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Das Geschäft mit der NäheSo viel Kohle verdient man in der Erotik-Branche wirklich

Anike Ekina und Elias Goldmund tragen Kopfhörer.

Viele denken, mit Erotik und Sex lässt sich das schnell Geld verdienen. Aber das täuscht. Bis zum Erfolg ist es ein steiniger Weg - und dann zählt Disziplin.

Hier wird`s heiß! Denn es geht um Erotik und Sexarbeit. Kaum ein Thema wird so viel diskutiert und so wenig verstanden. Zwischen Glitzer, Vorurteilen und echter Arbeit liegt ein Alltag, über den selten ehrlich gesprochen wird.

Sexualtherapeutin Louisa Noack hat mit zwei Menschen gesprochen, die wissen, wie es sich anfühlt, den eigenen Körper zur Profession zu machen: Anike Ekina und Elias Goldmund. Zwei Perspektiven, zwei Wege – und ein gemeinsames Fazit: Erotik und Sexarbeit ist harte Arbeit.

Der Weg in die Branche ist nicht leicht

„Viele haben zu mir gesagt, ich sehe gut aus, ich habe eine tolle Figur – ich könnte mehr daraus machen“, erinnert sich Anike Ekina. „Dann hab ich mich im Spiegel angeguckt und gedacht: Ja, doch.“

2010 startete sie mit Webcam-Arbeit: „das waren meine ersten Projekte, um bekannt zu werden. Und es lief auch sehr gut.“ Heute führt sie ein eigenes Unternehmen und beschäftigt Angestellte. Doch von leicht verdientem Geld keine Spur:

„Viele unterschätzen, dass da viel mehr dranhängt. Die denken, ich verdiene das Geld, und lebe in Saus und Braus. Aber du musst deine Angestellten zahlen, Versicherungen, Miete – das kostet alles.“

Vom Musiker zum Dom und Escort

Elias Goldmund, ausgebildeter Musiker und angehender Psychologe, arbeitet heute als professioneller Dominus, Escort und Tantra-Masseur in Berlin.

„Ich mache das freiwillig, ich mache es gerne – und ich mache es gut“, sagt er. „Ich habe das Gefühl, dass ich in diesem Beruf Menschen am besten begleiten kann. Was in einer Session passiert, das kann man in keiner Gesprächstherapie erreichen.“

Ich mache das freiwillig, gerne und gut. Ich bin Mensch, keine Maschine."
Elias Goldmund

Er weiß, wie wechselhaft der Beruf ist: „Ich hatte schon mal 4.000 Euro Brutto-Umsatz – und dann wieder zwei Monate lang keinen einzigen Cent. Das ist ganz normal in dieser Branche.“

Harte Arbeit statt schnellem Geld ist keine Seltenheit

Beide wissen: Erfolg kommt nur mit Disziplin – und mit klaren Grenzen.

„Ich habe heute Morgen einer Kundin eine Grenze setzen müssen, in Bezug auf die Kontaktintensität außerhalb der Sessions“, sagt Elias. „Ich bin ein nahbarer Mensch, aber das wird manchmal falsch interpretiert.“

Auch Anike kennt das: „Du brauchst bei der Arbeit in der Erotikbranche immer einen Plan B und C. Du kannst nicht nur einen Plan A haben. Weil lange geht’s gut, aber irgendwann geht’s vielleicht nicht mehr gut.“

Zahlen aus der Sexarbeits-Branche, die die Realität zeigen

Laut Statistischem Bundesamt waren Ende 2024 32.300 Sexarbeiter:innen in Deutschland offiziell gemeldet – rund 1.700 mehr als im Jahr zuvor.

Vor der Pandemie waren es über 40.000, die Dunkelziffer liegt laut Berufsverbänden bei bis zu 200.000 Menschen.

„Ich zieh mein Ding durch – und was andere sagen, ist mir egal.“
Anike Ekina

Eine neue Analyse des Erotikportals Erobella zeigt: Die meisten verdienen dabei ganz und gar nicht gut. Wie hart der Job also tatsächlich ist, wurde in der Auswertung genau gezeigt. Demnach liegt das durchschnittliche Einkommen vieler Sexarbeitender deutlich unter dem gesetzlichen Mindestlohn.

Laut der Auswertung verdienen zum Beispiel OnlyFans-Creator und Creatorinnen in Deutschland im Schnitt 200 bis 500 Euro pro Monat – bei einem realen Stundenlohn zwischen 3 und 8 Euro, wenn man Arbeitsaufwand, Content-Produktion und Kommunikation einrechnet.

zum kompletten Sexwork Pricing Index

Im Escort-Bereich nennt der Sexwork Pricing Index durchschnittliche Honorare von etwa 150 Euro pro Stunde, mit Spitzenwerten in Städten wie München. Doch auch hier sei der Verdienst oft trügerisch: Viele Sexarbeitende arbeiten nur wenige Stunden pro Woche, weil Kundenakquise, Sicherheit und Marktverfügbarkeit begrenzen.

Am Ende des Geldes ist noch viel zu viel Monat übrig

Und das bedeutet nicht, dass am Monatsende viel bleibt: Buchungsschwankungen, hohe Fixkosten und fehlende Absicherung machen viele Einkommen unsicher.

Erobella-Analystin Brenda Jensen fasst zusammen: „Die Erwachsenenindustrie kann für wenige hohe Stundensätze bieten, aber die Realität begrenzter Arbeitszeiten, unbezahlter Vorbereitungszeit und fehlender Sozialversicherung bedeutet, dass die meisten finanziell schlechter dastehen als in einem traditionellen Beruf.“

alle Ergebnisse der Erobella-Studie

Die Studie zeigt: Erotikarbeit ist oft kein lukrativer Nebenjob, sondern für viele ein prekäres Vollzeitmodell – ohne soziale Absicherung und mit starker Abhängigkeit von Plattformen, Trends und Publikum.

Die Zahlen bestätigen, was Anike Ekina sagt: „Viele unterschätzen, dass da viel mehr dranhängt.“

Stigma statt Anerkennung ist normal

Elias erlebt Vorurteile am eigenen Leib. „Ich hab im letzten Jahr drei negative Reaktionen erlebt – das hat mich am Anfang gekränkt. Heute stehe ich drüber.“

Manche fragen ihn sogar, ob er gezwungen werde. „Ich bin weiß, cis, Mann – wer soll mich denn zwingen?“, sagt er.

Anike kennt andere Klischees: „Entweder wirst du überbewertet oder abgewertet. Ich gehe mit geradem Rücken raus, weil ich weiß, wer ich bin.“

Für sie ist das der Kern von Macht: „Ich fühle mich stark. Ich habe Bock auf das, was ich tue.“


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Erfolg in der Erotikbranche: Mann und Frau müssen dranbleiben

Für Anike Ekina bedeutet Erfolg, sich nicht zu verlieren: „Wenn du an deiner Sache glaubst und dranbleibst, wirst du erfolgreicher und bekannter.“

2014 änderte sie ihren Stil – weg vom wilden Look, hin zu eleganter Sinnlichkeit. „Ich wollte anders sein als 80 andere Mädels. Und das bin ich bis heute.“

Für Elias Goldmund ist Erfolg weniger äußerlich: „Ich sehe, was meine Arbeit mit den Menschen macht. Viele Frauen spüren nach einer Session zum ersten Mal wieder, was ihnen fehlt. Manche gehen danach gestärkt und klarer in ihr Leben. Das ist für mich der größte Erfolg.“

So einfach, wie es scheint,  ist Sexarbeit nicht

Sexarbeit ist kein Zuckerschlecken – und schon gar kein Selbstläufer. Sie ist Arbeit mit Körper, Kopf und Gefühl. Sie fordert Disziplin, Achtsamkeit und Klarheit. Was beide eint, ist die Haltung: selbstbestimmt, reflektiert, stolz. „Ich zieh mein Ding durch – und was andere sagen, ist mir egal.", sagt Anike Ekina. Und Elias ergänzt: „Ich mache das freiwillig, gerne und gut. Ich bin Mensch, keine Maschine.“ Hinter dem Glanz liegt echte Arbeit und Menschen, die mehr können, als man ihnen zutraut.