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Er war der „Blase-Hase“Kölner Comedian über seine verrückte Karriere

Moderator und Komiker Lutz van der Horst

Fragt gern seltsame Fragen und liebt es, die Menschen zu unterhalten: Comedian Lutz van der Horst ist nun auch unter die Buchautoren gegangen. 

Comedian Lutz van der Horst hat mit uns über sein erstes Buch gesprochen und über seine ersten Auftritte bei Stefan Raab, die ihm heute noch peinlich sind.

Kurz vor Weihnachten war Lutz van der Horst (50) wieder in seinem Element. Als Reporter der „heute-Show“ nahm er die Teilnehmer des CSU-Parteitages auf die Schippe. Polit-Promis mit seinen Fragen durch den Kakao ziehen – das ist seine komödiantische Paradedisziplin.

Doch der Weg an die Spitze war steinig. Das kann man in seinem wunderbaren Roman „Konfetti-Blues“ (Droemer Verlag, 18 Euro) nachlesen, in dem er die Comedy-Hauptstadt Köln in den Nullerjahren schildert – das Hörbuch hat er selbst eingelesen. Wenn das keine guten Gründe sind für ein ausführliches Gespräch mit dem EXPRESS.

Lutz van der Horst: Drama, Sex und Alkohol

Sie sind mit Ihrem „Konfettiblues“ auf Lesereise. Ein gutes Gefühl für Sie?

Lutz van der Horst: Ja, klar. Es ist mein erstes Buch, und seit Jimmy Breuer bei 1Live bin ich nicht mehr regelmäßig aufgetreten. Es gefällt mir auch, dass ich so sein kann, wie ich bin, und keine Rolle spielen muss. Ich bin es gewohnt, dass die Leute bei mir lachen, und dieses Lachen ist mein Gradmesser. Daran merke ich, ob es gut ist, was ich mache – oder nicht so toll. Doch bei der Lesetour lese ich nicht nur die lustigen Kapitel vor. Denn in „Konfettiblues“ geht's auch um Alkohol, Verzweiflung, menschliche Dramen ...

... und auch um Sex. Und der ist, so wie Sie ihn beschreiben, nicht ohne. Lesen Sie diese Stellen auch vor?

Lutz van der Horst: Diese Szenen vermeide ich gern. Aber es gibt genügend andere unangenehme Szenen, und ich werde immer noch unruhig, wenn ich sie vorlese. Denn wie gesagt, es ist mir lieber, wenn die Leute lachen.

Warum haben Sie das Buch überhaupt geschrieben?

Lutz van der Horst: Es ist vor mehr als 20 Jahren entstanden, als es mir schlecht ging. Es war eine Zeit des beruflichen Stillstands, privat lief auch alles verheerend, ich wusste nicht, wie es weitergeht. Schreiben war für mich eine therapeutische Maßnahme, die mir geholfen hat, den Schmerz mit Humor zu überwinden.

Was bedeutet „Konfettiblues“?

Lutz van der Horst: Es ist das Gefühl, das sich einstellt, wenn im Saal die Scheinwerfer ausgehen und der Applaus verstummt. Wenn du ganz allein im Saal bist. Du guckst dich noch mal um, aber da ist nichts mehr. Da war gerade noch die Freude, die bei Konfetti mitschwingt, und jetzt ist die Melancholie da, der Blues. So geht es Max, der Hauptfigur, im Buch: Er denkt, jetzt geht es los – doch in Wirklichkeit ist alles vorbei. So war es bei mir auch, plötzlich ging nichts mehr.

Das heißt, der Max – das sind Sie?

Lutz van der Horst: Manchmal schon. In ihm steckt sehr viel von mir.

Wenn es so ist, ist es ein sehr ehrliches Buch. Keine Angst, dass Sie manchmal zu ehrlich waren?

Lutz van der Horst: Mir war klar, dass ich mich durch die Veröffentlichung sehr angreifbar mache. Ich habe lange überlegt, und mein Management hat mir dringend davon abgeraten, aus Sorge, dass die Leute meinen, diese Hauptfigur sei komplett ich, obwohl vieles dazu erfunden ist. Trotzdem habe ich mich entschieden, was zu machen, weil ich mal eine andere Seite und andere Facetten von mir zeigen will.

Ihr Max pendelt im Buch zwischen Tragik und Komik. Sind Sie, wie er, ein fröhlicher Melancholiker?

Lutz van der Horst: Ich glaube, dass alle großen Komiker Melancholiker sind. Gute Comedy entsteht aus Schmerz, immer nur lustig sein, ist anstrengend.

Sie sind schwul, mit diesem Buch outen Sie sich erstmals in aller Öffentlichkeit. Wie war das für Sie?

Lutz van der Horst: Kein Problem, das wird heute kaum noch thematisiert. Anders als zu der Zeit, in der ich das Buch geschrieben habe, Mitte der Nuller-Jahre. Da war ein Coming-out viel schwieriger. Und noch viel härter war es in den 90ern, in denen ich es wirklich gemacht habe. Jetzt sind die Menschen offener für solche Themen.

Die Moderatoren Lutz van der Horst (M) und Fabian Köster (r) von der ZDF-Satire-Sendung heute-Show stehen bei der Landtagswahl in Schleswig-Holstein neben Daniel Günther (CDU), Ministerpräsident von Schleswig-Holstein. Sie präsentieren T-Shirts und Mützen mit den Slogans "Günni 2025" und "Kanzler von Moin".

Wahlkampfhilfe?! Lutz van der Horst 2022 mit Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther. Rechts van der Horsts Kollege Fabian Köster.

Damals gab es in der Comedy-Hauptstadt Köln gefühlt mehr Gagschreiber als Gags. Ist die Zeit mit heute vergleichbar?

Lutz van der Horst: Es ist nicht mehr so unbeschwert wie vor 20 Jahren, die Menge an Comedy-Shows hat stark abgenommen. Corona und die Kriege haben viel verändert. Dagegen ist das Bedürfnis nach Satire viel stärker. Die Leute denken, dass sie lachen müssen über das, was ist, sonst werden sie wahnsinnig. Lachen in ernsten Zeiten tut gut.

In Ihrer Karriere erkennen wir, dass Sie unbedingt populär werden und ins Fernsehen kommen wollten. Waren Sie wirklich so TV-fixiert?

Lutz van der Horst: Ja. Ich hatte schon als Kind den unbedingten Wunsch, vor die Kameras zu treten. Ich habe schon im Kindergarten und in der Grundschule gern auf der Bühne gestanden. Der entscheidende Moment war dann, als mir mein Vater Ende der 80er nach langer Bettelei eine Video-Kamera schenkte. Von da an habe ich jeden Tag wie ein Wahnsinniger gedreht – Sketche, Shows oder sonst irgendwelchen Blödsinn.

Hatten Sie ein Vorbild?

Lutz van der Horst: Ich wollte Showmaster werden. Für mich war die klassische Samstagabend-Show das Ultimative, und natürlich war „Wetten, dass ..?“, erst mit Frank Elstner, dann mit Thomas Gottschalk, das Allergrößte. „Wetten, dass ..?“ ist übrigens immer noch mein erstes Ziel.

Vielleicht sind Sie mit Ihren Wünschen zu spät dran, „Wetten, dass..?“ ist fast eingeschlafen ...

Lutz van der Horst: Europas größte Show darf man nicht einfach für immer einschlafen lassen! Ich bin dagegen. Man muss ihr wieder Leben einhauchen. Und dafür biete ich mich an, ich bin bereit. Ich würde mich freuen, wenn die ZDF-Verantwortlichen das jetzt im EXPRESS lesen – meine Telefonnummer haben sie ja.

Ein Mann mit Helm und Kamera überreicht einem Mann im Publikum einen Rosenstrauß

Beim Fernsehpreis 2017 gab es von Lutz van der Horst Rosen für Thomas Gottschalk.

Auch ohne Samstagabend-Show sind Sie zum Star geworden – das liegt vor allem an der ZDF-Satire „heute-show“, für die Sie als Überraschungs-Reporter bei politischen Veranstaltungen auftauchen und den Politikern seltsame Fragen stellen. Keine Hemmungen?

Lutz van der Horst: Es ist inzwischen sehr normal geworden. Das war nicht immer so. Zuerst fiel es mir sehr schwer, fremde Leute anzusprechen. Es liegt nicht im Naturell des Menschen, anderen doofe Fragen zu stellen.

Sie haben damit 2009 angefangen. Erinnern Sie sich noch ans erste Interview dieser Art?

Lutz van der Horst: Es war Grünen-Spitzenfrau Renate Künast; eine Premiere mit Tücken. Wir waren glücklich, als sie auf meine Fragen antwortete – doch als alles vorbei war, sagte mein Kameramann: „Ich habe vergessen, auf Aufnahme zu drücken!“ Ich musste also noch mal zu Frau Künast und ihr das erklären. Sie hat das Interview tatsächlich noch mal gemacht, obwohl sie erst glaubte, wir wollten sie auf die Schippe nehmen.

Wen hätten Sie noch gern?

Lutz van der Horst: Bundeskanzler Merz – hat aber bisher nicht geklappt.

Dafür hatten Sie seine Ehefrau vorm Mikro, die sich beschwerte, dass Sie ihren Mann belästigten ...

Lutz van der Horst: Ein denkwürdiger Moment, ein Glücksgriff, denn wir wussten nicht, wer sie war. Erst im Schnitt wurde uns das klar.

Wer Ihre Karriere verfolgt hat, wird sich kaum vorstellen können, dass Sie mal schüchtern waren. Immerhin waren Sie in Stefan Raabs „TV total“ als „Blasehase“ im Einsatz – in rosa Plüsch-Kostüm mit aufgesetzten Schneidezähnen ...

Lutz van der Horst: ... was mir außerordentlich peinlich war. Aber TV total war so populär, und ich dachte, dass diese irre Figur mein Sprungbrett sein könne.

Sie sind im vergangenen Jahr 50 geworden – ist Alter ein Problem für Sie?

Lutz van der Horst: Es war bisher nie eins, doch bei 50 musste ich doch schlucken. Jetzt ist die Hälfte des Lebens vorbei, da habe ich mir schon meine Gedanken gemacht. Aber ich habe mit Fabian Köster gemeinsam Geburtstag gefeiert. Er seinen 30., ich meinen 50. das war dann unser 80. Und nachdem die Feier durch war, war ich entspannt. Jetzt denke ich nicht mehr drüber nach.

Lutz van der Horst: Vom „Blase-Hase“ zum Grimme-Preis

Lutz van der Horst (geboren am 20. August 1975 in Köln; lebt in Ehrenfeld) hat in seiner Heimatstadt Germanistik und Anglistik studiert. Ab 2000 fester Autor bei „Brainpool“, danach freier Autor. Ab 2001 als „Blasehase“ bei Stefan Raabs „TV total“ erstmals vor der Kamera. Ab 2003 mimte er den „Günni“ in „TV total“. Seit 2009 ist er bei der „heute-show“ dabei, außerdem hatte er bis 2013 die Comedy-Reihe „Jimmy Breuer“ bei 1 live im Radio. 2020 gründete er mit Thilo Gosejohann die Band Tippy Toppy, die sich an den 80ern orientiert.

Belegte 2025 bei „LOL: Last One Laughing“ Platz 3; bei „Schlag den Star“ gewann er 2025 mit „heute-show“-Kollege Fabian Köster 100.000 Euro. Er wurde mehrfach ausgezeichnet, u. a. mit mehreren Deutschen Comedy- sowie Fernsehpreisen, der Goldenen Kamera und zuletzt 2025 mit dem Grimme-Preis (mit Fabian Köster in der Kategorie „Unterhaltung Spezial“). Am 20. Januar 2026 stellt er ein Buch „Konfettiblues“ bei Thalia am Neumarkt in Köln vor.