Ein Gotteshaus in Westfalen sieht dem Kölner Dom zum Verwechseln ähnlich und stiftet mächtig Verwirrung.
Kölner Dom geklont?Bauwerk in Westfalen sorgt für Verwirrung

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Die Türme der Wiesenkirche in Soest sehen denen des Kölner Doms zum verwechseln ähnlich.
Für die Kölschen ist eines in Stein gemeißelt: Der Dom gehört nach Kölle! Das ist eine unumstößliche Wahrheit. Doch ein Abstecher ins westfälische Soest sorgt bei vielen für ungläubiges Staunen.
Im Herzen der historischen Innenstadt strecken sich zwei Kirchtürme empor, die eine verblüffende Ähnlichkeit mit unserem Wahrzeichen aufweisen. Gibt es einen heimlichen Doppelgänger des Doms? Nicht ganz, aber eine beeindruckende kleine Schwester: die Gottesmutter-Kirche St. Maria zur Wiese.
Soester Kirchtürme haben verblüffende Ähnlichkeit mit Dom
Die verblüffende Ähnlichkeit ist kein reiner Zufall. Beide Sakralbauten stammen aus derselben Epoche und ihre Vollendung dauerte Jahrhunderte.
Der Kölner Dom wurde von 1248 bis 1880 errichtet. Mit dem Bau der Wiesenkirche wurde 1313 begonnen, fertiggestellt war sie 1882. Es war Preußen-König Friedrich Wilhelm IV., der veranlasste, dass beide Bauwerke beinahe gleichzeitig ihre prägnanten Turmhelme erhielten, die vom Freiburger Münster inspiriert sind.
Fachleute bestätigen, dass man stilistische Anklänge an die Skulpturen der Kölner Schule kaum übersehen kann. An der Errichtung der Wiesenkirche waren sogar Handwerker aus Köln beteiligt.
Es überrascht daher kaum, dass die Heiligen Drei Könige ebenfalls in Soest eine Rolle spielen: Von elf steinernen Skulpturen lassen sich drei klar als Kaspar, Melchior und Balthasar zuordnen.

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Die Wiesenkirche in Soest vor den Restaurierungsarbeiten an den Türmen
Birgitta Ringbeck, die Vorsitzende des Westfälischen Dombauvereins St. Maria zur Wiese, berichtet, der erste Baumeister habe Johannes Schendeler geheißen. „Er soll aus Köln gekommen sein“, sagt Ringbeck.
Auch Jürgen Prigl, der ehemalige Dombaumeister von Soest, merkte an: „Auch bei der Westfassade haben sich die Soester von den Kölnern einiges abgeschaut.“ Prigl erwähnt zudem einen Vermerk im Soester Stadtbuch aus dem Jahr 1308 über einen gewissen Johann de Colonia. Es könnte sich dabei um Meister Johannes von Köln gehandelt haben, der in der Domstadt die Nachfolge von Meister Gerhard und Meister Arnold antrat.
Erst Partner, dann Rivalen
In der Vergangenheit pflegten Köln und Soest enge Geschäftsbeziehungen. Soest war als Hansestadt im Mittelalter ein wichtiges Zentrum. Dann kam es jedoch zum großen Knall: Während der Soester Fehde (1444–1449) lösten sich die Westfalen von der Herrschaft des Kölner Erzbischofs. Erst im Jahr 2019 wurde zwischen den beiden Städten ein symbolischer Friedensvertrag unterzeichnet.
Beide Gotteshäuser sind Dauerbaustellen mit eigenen Baumeistern – Peter Füssenich am Rhein und Gunther Rohrberg in Westfalen. Ähnlich wie in Köln sorgte auch in Soest das Baumaterial für Kopfzerbrechen. Der Grünsandstein aus Soest verwittert stark, was die Kirche seit Jahrzehnten zu einem Fall für Restauratoren macht. Nahezu 40 Jahre lang war stets einer der beiden Türme eingerüstet. Selbst der Kölner Dombaumeister Arnold Wolff (Amtszeit 1972 bis 1998) wirkte zu Beginn der 1990er-Jahre am Konzept für die Restaurierung mit.
Das Gerüst als treuer Begleiter – eine Situation, die wir in Köln bestens kennen. Eine weitere Parallele: Die Bauhütten beider Kathedralen sind Teil des immateriellen Unesco-Kulturerbes. Und wie der Dom wird auch die Wiesenkirche dank ihrer riesigen Fenster von Licht durchflutet.
Abendmahl mit Bier und Mettwurst?
Selbstverständlich existieren auch Unterschiede, angefangen bei der Dimension: Die Türme des Doms ragen 157 Meter in die Höhe, die der Wiesenkirche lediglich 75 Meter. Architektonisch gesehen ist der Dom eine Basilika mit fünf Schiffen, während St. Maria zur Wiese als Hallenkirche mit drei gleich hohen Schiffen konzipiert ist.
In einer Sache ist die kleine Schwester aber besonders jeck. Ein Kirchenfenster zeigt das letzte Abendmahl auf eine sehr westfälische Art: Jesus und seine Jünger tafeln dort mit Schinken, einem Schweinskopf, Bierkrügen sowie Schnapsgläsern. (red)
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