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Echt clever!Kölner Start-up mit genialer Strategie für Schrottklamotten

Kölner Start up CRCL: Lauritz Schmidt, Timur Oruz, Lars Conzendorf

Copyright: DIRK LOERPER

Das CRCL-Team Lauritz Schmidt, Timur Oruz, Lars Conzendorf (v.l.) will Firmen dazu bringen, unverkaufte Textilien nicht mehr als Entsorgungsproblem, sondern als Chance für industrielles Recycling zu sehen. Produkte gibt es schon!

Aktualisiert:

Das neue EU-Verbot gegen Textilvernichtung ist inkraft – und ein Kölner Start-up stößt in eine Marktlücke.

Den bunten Strandfetzen online gleich in drei Größen bestellt, zuhause anprobiert, alles zurückgeschickt. Die Europäische Umweltagentur (EFA) schätzt, dass in Europa vier bis neun Prozent aller Textilien zerstört werden, ohne jemals getragen worden zu sein! Macht rund 5,6 Millionen CO2-Emissionen pro Jahr. Jetzt zieht die EU die Reißleine. Das neue Textilvernichtungsverbot könnte zum Durchbruch für ein Kölner Start-up werden.

Was passiert eigentlich mit diesem Überkonsum an Kleidern? Mit Billig-Klamotten von all den großen Marken, die mittlerweile zig Plaste- und Elaste-Kollektionen im Jahr auf den Markt werfen? Eine Frage, die Lars Conzendorf (33) schon während des Business-Innovation-Studiums umtrieb. Er träumte schon immer davon, sich selbstständig zu machen und hatte plötzlich eine Idee: „Ich habe eine ausrangierte Jeans in einem Küchenmixer kleingeschreddert, mir im Internet einen handelsüblichen Kleber bestellt und das Ganze dann zu einem Kleiderbügel geformt.“

Aus alt mach neu – und was total anderes

Klinge profan, zeige aber, dass man aus einer Ressource, die eigentlich verbrannt worden wäre, etwas Neues entwickeln kann. Mit Lauritz Schmidt (32, Politologe) und Timur Oruz (32, Mediziner), allesamt Jugendfreunde, ist das Start-up namens CRCL mittlerweile komplett. Das Land NRW finanzierte ein Gründerstipendium – 2023 hatte das Trio seine erste Million zusammen und legte los. „Wir kommen ja alle nicht aus den Fachrichtungen Umwelt oder Industriedesign. Aber das hat uns in ganz vielen Bereichen total geholfen, weil wir nicht die wissenschaftlichen Scheuklappen aufhaben, sondern einfach gesagt haben: Lasst es uns ausprobieren, lasst uns machen, lasst uns nicht nur über Theorie sprechen, sondern der umweltschädlichsten Entsorgung den Kampf ansagen – der Verbrennung. Lasst uns diese Ressource nutzen und daraus einen neuen Werkstoff entwickeln“, erklärt Lars Conzendorf im Gespräch mit dem EXPRESS.

Global geht es bei dem Thema Textilverbrennung um über 120 Millionen Tonnen, in Deutschland immerhin noch um knapp über eine Million Tonnen – das ist eine Lkw-Ladung pro Sekunde, die auf Deponien oder in der Verbrennung landet. Was für eine Verschwendung! Noch muss CRCL auf externe Dienstleister zurückgreifen, um Altkleider schreddern zu lassen, weil die Maschinen teuer sind. Aber schon dieses Jahr wird es „einen neuen Partner geben, der den ganzen Prozess mit uns industriell umsetzt“, freut sich der Kölner Gründer.

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Kein Wunder: Spätestens mit dem neuen Gesetz muss die Mode- und Textilbranche umdenken – was liegt da näher, als einen neuen industriellen Verwertungspfad einzuschlagen – zu einem Zeitpunkt, indem Kostenfragen, gesetzlicher Druck und Nachhaltigkeitsanforderungen immer enger zusammenrücken werden?

Und wie funktioniert das Ganze nun? „Das Einzige, das wir nicht verwenden, sind Störstoffe wie Reißverschlüsse oder Knöpfe“, erklärt Conzendorf, „die werden in einem mechanischen Prozess getrennt und aussortiert. Aber alle Mischfasern mit Polyester und Zellulose werden zu einem Kunststoffsubstitut gepresst, woraus man alles Mögliche herstellen kann: Sitzschalen, Kleiderbügel, Rohrverbindungen, Lautsprecherboxen, ja sogar Gitterpaneele für Einfahrten.“ Im Prinzip könne alles substituiert werden, was nicht lebensmittel- oder hygienenah ist. Der Wahlkölner: „Wir pilotieren seit Jahren mit der Schweizer Firma Vitra, einem großen, renommierten Möbelhersteller.“ Und mittlerweile würden viele weitere Branchen Interesse zeigen. Fakt ist aber auch: Das Projekt der Kölner ist – erst mal – nur ein Tropfen auf den heißen Stein. „Ab Januar werden wir eine vierstellige Tonnenanzahl von unserem Material produzieren“, sagt Conzendorf. „Wir sind aber nur der Schluss der Kette, können die Verbrennung reduzieren. Doch die Gesellschaft muss an den Anfang, an die Überproduktion ran. Jeder sollte aufhören, so viel Kleidung zu konsumieren.“

Altkleider sind kaum noch gefagt

Gemeinnützige Organisationen reduzieren ihre Altkleidersammlungen oder bauen Container ab, weil das Sammeln zu einem Verlustgeschäft geworden ist. Die Gründe:

Billigkleidung von geringer Qualität („Ultra-Fast-Fashion“) lässt sich kaum noch als Secondhand-Ware weiterverkaufen.

Das Sortieren, Transportieren und Entsorgen von unbrauchbarem Material kostet mehr Geld, als durch den Verkauf der brauchbaren Kleidung noch eingenommen wird.

Immer öfter landen Hausmüll oder kaputte Textilien in den Behältern, was den Aufwand und die Müllgebühren erhöht.

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