Die Drogen- und Obdachlosenszene im Belgischen Viertel breitet sich immer weiter aus. Anwohner schildern Unfassbares und schlagen Alarm.
Lage in Kölner Veedel spitzt sich zu„Irgendwann ist der Friesenplatz verloren“

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Auf der Brüsseler Straße hat am Dienstag (18. August 2026) ein Obdachloser sein Lager eingerichtet.

Das Belgische Viertel ist das beliebteste und teuerste in Köln. Doch die Stimmung dreht. Die Drogenszene wächst, breitet sich vom Friesenplatz immer mehr in die angrenzenden Wohnstraßen aus. „In der Limburger Straße ist es ganz schlimm“, erzählt Astrid (58). Inzwischen seien auch die Antwerpener sowie die Brüsseler Straße massiv betroffen.
Die Mutter einer 19-jährigen Tochter berichtet von offenem Drogenkonsum, auch vom Spritzen von Heroin. „Die koten und urinieren hier auch hin, das halbe Viertel stinkt nach Urin. Wir wohnen hier seit 20 Jahren, aber so etwas gab es noch nie.“
Kölner Veedel: Astrid (58) schildert unfassbare Situation
Man werde angepöbelt, angespuckt, wenn man zur Bahn runtergeht. „Wenn man am Friesenplatz in der Außengastro sitzt, wird neben dem Tisch gedealt und direkt konsumiert“, schildert sie.
Auch nach dem Besuch von Oberbürgermeister Torsten Burmester habe sich wenig an der Realität im Veedel geändert. Im Gegenteil, es werde immer schlimmer. Astrid: „Die angekündigten Kontrollen wirken wie ein Strohfeuer: Sobald Polizei oder Ordnungsamt abrücken, geht der Konsum nahtlos weiter.“
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„Das ist ein entsetzliches Bild. Hier wohnen so viele Familien und die Kinder haben Angst“, sagt die 58-Jährige. Kinder würden sogar von Lehrern an der Bahn abgeholt und zur Schule begleitet.
Astrid selbst wohnt an der Brüsseler Straße. „Gestern war meine Tochter mit Freundinnen unterwegs und rief mich in der Nacht an, weil sie unser Tor nicht aufschließen konnte. Da saßen zwei stark alkoholisierte Männer vor, die herumgrölten und Drogen konsumierten“, erzählt sie.

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Blick am Dienstag (18. August 2026) aus dem Fenster: Direkt an einem Haus im Belgischen Viertel konsumiert ein Mann Drogen.
Ihre Tochter würde nach ähnlich schlimmen Begegnungen auch nicht mehr mit der Bahn, sondern nur noch mit dem Fahrrad fahren. Astrid: „Nicht nur unsere Kinder, auch wir Frauen haben hier Angst.“
Die Situation belaste Anwohner, Gewerbetreibende und Veedelsbesucher enorm. Die 58-Jährige: „Wir hatten Besuch von Freunden aus Mainz, die waren geschockt. Das kann es doch nicht sein. Irgendwann ist der Friesenplatz verloren.“
Sie habe bereits an die Beschwerdestelle und ans Ordnungsamt geschrieben. „Wie viele andere auch“, sagt sie frustriert und fordert: „Es braucht dauerhafte, spürbare und schnelle Maßnahmen und keine reinen Momentaufnahmen für die Öffentlichkeit.“
Dieter R. (77): „Die ersten Eindrücke waren grausam“
Dieter R. (77), in Köln großgeworden und in den 70ern bei den Kölner Haien aktiv, ist erst vor wenigen Wochen aus Brauweiler zurück in seine Heimatstadt gezogen. Die Wahl fiel aufs Belgische Viertel. Das sei eigentlich so toll, habe tagsüber Pariser Flair, schwärmt er. Doch gleich kam der erste Schock. „Wir hatten uns gesagt, wir wollen wieder unter Menschen, aber die ersten Eindrücke waren grausam. Ich bin zur Post gegangen – absoluter Hammer, die setzen sich zwischen die Autos und entleeren sich. Einer lief mit offener Hose über die Straße und urinierte im Gehen.“
Über die Situation am Friesenplatz ist er fassungslos, berichtet von Anpöbelungen an der Ampel, Menschen, die in Hauseingängen liegen oder in Parkhäusern herumschleichen. Zuletzt schilderte der Mitinhaber einer dortigen Psychotherapie-Praxis, dass Patienten angepöbelt, bedroht und aggressiv angegangen würden.
„Meine Frau hat fürchterliche Angst - sie wüsste nie, ob sich jemand in der Tiefgarage versteckt“, erzählt Dieter R. und fügt nachdenklich hinzu: „Es sind arme Menschen, aber so viele auf einen Schlag. Am Neumarkt will man sie loshaben und schickt sie weg, ohne eine Idee zu haben.“
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