Hitze-Hölle in Kölner Bahnen: Fahrer leiden bei bis zu 46 Grad in der Kabine. Eine Besserung ist erst in Jahren in Sicht.
Hitze-Hölle KVB-BahnenFahrer am Limit – bis zu 46 Grad in der Kabine

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Züge ohne Klimaanlage sind bei großer Hitze für das Fahrpersonal besonders anstrengend.
Der Sommer hat gerade erst begonnen - eine heftige Hitzewelle mit extremen Temperaturen inklusive. Und die nächste droht schon in der kommenden Woche. Für KVB-Fahrer und Fahrerinnen eine Tortur. Denn längst nicht jede Bahn oder Bus sind mit Klimaanlage ausgestattet.
Eine Besserung ist erst ab 2028 zu erwarten. Besonders heikel ist die Situation auf der Linie 7, die zwischen Zündorf und Frechen verkehrt.
Temperaturen in den Waggons erreichten Werte von bis zu 46 Grad
Die kommende Woche bringt voraussichtlich die nächste Hitzewelle. Das sorgt für enormen Stress, speziell für das Fahrpersonal der Kölner Verkehrs-Betriebe. Jede zweite ihrer Bahnen besitzt keine Klimatisierung. Was für die Passagiere bereits eine Belastung darstellt, wird im Führerstand zur Qual.
Die Temperaturen in den Waggons erreichten Werte von bis zu 46 Grad. „Das ist aus meiner Sicht nicht länger hinnehmbar“, äußert sich Volkmar D. (Name geändert), dessen Lebensgefährtin sich diesen Arbeitsumständen stellen muss im „Kölner Stadt-Anzeiger“. „Aus meiner Sicht ist das nicht länger hinnehmbar. Nicht einmal kostenloses Trinkwasser wird bereitgestellt. Das ist beschämend.“
Besonders gravierend sei die Lage auf den Verbindungen 1, 7, 9, 12 und 15. „Dort sind noch immer alte Straßenbahnen im Einsatz, die entweder gar keine Klimaanlage besitzen oder bei denen diese nicht funktioniert. Es kann doch nicht sein, dass Beschäftigte unter solchen Bedingungen stundenlang arbeiten müssen, während sie für einen funktionierenden Nahverkehr sorgen.“
Die KVB gesteht ein, dass es beträchtliche Probleme gibt. Phasen extremer Hitze „stellen für unseren Betrieb eine große Herausforderung und für unsere Fahrerinnen und Fahrer sehr hohe Belastungen dar“, erklärte eine Sprecherin. „Das gilt vor allem auf Strecken, die vorwiegend oberirdisch verlaufen und auf denen nur bedingt eine Abkühlung durch Fahrten im Tunnel erfolgen kann. Wenn nicht-klimatisierte Fahrzeuge den größten Teil ihrer Strecke in der prallen Sonne fahren, kann die Temperatur in der Fahrerkabine fünf bis sechs Grad über der Außentemperatur liegen. Bei Fahrzeugen, die regelmäßig auch in Tunnelabschnitten fahren, ist die Situation abgemildert, bei klimatisierten Fahrzeugen ohnehin.“
Ein Maßnahmenpaket wurde laut der Sprecherin von der KVB geschnürt, um die Arbeit erträglicher zu machen. Die Linie 7 zwischen Zündorf und Frechen steht dabei besonders im Mittelpunkt, da sie als einzige durchgehend oberirdisch verkehrt. Man bemühe sich, auf dieser Route vorrangig klimatisierte Bahnen fahren zu lassen.
Wasser und Kühltücher ab 30-Grad-Marke
Sollte dies nicht umsetzbar sein, erfolgt eine Ablösung der Fahrerinnen und Fahrer nach spätestens zweieinhalb Stunden, die dann auf anderen Linien Dienst tun. An besonders heißen Tagen über 30 Grad stellt die KVB dem Personal am Steuer auch Trinkwasser und kühlende Tücher bereit. Zusätzlich gibt es an allen Standorten in den Pausenräumen Wasserspender.
Fahrerpersonal, das aufgrund der Hitze einen Ausfall riskiert, muss umgehend abgelöst oder aus dem Dienst genommen werden. Ob nach einer Erholungspause eine Weiterfahrt möglich ist, bleibt ungewiss.
„Der KVB ist bewusst, dass Heißwetterperioden den Fahrerinnen und Fahrern sehr viel abverlangen. Umso dankbarer ist die Unternehmensführung den Mitarbeitenden, dass sie mit ihrem Einsatz den Betrieb dennoch aufrechterhalten“, teilte die Sprecherin mit. „Der Vorstand hat sich hierfür bereits über die internen Medien bei den Kolleginnen und Kollegen bedankt. Das möchte er auch an dieser Stelle noch einmal ausdrücklich tun.“
Das fundamentale Problem der KVB ist der Mangel an klimatisierten Zügen. Die Hälfte des gesamten Fuhrparks ist nach wie vor ohne eine entsprechende Anlage unterwegs. Die ältesten Fahrzeuge, in denen die Luft gekühlt werden kann, sind von 2001 und sollen bis 2027 eine Modernisierung erhalten. Dies ist aber nicht bei sämtlichen Zügen älterer Bauart machbar. Eine Klimaanlage wiegt bis zu einer Tonne, weshalb eine Nachrüstung oft ausscheidet, da die Achslast überschritten würde.
Nachrüstung nicht bei allen Zügen möglich
Die alten Fahrzeuge für das Hochflurnetz, beispielsweise auf den Linien 16 und 18, sollen in den nächsten fünf bis zehn Jahren aus dem Verkehr gezogen werden. Ein spezielles Problem besteht bei den Stadtbahnen vom Typ K4000, die auch auf der Linie 1 oder 7 verkehren. Sie können nicht mit Klimaanlagen nachgerüstet werden, weil der Platz auf dem Wagendach dafür nicht ausreicht.
Die Situation wird sich laut KVB-Auskunft voraussichtlich erst ab 2028/29 entspannen, wenn auf beiden Netzen (Hochflur und Niederflur) neue Züge eingesetzt werden. Auf die Anlieferung von 62 neuen Bahnen des Produzenten Alstom, unter anderem für die Linien 1 und 7, wartet die KVB bereits seit Jahren. Der Hersteller hat unlängst zugesagt, die ersten Modelle im zweiten Halbjahr 2027 zu übergeben. Für das Hochflurnetz sollen die ersten Bahnen von der Firma Stadler ab 2028 eintreffen. (red)

