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Interview

„Größenwahn gehört in Köln dazu“Sänger will als „kölscher Ed Sheeran“ durchstarten

Philipp Godart posiert mit seiner Gitarre.

Copyright: Dirk Loerper

Ein Mann und eine Gitarre. Philipp Godart möchte sich gegen die zahlreichen kölschen Bands auch alleine durchsetzen.

Philipp Godart steht stets alleine und nur mit seiner Gitarre auf der Bühne. Angefangen hat er mit Covermusik. Inzwischen singt er nur noch eigene Titel. Kölschpop nennt der „kölsche Ed Sheeran“ seine Musik.

Eine Stimme und eine Gitarre. Philipp Godart ist Sänger und Songschreiber und macht seit zwei Jahrzehnten moderne Popmusik op Kölsch. Anfang September erscheint seine neue Single „Kölschpop (Mer han Bock drop)“.

Auf der Bühne wird der Musiker gern als „kölscher Ed Sheeran“ begrüßt. Im EXPRESS.de-Interview spricht Godart darüber, wie alles begann, dass Einzelkünstler es in Köln nicht einfach haben und kölsche Musik viel mehr als Karnevalsmusik sei.

Philipp Godart: Seit 20 Jahren lebt er von seiner Musik

Du kannst seit 2006 von deiner Musik leben. Wie fing alles an?

Philipp Godart: Mit zehn Jahren gründete ich meine erste Band „No Panic on the Titanic“. Rückblickend war der Name professioneller als das, was wir gespielt haben. Mein Sandkastenfreund Alexander haute mit zwei Lego-Duplo-Stangen auf Schuhkartons und eine Persiltrommel und hatte meine Gitarre. Ich sag’ mal so: Die Familie und die Nachbarschaft kamen zu unseren wöchentlichen Konzerten.

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Wie kam es zum Begriff „kölscher Ed Sheeran“?

Philipp Godart: Das war schon etwas Besonderes, als ich das erste Mal so angekündigt wurde. Ich weiß bis heute nicht, wie der Sitzungsleiter darauf kam. Aber sofort gingen die Vergleiche und Zwischenrufe los: „Dä es jo jar nit fuss.“ Mittlerweile werde ich fast überall so angekündigt. Geändert habe ich meinen Musikstil dafür aber nicht. Ich baue meine Lieder wie Popsongs auf, nutze live auch eine Loopstation und stelle Gitarren und Gesang in den Mittelpunkt. Aber ich bin kein Ed-Sheeran-Imitator. Wenn Ed Sheeran englischen Singer-Songwriter-Pop macht, dann mache ich eben moderne Popmusik op kölsche Aat. Und ein klein wenig Größenwahn gehört in Köln bekanntlich dazu.

Philipp Godart beim Auftritt auf dem Jeckliner.

Copyright: Kay-Uwe Fischer

Philipp Godart ist viele Jahre auf dem Jeckliner dabei gewesen. Dort entstanden auch seine ersten eigenen Songs.

Was sagt der echte Ed Sheeran zu deinen Songs?

Philipp Godart: Bislang noch nichts – ich vermute, sein Kölsch ist bisher nicht gut genug. Aber die Einladung steht: Ed, wenn du das liest, komm vorbei. Ich habe ein Studio in Köln, zwei Gitarren und kalte Getränke. Dann machen wir aus „Perfect“ vielleicht „Perfek“. Im Ernst: Ich sehe den Vergleich auch mit einem Schmunzeln und würde mich nie mit dem „echten“ Ed vergleichen. Was ich an ihm bewundere, ist die Konsequenz, mit der er gezeigt hat, dass ein einzelner Songwriter mit Gitarre riesige Bühnen füllen kann. Das möchte ich in Köln und im Karneval ebenfalls unter Beweis stellen: Es braucht nicht immer eine Band. Sollte er eines Tages einen meiner Songs hören und mögen, würde ich mich natürlich sehr freuen.

Du sagst, dass Covern für dich Geschichte ist und du ausschließlich mit eigenen Songs auf der Bühne stehst. Wie kam es zu dem Entschluss?

Philipp Godart: Ich habe viele Jahre lang Coversongs gespielt – in Bands, auf Kreuzfahrtschiffen und auch im Karneval. Diese Zeit war wichtig für mich. Man lernt dabei unglaublich viel. Eines Tages habe ich aber gemerkt, dass ich auf der Bühne nicht länger die Lieder anderer singen möchte. Spätestens auf dem ersten Jeckliner 2019, auf dem ich als Coverkünstler mitgefahren bin und diese tolle Atmosphäre mit all den Kollegen erlebt habe, fasste ich den Entschluss. Noch an Bord schrieb ich in meiner Kabine die ersten vier eigenen Songs.

So einfach mit dem Covern aufhören ist aber nicht so leicht, vor allem, wenn man damit bereits gut gebucht ist und davon lebt. Wenn man den Leuten dann sagt: „Ich singe nur noch meine eigenen Songs“, sind sie zunächst einmal gar nicht begeistert. Also habe ich das Covern sukzessive zurückgeschraubt und immer mehr eigene Songs zwischen die Covertitel gestreut, was auch nicht die Lösung war. Nach der letzten Session habe ich mich entschieden, keine Covershows mehr anzunehmen.

Philipp Godart posiert mit seiner Gitarre.

Copyright: Dirk Loerper

Philipp Godart singt bei seinen Auftritten ab jetzt nur noch eigene Titel.

Sich als Einzelkünstler gegen die kölschen Bands zu behaupten, ist nicht gerade einfach. Wie schwer ist der Weg?

Philipp Godart: Sehr schwer. Mehrere Menschen auf der Bühne erzeugen sofort Bewegung, Bilder und Druck. Ich muss einen Saal alleine mit meiner Stimme, meiner Gitarre und meinen Songs erreichen. Ich erlebe, dass viele sich das nicht so vorstellen können. Die häufigste Frage lautet: „Wiesu häs do keine Band?“ Zum einen möchte ich nicht die x-te Karnevalsband sein, sondern meine eigene Schublade besetzen. Ich habe in den vergangenen zwei Jahren daran gearbeitet, im Kleinen janz höösch als auch auf den großen Bühnen zu bestehen. Als Start meiner neuen „eigenen“ Schublade erscheint Anfang September meine neue Single „Kölschpop (Mer han Bock drop)“.

Die großen Bands wie Kasalla, Höhner, Cat Ballou oder Brings zeigen, dass kölsche Musik weit mehr als Karnevalsmusik ist und deutschlandweit Erfolg haben kann. Wie siehst du das?

Philipp Godart: Sie zeigen, dass Dialekt keine Grenze sein muss. Wenn Gefühl, Melodie und Energie stimmen, verstehen Menschen einen Song oft schon lange, bevor sie jedes einzelne Wort übersetzen können. Kölsch ist für mich ohnehin nicht nur eine Sprache, sondern eine Haltung: offen, herzlich, manchmal ein wenig bekloppt, aber nie gleichgültig. Das versteht man auch außerhalb Kölns. Ich glaube deshalb, dass in der kölschen Musik noch sehr viel Potenzial steckt. Sie darf ihre Tradition bewahren und sich trotzdem musikalisch, inhaltlich und in der Art ihrer Präsentation weiterentwickeln. Mit Kölschpop möchte ich genau dieses Denken weiter befeuern: kölsche Musik als Alltagsmusik, als Popmusik zu begreifen.

Wo stehst du heute als Musiker und wie sieht die Zukunft aus?

Philipp Godart: Seit 2019 schreibe und singe ich auf Kölsch. Mit Liedern wie „Iwig“, „Et bliev esu“, „Su wie Jana“, „Souvenir“ oder „Alles es jot“ ist schrittweise mein eigener musikalischer Kosmos entstanden. Mein Album und mein Liveprogramm „Mi Levve im Loop“ bringen genau das zusammen. Ich möchte nicht nur während der Karnevalssession stattfinden, sondern das ganze Jahr über als Künstler wahrgenommen werden.

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