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Jeder Jeck ist anders?Dann müssen wir auch so handeln

Copyright: Louisa Noack / Montage

In ihrer Kolumne „Liebe. Leben. Köln.“ schreibt Louisa Noack über Liebe, Beziehungen und die kleinen Geschichten, die das Leben in Köln jeden Tag bereithält. Eine offene Stadt lebt nicht von ihrem Ruf, sondern von den Menschen, die jeden Tag zeigen, dass Vielfalt dazugehört.

Köln gilt als offen, tolerant und vielfältig. Trotzdem ist die Zahl der queerfeindlichen Straftaten im vergangenen Jahr gestiegen. Das hat mich beschäftigt. Denn eine Stadt ist nicht deshalb tolerant, weil sie es von sich behauptet. Sondern weil ihre Menschen es jeden Tag aufs Neue zeigen.

Es gibt diesen Satz, den man in Köln ständig hört. „Jeder Jeck is anders."

Ich mag ihn. Nicht, weil er auf Postkarten gut aussieht,sSondern weil ich immer dachte, genau das macht unsere Stadt aus. Egal, wen du liebst. Egal, wie du aussiehst. Egal, wen du an der Hand hältst.

Dann habe ich in dieser Woche Zahlen gelesen, die mich kurz innehalten ließen.Die Zahl der queerfeindlichen Straftaten ist in Köln im vergangenen Jahr von 79 auf 91 Fälle gestiegen. Bundesweit sieht die Entwicklung leider ähnlich aus. Auch dort wurden deutlich mehr solcher Straftaten registriert als im Jahr zuvor.

Natürlich habe ich darüber mit Franco, dem italienischen Barbesitzer meines Vertrauens, gesprochen. Er schaute mich an und sagte: „Louisa, Offenheit ist wie eine Pflanze. Wenn du dich nicht kümmerst, wächst sie nicht einfach weiter."

Ein Satz, der hängen geblieben ist. Später habe ich Zoe, 19, meine Gen-Z-Expertin, gefragt, ob sie Köln trotzdem als offene Stadt erlebt. „Ja", sagte sie sofort. „Aber genau deshalb dürfen wir nicht so tun, als wäre alles selbstverständlich." Ich glaube, sie hat recht.

Denn vielleicht ist genau das die Gefahr. Dass wir glauben, Köln sei tolerant. Und deshalb müsse man sich nicht mehr darum kümmern. Aber Toleranz ist keine Sehenswürdigkeit.

Sie ist eine Entscheidung. Jeden einzelnen Tag. Wenn wir eingreifen, statt wegzuschauen. Wenn wir Menschen so leben lassen, wie sie leben möchten. Und wenn wir nicht nur während des CSD stolz auf unsere bunte Stadt sind.

Deshalb kommt hier mein heißer Tipp für dieses Wochenende: Wenn Vielfalt gefeiert wird, dann nicht nur auf einer Demo, sondern auch auf der Tanzfläche. Bei „QUEER AS HEAVEN“ verwandelt sich die evangelische St.-Johannes-Kirche in Deutz in eine Party mit Pop, Charts, Electro und bunter Laune. Das Schönste daran: Hier sind Queers, Allies, Freundinnen, Freunde, Dates und Neugierige gleichermaßen willkommen. Ein Ort, an dem niemand erklären muss, wer er oder sie ist. Genau solche Orte braucht Köln. Die Party findet am Samstag, 19. September, von 15 bis 22 Uhr statt.

Alle Infos und Tickets hier

Und vielleicht ist das die eigentliche Botschaft dieser Woche. Eine offene Stadt erkennst du nicht daran, wie laut sie von Toleranz spricht. Sondern daran, wie selbstverständlich sie gelebt wird.

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