Die gesamte Führungsebene an der von Kardinal Woelki protegierten Kölner Hochschule ist weg. Nun kommen brisante Details ans Licht.
Austausch der FührungsriegeChefetage an Woelki-Hochschule weg

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Rainer Maria Woelki, Kardinal von Köln. (Archivfoto)
An der von Kardinal Woelki geförderten Hochschule für Katholische Theologie (KHKT) ist völlig unerwartet die gesamte Leitungsebene raus.
Für Außenstehende völlig überraschend, verliert die Institution, die vom Kölner Erzbischof Kardinal Rainer Woelki als „Großkanzler“ protegiert und mit jährlich zwei Millionen Euro aus Kirchensteuern finanziert wird, zum Ende des Sommersemesters ihre gesamte Führungsspitze.
Keine Informationen zur Neubesetzung
Die „KHKT Stiftung“, in deren Stiftungsrat Woelki den Vorsitz innehat, verkündete dies am Wochenende. Der langjährige Rektor Christoph Ohly stehe für eine neue Amtszeit „nicht mehr zur Verfügung“. Übergangsgeschäftsführer Dominik Heringer beendet seine Tätigkeit nach fast zwei Jahren, und auch Kanzlerin Nina Jungblut scheidet aus ihrem Amt.
Bereits im April hatte der vormalige Prorektor der KHKT, der Sozialethiker Elmar Naß, unter nicht geklärten Umständen seinen Posten geräumt und zugleich die Aufgabe seiner Professur zum Semesterende angekündigt. Der Geistliche aus dem Bistum Aachen gab als Grund an, sich „anderen priesterlichen Aufgaben zuwenden“ zu wollen. Rückfragen dazu blieben sowohl von ihm als auch von der Hochschulleitung und der Stiftung unbeantwortet.
Laut Informationen aus einer verlässlichen Quelle gibt es an der „Woelki-Hochschule“ seit Längerem Konflikte über die Ausrichtung und die mittelfristige Finanzierung.
In der Verlautbarung der Stiftung ist auffällig, dass es neben überschwänglichen Dankesworten für die scheidende Leitungsmannschaft und der nebulösen Ankündigung, die „personelle Neuordnung“ für eine „erfolgreiche Entwicklung“ zu nutzen, keinerlei Informationen zur Nachbesetzung der freiwerdenden Ämter gibt.
„Ginge das alles mit rechten Dingen zu, hätte man zumindest für die Verwaltungsposten eine Nachfolge präsentiert oder Kandidaturen für die Besetzung des Rektorenpostens benannt“, äußerte eine Person, die mit den Interna der KHKT vertraut ist.
Nach Recherchen des „Kölner Stadt-Anzeiger“ wurde mit Stiftungsmitteln, deren Zweck die finanzielle und ideelle Förderung der KHKT ist, eine Befragung der Mitarbeitenden durchgeführt. Über die Ergebnisse dieser Umfrage bewahren die Gremien Stillschweigen – auch nach innen. Auf Anfragen erhielt die Redaktion nur ausweichende Antworten.
Entscheidend sei, „dass wir die Anliegen der Mitarbeitenden – sowohl die positiven als auch die kritischen – ernstnehmen“, ließ der scheidende Rektor Ohly schriftlich verlauten. Auch die Mitarbeitendenvertretung (MAV), die in kirchlichen Organisationen die Funktion eines Betriebsrats übernimmt, wollte sich auf Anfrage nicht zur Befragung und der Stimmung an der KHKT äußern.
Vorwürfe von Mobbing und Intrigen im Raum
Aus dem Kreis der Beschäftigten soll es laut zuverlässigen Informationen Anschuldigungen gegen die nun abtretende Leitung gegeben haben. Es ist die Rede von Mobbing, Einschüchterungen und einem aggressiven Führungsstil. Umgekehrt liegen dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ Stellungnahmen vor, die den Verdacht einer Intrige aufkommen lassen. Das Ziel sei gewesen, das Führungstrio „loszuwerden, weil es sich Plänen einer immer weiteren Orientierung nach Rechts und dem Aufbau eines Netzwerks mit Verbindungen zu finanzkräftigen, ultrakonservativen Kreisen in den USA widersetzt hat“, so ein Insider.
Die KHKT gilt als Woelkis Herzensprojekt. Auf sein Drängen hin ergriff das Erzbistum 2020 die Möglichkeit, die frühere theologische Hochschule in Sankt Augustin von den Steyler Missionaren zu übernehmen und den Lehrbetrieb nach Köln zu verlagern. Kritiker werfen Woelki vor, er wolle damit ein strikt konservatives Gegengewicht zur Theologie-Fakultät der Universität Bonn aufbauen. Damit schade er der staatlichen Institution, indem er den (geringen) Priesternachwuchs an der KHKT und nicht in Bonn studieren lässt.
Gemäß dem Preußischen Konkordat von 1929, einem völkerrechtlich bindenden Abkommen zwischen dem Vatikan und dem Land NRW, ist die Uni Bonn die alleinige Ausbildungsstätte für die Priesteranwärter des Erzbistums. Wegen des schwelenden Disputs in dieser Angelegenheit haben Rom und die Landesregierung eine Schiedskommission eingesetzt.
Im Erzbistum ist die KHKT auch deswegen umstritten, weil Woelki – entgegen früherer Versprechen – in Zeiten knapper Finanzen zwei Millionen Euro pro Jahr an Kirchensteuern in den Betrieb seiner – so die Kritik – entbehrlichen Hochschule steckt. (red)
