.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) NRW teilt diese Einschätzung und ist mit den aktuellen Vorkehrungen an den Schulen unzufrieden. „Tatsächlich sind die meisten Schulgebäude noch immer keine verlässlichen klimaresilienten Lern- und Arbeitsorte“, so die Mitteilung des Verbands. Der Schutz der Gesundheit dürfe nicht von einem Sanierungsstau oder der Kassenlage der zuständigen Träger abhängen. „Hier ist das Land gefordert, für verbindliche und gerechte Rahmenbedingungen zu sorgen.“

Der Verband Bildung und Erziehung fügt hinzu, dass zahlreiche Klassenräume während der Sommermonate zu „regelrechten Backöfen“ werden. Vor allem in mangelhaft isolierten alten Gebäuden und provisorischen Containern zeige sich immer wieder, wie stark die Hitze die Konzentrationsfähigkeit, das Wohlbefinden und die Lernatmosphäre „massiv“ stört. Lernende klagen über Schwindelgefühle, Kopfschmerzen und Probleme bei der Konzentration, während das Lehrpersonal über Erschöpfungszustände und eine nachlassende Qualität des Unterrichts berichtet. Dass Stunden ausfallen oder der Schultag früher endet, ist im Sommer an vielen Orten zur Normalität geworden.

„Unfassbar heiß“: Schüler können sich nicht konzentrieren

Marie Hacker, die Sprecherin der Bezirksschüler, kennt die Situation aus eigener Erfahrung am Deutzer Gymnasium Schaurtestraße und weiß, wie sehr der Unterricht unter der Hitze leidet. Speziell in einem Bereich des Gebäudes mit viel Glas sei es „unfassbar heiß“ gewesen. An normalen Unterricht war kaum zu denken, und die Vorbereitung auf Tests sowie das Schreiben von Prüfungen wurde für die Schülerschaft zur Qual. „Wir haben uns kaum konzentrieren können“, berichtet Hacker. Zumindest habe die NRW-Landesregierung nach ein paar Tagen eingelenkt und auch der Oberstufe Hitzefrei gewährt. Grundsätzlich kritisiert aber auch sie das Fehlen von Klimageräten in den Kölner Bildungseinrichtungen. Ihre frustrierte Frage lautet: „Warum versetzt man sich nicht in unsere Lage?“

Die Verwaltung der Stadt Köln betrachtet den Hitzeschutz für ihre etwa 300 Schulen als einen Prozess, der Zeit brauche. Da die Bauten aus verschiedenen Epochen stammen und sich architektonisch stark voneinander unterscheiden, existiere keine Universallösung für sämtliche Standorte. Man habe die Energieleitlinien im Jahr 2025 auch mit Blick auf den Hitzeschutz überarbeitet. Die Realisierung bei aktuellen Bauvorhaben und in bestehenden Gebäuden werde jedoch erst mit Verzögerung – über Jahre – stattfinden. Gleichzeitig steckt die Stadt Geld in Projekte zur Aufwertung des Mikroklimas auf den Schulgeländen, beispielsweise durch das Aufbrechen versiegelter Flächen, das Pflanzen weiterer Bäume oder die Installation von Sonnenschutzsegeln und -schirmen. Zukünftige Änderungen der Richtlinien seien denkbar, da das Wissen über die Anpassung an den Klimawandel stetig wachse.

Stadt blockt bei Klimaanlagen: Zu teuer, zu umweltschädlich?

Laut Auskunft der Stadtverwaltung stehen sowohl umweltbezogene als auch finanzielle Argumente einem großflächigen Einbau von Klimageräten in Schulen entgegen. Solche Anlagen würden schon bei ihrer Produktion zusätzliche CO₂-Emissionen freisetzen, den Energiebedarf steigern und könnten durch die verwendeten Kühlflüssigkeiten sowie die abgegebene Wärme an die Umwelt das Klima weiter aufheizen. Außerdem würden sie an besonders heißen Tagen eine zusätzliche Belastung für das Stromnetz darstellen.

Die finanziellen Belastungen wären ebenfalls beträchtlich. Zu den Anschaffungskosten und den regelmäßigen Ausgaben für Energie, Instandhaltung und Haustechnik käme hinzu, dass gerade das Nachrüsten in alten Schulbauten häufig technisch kompliziert und wesentlich kostspieliger ist als eine Installation in neuen Gebäuden. Gründe dafür sind zum Beispiel Auflagen des Denkmalschutzes, statische Probleme oder eine nicht ausreichende Strominfrastruktur. Weil es in der Domstadt bisher relativ selten Hitzetage ohne Abkühlung in der Nacht gibt, sei der finanzielle Einsatz aus Perspektive der Verwaltung momentan nicht verhältnismäßig.

Katharina Schmiedel, die Vorsitzende der Stadtschulpflegschaft, hält jedoch dagegen: Klimageräte könnten ausgezeichnet mit Strom aus Solaranlagen versorgt werden. Die Anlagen würden genau dann am meisten Energie verbrauchen, wenn die Sonne ohnehin reichlich davon liefert. „Die Kombination aus Solarenergie und Kühlung ist ideal.“ Eine Ansicht, die auch die Berliner Gaswerke teilen, die auf ihrer Webseite festhalten: „Die Kombination aus Photovoltaik und Klimaanlage liegt auf der Hand. Scheint im Sommer die Sonne, produziert die PV-Anlage auf dem Dach viel Solarstrom. Dieser kann genutzt werden, um die Innenräume per Klimaanlage herunterzukühlen.“ Das sei umweltschonend, reduziere die Energiekosten und mit einem zusätzlichen Batteriespeicher sei der Betrieb sogar bei wenig Sonne oder in der Nacht gesichert. Das Umweltbundesamt empfiehlt zudem Propan als eine klimafreundliche Kühlflüssigkeit.

Am Mülheimer Genoveva-Gymnasium wäre man schon einen Schritt weiter. Schulleiterin Susanne Gehlen verlangt nicht einmal eine neue Klimaanlage, sondern lediglich, dass die vorhandene Technologie funktioniert. Die Stadt habe vor einigen Jahren ein Lüftungssystem eingebaut, das kühle Nachtluft ins Gebäude leiten sollte, es seitdem aber nicht instand gehalten – mit dem Ergebnis, dass es jetzt kaputt ist. Im gläsernen Atrium der Schule wurden vor Kurzem 52 Grad Celsius gemessen. „Wenn man im zweiten Stockwerk das Metallgeländer anfasst, verbrennt man sich.“ Zudem sei die Kühlung in einem der Lehrerzimmer außer Betrieb und die automatisierten Jalousien würden in zahlreichen Räumen ein „seltsames Eigenleben“ führen und „gehen im Minutentakt hoch und runter“.

Solange sich an den Gebäuden nichts grundlegend ändert, ist an vielen Orten Improvisationstalent gefragt. Das Lehrpersonal lüftet die Zimmer in den frühen Morgenstunden, weicht mit dem Unterricht in schattigere Zonen aus oder besucht mit den Klassen nahe Spielplätze. An einer Grundschule im Westen von Köln haben Eltern ehrenamtlich Ventilatoren beschafft, kleine batteriebetriebene Geräte gekauft und suchen zusammen nach Wegen, um die Situation erträglicher zu machen. Dass Familien und Bildungseinrichtungen gezwungen sind, solche Behelfslösungen selbst zu organisieren, wird von vielen als unhaltbarer Zustand angesehen – und als Zeichen für ein System, das auf die zunehmenden Hitzewellen nicht vorbereitet ist. Eine Mutter, die ungenannt bleiben will, fasst die Verzweiflung zusammen: „Wir fühlen uns von der Stadt allein gelassen und vom Land.“ 

Das Thema ist in der Stadt präsent: Am 10. Juli organisierte Fridays for Future eine Klima-Demonstration auf dem Rudolfplatz. Bei der Versammlung, zu der laut den Organisatoren 400 Personen kamen, stand die Frage im Mittelpunkt, wie man Köln besser für extreme Hitzetage wappnen kann. Dabei wurde auch der unzureichende Hitzeschutz an den Schulen der Stadt thematisiert. (red)

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