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Rat winkt Plan durchStadt Köln mietet Gebäude als Gymnasium an – für 200 Millionen Euro

Das Gelände des früheren Autohauses Auto Strunk an der Neusser Straße.

Copyright: Arton Krasniqi

Das Gelände des früheren Autohauses Auto Strunk an der Neusser Straße. Der auf die Marke Ford spezialisierte Autohändler hatte den Standort zum 31. Dezember 2025 aufgegeben, nun soll auf dem weitläufigen Areal eine Schule entstehen.

Trotz leerer Kassen: Die Stadt Köln zahlt einem Investor mehr als 200 Millionen Euro Miete für ein neues Gymnasium in Nippes.

Ein privater Investor soll in Nippes ein dringend benötigtes Gymnasium errichten. Die Stadt greift dafür tief in die Tasche und überweist eine Miete von mehr als 200 Millionen Euro.

Auf dem Areal des ehemaligen Autohauses Strunk an der Neusser Straße im Stadtteil Nippes soll das vierte Gymnasium des Bezirks gebaut werden. Ein privater Geldgeber errichtet den Komplex inklusive einer Sporthalle, den die Stadt für eine Dauer von 30 Jahren anmieten wird. Diesem Deal hat der Stadtrat vergangene Woche in einer nichtöffentlichen Sitzung zugestimmt.

Stadt Köln lässt Schule bauen – und mietet sie dann für Millionensumme

Wie unsere Redaktion erfuhr, umfasst das Grundstück eine Fläche von circa 10.000 Quadratmetern. Die Lage zwischen dem Nippeser Bezirksrathaus und der Friedrich-Karl-Straße ist ideal, mit perfekter Anbindung durch die KVB-Haltestelle Neusser Straße/Gürtel. Dort sollen eine Schule sowie eine Dreifach-Sporthalle mit einer Gesamtfläche von rund 15.500 Quadratmetern entstehen. Die vermietete Fläche beläuft sich auf 13.554 Quadratmeter. Geplant sind außerdem 30 Parkplätze für Autos und 248 Stellplätze für Fahrräder. Mit 4400 Quadratmetern bietet der Schulhof jedem Kind im Schnitt etwa 5,2 Quadratmeter Freiraum.

Im Endausbau sollen hier rund 850 Schülerinnen und Schüler unterrichtet werden. Vorgesehen sind drei Züge für die Unter- und Mittelstufe sowie fünf Züge in der Oberstufe. Der Betrieb des neuen Gymnasiums in Nippes läuft bereits seit August 2024, aktuell noch als Übergangslösung in Schulcontainern im Toni-Steingass-Park, die ehemals vom Barbara-von-Sell-Berufskolleg genutzt wurden.

Da der Platz dort sehr begrenzt ist, eilt es: Bis spätestens Mai 2031 muss der Neubau stehen.

Neben dem Dreikönigsgymnasium (DKG), dem Erich-Kästner-Gymnasium (EKG) und dem Leonardo-da-Vinci-Gymnasium (LDV) wird es das vierte Gymnasium im Bezirk. 

Neues Gymnasium in Nippes: Stadt zahlt mehr als 200 Millionen Euro

Schon im Jahr 2022 hatte der Rat die städtische Gebäudewirtschaft beauftragt, einen Investor mit passendem Grundstück für einen Schulneubau zu finden. Nachdem ein erster Versuch erfolglos blieb, startete vor zwei Jahren eine neueAusschreibung. Nun meldet die Verwaltung einen Erfolg. Es habe drei detaillierte Angebote gegeben, von denen man laut Verwaltung das wirtschaftlichste ausgewählt habe.

Dieses Rundum-Sorglos-Paket, bei dem die Stadt ein fertiges Schulgebäude mietet, ist jedoch kostspielig. Der Investor, die RBL Schulbau GmbH mit Sitz in Bayenthal, fordert eine anfängliche Miete von 29,90 Euro für den Quadratmeter. Über die 30-jährige Vertragslaufzeit wird die Grundmiete zudem jährlich entsprechend der Inflationsrate erhöht, allerdings um maximal fünf Prozent.

Die Berechnungen zeigen die enorme finanzielle Belastung: Zu Beginn fallen pro Jahr 6,7 Millionen Euro an, inklusive 650.000 Euro an Nebenkosten. Auf 30 Jahre hochgerechnet ergibt das Gesamtkosten von mindestens 200,1 Millionen Euro. Durch die jährlichen Anpassungen wird die tatsächliche Summe aber wohl noch erheblich steigen. Allein im ersten Mietjahr rechnet die Verwaltung mit einer Belastung von 7,2 Millionen Euro für den Kölner Haushalt. Dieser Betrag wird inflationsbedingt jedes Jahr weiter wachsen.

Nach Ablauf der 30 Jahre besteht für die Stadt die Möglichkeit, den Komplex zu erwerben. Ein notariell verbrieftes Ankaufsrecht wurde der BV Nippes von der Verwaltung zugesichert. Unklar bleibt jedoch, wie der Kaufpreis zu diesem Zeitpunkt berechnet werden soll.

Steht das Kölner Investorenmodell vor dem Aus?

Dieses Projekt ist nur ein Beispiel von vielen, bei denen Köln enorme Summen aufwendet, um private Unternehmen Schulen bauen zu lassen und diese dann zu mieten, statt selbst als Bauherr aufzutreten. Der Bedarf an Schulplätzen ist so gewaltig, dass die Stadt ihn mit eigenem Personal nicht bewältigen kann. Hinzu kommt der Mangel an städtischen Grundstücken. Aus dieser Not heraus werden teure Verträge mit Entwicklern geschlossen, die über die benötigten Flächen verfügen.

So schlägt die Miete für die ehemalige Unity-Media-Zentrale an der Aachener Straße seit 2021 über drei Jahrzehnte ebenfalls mit einer dreistelligen Millionensumme zu Buche; dort ist das Gymnasium Müngersdorf seit 2022 beheimatet. Das Gymnasium Brügelmannstraße in Deutz startete 2025 als erste Schule nach diesem Modell, der Mietvertrag läuft 28 Jahre. In Kalk wird derzeit das frühere Odysseum zu einer Gesamtschule umgebaut. Und für ein neues Gymnasium in Porz-Urbach, gebaut von der RBL Falkenhost Schulbau GmbH, wird die Stadt über 30 Jahre sogar mehr als 334 Millionen Euro Miete zahlen.

Angesichts dieser Kostenexplosion und der prekären Finanzlage Kölns mehren sich in der Politik die Zweifel, ob dieses Modell zukunftsfähig ist. „Das kann so nicht weitergehen. Die Stadt kann nicht jeden Preis bezahlen“, äußert ein Ratsmitglied. Ein warnendes Beispiel ereignete sich im Februar 2026, als die Stadt die Verhandlungen für das Gymnasium Neustadt-Nord am Gladbacher Wall abbrach. Der Investor hatte den Preis laut Verwaltung „massiv erhöht“. Die Forderung nach pragmatischeren und günstigeren Lösungen im Schulbau wird lauter.

Politiker fühlen sich überrumpelt: Infos kamen zu spät

Zusätzlichen Unmut in der Politik verursachte die kurzfristige Informationspolitik der Verwaltung. Die entscheidende Vorlage wurde den Gremien sehr spät vorgelegt. Während der Schulausschuss gar nicht erst einbezogen wurde, erhielt die Bezirksvertretung (BV) Nippes die Papiere lediglich drei Tage vor der Abstimmung. Ein BV-Mitglied nannte es ein „Unding“, dass die Verwaltung drei Monate für die Ausarbeitung benötige, von ehrenamtlichen Politikern aber eine fundierte Entscheidung in nur drei Tagen erwarte.

Die Verwaltung verteidigte sich mit dem Argument, „wegen intensiven Abstimmungsbedarfs der beteiligten Ämter“ sei eine frühere Vorlage nicht möglich gewesen. Bei einer Verzögerung wären die Bieter nicht mehr an ihre Angebote gebunden gewesen. Schließlich stimmte die BV dem Vorhaben zu, verband dies aber mit einigen Auflagen. So muss unter anderem für ausreichende Beschattung und Hitzeschutz gesorgt werden.

Das Schulgelände auf dem ehemaligen Areal des Ford-Händlers Strunk wird für Autos von Norden her über eine Stichstraße der Friedrich-Karl-Straße zugänglich sein. Für Fußgänger und Radfahrer erfolgt der Zugang über die Neusser Straße. Nördlich der Schule ist zudem der Bau von neuen Wohnungen vorgesehen.

Die Stadt plant eine einmalige Investition von 2,1 Millionen Euro für die Schulausstattung. Der Investor installiert eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach, die er der Stadt für 288.000 Euro verkauft. Diese Summe soll sich durch den erzeugten Strom nach Angaben der Stadt innerhalb von 5,2 Jahren amortisieren. Der Investor übernimmt Dienstleistungen wie Reinigung, Betrieb, Hausmeister und Hallenwart, die über die Nebenkosten abgerechnet werden. Die Sporthalle soll außerhalb der Schulzeit und in den Ferien bis 22 Uhr für Vereine geöffnet sein. Freitags und samstags sind sogar Sportangebote bis 24 Uhr angedacht. (red)

Blick auf das Niehler Ei. Der Verkehrsknoten verbindet die Industriestraße (Zubringer A1) und die Bremerhavener Straße (Verlängerung Militärring) im Kölner Norden. (Luftaufnahme mit Drohne)
Niehler Ei im Kölner Norden
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