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Es stinkt zum HimmelBehörden-Posse um Gammelfleisch im Kölner Norden

Unweit der Lkw-Stellplätze am Militärring auf Höhe der Herforder Straße türmt sich der Abfall. Die Gegend wird als illegale Müllhalde missbraucht.

Copyright: Alexander Schwaiger

Unweit der Lkw-Stellplätze am Militärring auf Höhe der Herforder Straße türmt sich der Abfall. Die Gegend wird als illegale Müllhalde missbraucht.

Wochenlang gab's üblen Gestank in Longerich. Der Grund: Gammelfleisch.

Es stinkt zum Himmel! Wochenlang verrotteten Fleischabfälle in Longerich und eine Gestankwolke zog durchs Veedel. Die Ämter schoben die Verantwortung hin und her, während Anwohnende verzweifelten.

Mitten im Juli, die Hitze drückte unbarmherzig auf Köln, erreichte die Redaktion ein verzweifelter Notruf aus Longerich.

Behörden-Irrsinn um Zuständigkeit

Direkt an der Militärringstraße, mitten im Grünen, hatte jemand Anfang des Monats illegal Fleischreste entsorgt. „Diese vergammeln nun und verpesten unsere Luft. Aufgrund der Hitze ist Longerich komplett verpestet, und die Stadt Köln tut nichts dagegen“, schilderte eine Anwohnerin die Lage. Ein Reservist der Bundeswehr, stationiert im Bundesamt für das Personalmanagement der Bundeswehr an der Militärringstraße 1000, äußerte sogar einen grausamen Verdacht: Handelt es sich womöglich um „menschliche Leichenteile“?

Glücklicherweise bestätigte sich dieser schreckliche Verdacht nicht. Aber für die Menschen in Longerich begann ein zermürbender Spießrutenlauf bei den Behörden.

Sowohl die Anwohnerin als auch der Reservist, die nicht namentlich genannt werden wollen, meldeten den Fund sofort. Doch es tat sich wenig. Laut der Anwohnerin kamen am 4. Juli zwar Mitarbeiter des Ordnungsamtes, doch sie sicherten den Fundort nur mit etwas rot-weißem Absperrband. Danach geschah tagelang nichts.

Der Gestank wurde in der Sommerhitze immer schlimmer und die Sorge wuchs, die verwesenden Reste könnten Ungeziefer wie Ratten anlocken.

Das vergammelnde Fleisch im Karton

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Das vergammelnde Fleisch im Karton

Die Anwohnerin gab nicht auf. „Nach etlichen Anrufen beim Ordnungsamt, der Polizei, der AWB, dem Umweltamt und unter der 115“, wandte sie sich am 14. Juli zusätzlich per Mail an diverse Ämter, darunter das Portal „Sag's uns“. Die Reaktion, die sie am 16. Juli von einem AWB-Angestellten bekam, war ein Schock: Sie solle sich noch fünf bis zehn Werktage gedulden, „bis überhaupt jemand von der AWB sich ein Bild von der Lage mache.“

Erst im Anschluss würde über das weitere Vorgehen, wie den Einsatz einer Spezialfirma, beraten. „Uns schwante schon Böses“, berichtet die Kölnerin im „Kölner Stadt-Anzeiger“.

Eine WDR-Journalistin sprach ebenfalls am 16. Juli mit einem anderen Verantwortlichen der AWB. Diesem fiel dann auf, dass sein Unternehmen für die Militärringstraße gar keine Zuständigkeit besitzt, da es eine Landesstraße ist. Verantwortlich ist demnach der Landesbetrieb Straßen NRW. „Ein bürokratischer Alptraum“, kommentiert die Anwohnerin die Posse.

Spezialfirma entsorgte stinkenden Fleischabfall

Immerhin: Am 23. Juli wurden die stinkenden Reste endlich abgeholt. Torsten Gaber, der Sprecher von Straßen.NRW, stellt klar, dass der Hinweis von der AWB erst am Freitag, dem 17. Juli, bei ihnen einging. Seine Mitarbeiter hätten daraufhin sofort die Lage vor Ort kontrolliert und eine Spezialfirma mit der professionellen Beseitigung der Abfälle beauftragt. Bei diesem Einsatz wurde sogar noch eine weitere wilde Müllkippe mit Fleischresten an der Militärringstraße entdeckt und ebenfalls geräumt.

Die Grünfläche unweit von Lkw-Stellplätzen am Militärring auf Höhe der Herforder Straße wird als Müllhalde genutzt.

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Von diesem Parkstreifen auf dem Longericher Abschnitt des Millitärrings werden oft illegal Abfälle entsorgt.

Wer für die Schweinerei verantwortlich ist, bleibt vorerst unklar. Laut Gaber gibt es keine Hinweise auf den Verursacher. „Wild abgeladener Müll kommt an allen Bundes- oder Landesstraßen hin und wieder vor, was sich leider kaum unterbinden lässt. Der Militärring in Köln ist in der Vergangenheit kein Schwerpunkt für derartige Vorfälle gewesen.“

Die Anwohnerin aus Longerich widerspricht dieser Darstellung; sie hat solche Müllberge schon öfter gesehen. Ihr Verdacht: „der Militärring als Müllhalde für Zulieferer bestimmter Supermärkte scheinbar als geeigneter Ablageort angesehen wird, da abgelaufene Artikel sonst kostenpflichtig entsorgt werden müssten“. Die mangelnde Kontrolle im Grüngürtel mache es den Tätern leicht.

Das Problem scheint aber weitreichender zu sein. Mittlerweile meldete sich ein weiterer Leser, der sich „seit mehr als 40 Jahren“ über die „illegalen Müllberge auf dem Parkplatz am Lindweilerweg zwischen Lindweiler und Longerich“ aufregt. Dieser Ort befindet sich unweit der Stelle mit den Fleischabfällen. Es wäre wünschenswert, wenn die Zuständigkeiten schneller geklärt und Hinweise von Bürgern zügiger bearbeitet würden – eine Hoffnung, die man nicht nur in Longerich und Lindweiler teilt. (red)

Wilder Müll, unklare Zuständigkeiten – Ihr habt ähnliche Erfahrungen gemacht? Dann schickt uns eure Fotos und Videos.

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