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Wichtiges Dokument aber verschüttetWas der 6. März 1986 mit dem Kölsch zu tun hat

Gruppenbild des Vorstandes des Kölner Brauerei-Verbandes.

Copyright: Arton Krasniqi

Der Vorstand des Kölner Brauerei-Verbandes traf sich am Freitagabend (6. März 2026) zum 40. Jubiläum der Unterzeichnung der Kölsch-Konvention.

Vier Jahrzehnte nach der Unterzeichnung der Kölsch-Konvention haben die Kölner Brauereien das Jubiläum gefeiert. Dabei gab es einen ausführlichen Rückblick in die Historie des Bieres.

Am 6. März 1986 trafen sich die Vorstände von 24 Kölsch-Brauereien im Excelsior Hotel Ernst, um die sogenannte Kölsch-Konvention zu unterzeichnen. Diese regelt, wie ein Bier zu einem geschützten Gut wurde.

Der Vertrag definiert, wie ein Kölsch beschaffen sein muss. Serviert wird das obergärige, helle, hochvergorene, hopfenbetonte, klare Vollbier in einer 0,2-Liter-Stange. Es wird nach dem deutschen Reinheitsgebot gebraut und darf nur in den Brauereien Kölns hergestellt werden.

40 Jahre Kölsch-Konvention: Brauereien feiern Biergeschichte

Die Konvention bildete die Grundlage dafür, dass Kölsch seit 1997 als geschützte geografische Angabe EU-weit unter Herkunftsschutz steht. Das stärkt die Position der Kölner Brauereien, indem klare Regeln beachtet werden müssen.

Das Originaldokument der Kölsch-Konvention ist 2009 beim Einsturz des Stadtarchivs verschüttet worden. Doch vier Jahrzehnte nach der Unterzeichnung feierten die Kölner Brauereien das Jubiläum trotzdem.

Im Anno 1858 in der Malzmühle traf sich am Freitag (6. März 2026) der Kölner Brauerei-Verband, um auf das besondere Datum anzustoßen. „Die Kölsch-Konvention sorgt dafür, dass Tradition nicht nur bewahrt, sondern aktiv gelebt wird, durch 40 Jahre gemeinsames Einstehen für Herkunft, Qualität und Identität“, sagte Melanie Schwartz-Mechler, Chefin der Malzmühle.

„Das Jubiläum ist auch Auftrag für die Zukunft, damit die kommenden Generationen ganz selbstverständlich sagen können: Kölsch ist und bleibt ein echtes Stück Köln.“ Aber die Zeiten sind auch für die Brauereien härter geworden. 1983 betrug der Kölsch-Konsum 4,1 Millionen Hektoliter im Jahr, zuletzt nur noch 1,4 Millionen Hektoliter.

Dr. Ulrich Soénius mit einem Glas Kölsch in der Hand.

Copyright: Arton Krasniqi

Dr. Ulrich Soénius hielt die Laudatio auf 40 Jahre Kölsch-Konvention.

Zum Jubiläum blickte Historiker Dr. Ulrich Soénius, Direktor der Stiftung Rheinisch-Westfälisches Wirtschaftsarchiv, auf die Kölsch-Geschichte. So hat er herausgefunden, dass der Begriff Kölsch schon 1880 gebraucht wurde und auch das Wort Pittermännche bereits länger bekannt ist als bisher angenommen.

Die Geschichte besagt, dass die Gebrüder Sünner 1906 erstmals den Begriff Kölsch verwendet und ab 1918 damit geworben hätten. „Das stimmt nicht“, sagt Soénius. „Am 26. März 1905 wirbt der Gastwirt Fritz Minder in der Breite Straße mit frischen Muscheln und frischem Kölsch.“ In der Adresse ist heute der Bier-Esel untergebracht.

Alexander Rolff, Melanie Schwartz und Heinrich Philipp Becker präsentieren das Kampagnen-Logo.

Copyright: Michael Bause

Mit der Kampagne „Kölsch verbindet“ werben die Brauer für ihr Bier. Alexander Rolff (Früh), Melanie Schwartz (Mühlen) und Heinrich Philipp Becker (Gaffel, v.l.) bei der Präsentation.

Am 1. Oktober 1880 hat zudem der Kölner Dichter Ernst Pasqué eine Erzählung veröffentlicht, in der ein reisender Handwerksgeselle im Gasthaus vor dem Severinstor von der Wirtin ein echtes kölsches Bier verlangt. Unternehmer Ferdinand Mülhens lud 1892 zum 100-jährigen Bestehen der Kölnisch Wasser- und Parfümfabrik auf einen Dampfer ein. „Bei der Fahrt wurden Wein, Kölsch-Bier und Speisen serviert.“

Eine besondere Anekdote gab es aus einem Kölner Gerichtssaal. „Als ein Ehrenfelder Kaufmann 1911 wegen Beleidigung vor Gericht stand, versuchte der sich herauszureden, weil er sich an nichts mehr erinnern könnte, weil er zur Tatzeit vollkommen vom Kölsch betrunken gewesen sei“, zitierte Soénius. „Daraufhin antwortete der Richter: Von Kölsch wird man nicht betrunken.“

Kölsch sei ein Teil der Stadtidentität und das mehr als in anderen Bierstädten. „Die Entwicklung des Kölsch-Preises wird mit dem Dax-Index verglichen. Es gibt auch immer Diskussionen im Freundeskreis, welche Sorte die beliebteste ist. Kölsch ist immer wieder Gesellschaftsthema“, hat der Historiker festgestellt.

Eine Frau hält zwei glitzernde Diskokugeln in den Händen.

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