Miet-Aktivist Kalle Gerigk ist entsetzt: Die 100-jährige Lilly Rostock soll ihre Wohnung räumen.
„Ist ein Skandal“Lilly (100) soll ihre Kölner Wohnung räumen

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Lilly Rostock (2. v. l.) im Kreise ihrer Kinder Karl-Heinz und Brigitte Rostock (r.) sowie Schwiegertochter Jildas (l.).
Ende Mai wird Lilly Rostock 101 Jahre alt. Ein bewegtes Leben liegt hinter der Kölnerin. Und ausgerechnet jetzt, im hohen Alter, droht der schwer kranken Frau die Wohn-Katastrophe. Denn eine Immobiliengesellschaft will sie aus ihrer Wohnung klagen.
„Die Situation von Lilly Rostock ist ein Skandal“, findet der bekannte Kölner Miet-Aktivist Kalle Gerigk, der die Familie unterstützt. „Eine 100-Jährige, demenzkranke und pflegebedürftige Frau soll aus ihrem Zuhause gerissen werden, dem einzigen Ort, der ihr noch Halt gibt“, ist er entsetzt.
„Umzug wäre lebensgefährlich“
Worum geht es? Ende Dezember 2024 erhielten alle neun Mietparteien der Gebäude in der Bickendorfer Feltenstraße 2–6 ein Schreiben der Hausverwaltung mit der Information, dass die Häuser abgerissen werden sollen. Wenig später folgte die Kündigung – auch für Lilly Rostock. Auf dem Grundstück sollen moderne Gebäude mit mehreren Wohnungen entstehen.
Die demenzkranke Frau wohnt seit 1969 in der rund 100 Quadratmeter großen Wohnung. Da sie alleine nicht mehr zurechtkommt, lebt Tochter Brigitte bei ihr. Sie kümmert sich um die Pflege ihrer schwer kranken Mutter. „Ich muss ihr beim Aufstehen und beim Gehen helfen. Sie würde von sich aus nicht essen und trinken, auch darauf muss ich achten“, sagte die Tochter dem WDR.
Lilly Rostock jetzt aus ihrer gewohnten Umgebung zu nehmen, wäre lebensgefährlich, wie auch Kalle Gerigk gegenüber EXPRESS.de bestätigte. „Dass so etwas überhaupt erwogen wird, ist unmenschlich.“
Zwar sei ihr eine deutlich kleinere Wohnung angeboten worden, die käme aufgrund der Pflegeintensität aber nicht infrage. Sie benötigt den Platz, „um sich mit Unterstützung ihrer Tochter bewegen zu können. Diese Bewegungsmöglichkeit ist wichtig, damit sie gesundheitlich einigermaßen stabil bleibt“, so Gerigk weiter.

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Anwalt Jakob Kreuzer, Tochter Brigitte, Sohn Karl-Heinz, Schwiegertochter Jildas und Kalle Gerigk am Mittwoch vor dem Kölner Amtsgericht (v.l.)
In Sitzungssaal 257 des Kölner Amtsgerichts in der Luxemburger Straße sollte am Mittwoch (6. Mai) über das Schicksal von Lilly Rostock entschieden werden. Doch eine einvernehmliche Einigung und damit ein Vergleich kamen nicht zustande.
Eine Entscheidung wurde auf den 10. Juni 2026 verschoben. Wie der WDR berichtet, soll die Richterin allerdings eine vorläufige Einschätzung abgegeben haben. Danach könnten sowohl die gesundheitliche Verfassung von Lilly Rostock als auch formale Gründe bei der Kündigung ausschlaggebend dafür sein, dass die Räumungsklage abgewehrt wird. Für Lilly Rostock wäre das ein Segen. (susa)
