Ramon Ademes ist Türsteher in Köln. Er hat schon einiges erlebt. Gegenüber EXPRESS.de packt er aus.
„Eine Ohrfeige gegeben“Kölner Türsteher packt aus – so lief sein erstes Mal

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Er kennt die Kneipen- und Clubszene in Köln wie kein anderer. Ramon Ademes ist einer der bekanntesten Türsteher in Deutschland.
Zeitweise betreute er mit seiner Sicherheitsfirma mehr als 15 Discotheken in Köln. Ramon, seit den 90ern an Türen und in Clubs unterwegs, zeichnet im Gespräch mit EXPRESS.de das Bild einer Szene, die sich über Jahrzehnte spürbar verändert hat: von der ersten kleinen Disco-Erfahrung bis zur Gegenwart auf den Ringen.
Die erste Tür: „Da wusste ich gar nicht, wie ich reagieren sollte“
Ramon erinnert sich an sein erstes Mal – als 18-Jähriger heuerte er im „Fame“ an. Eine Diskothek in Deutz, die es heute nicht mehr gibt. Es war sein erster Abend an der Tür, und der begann sofort mit Stress.
„Ich habe eine Gruppe nicht reingelassen. Einer fing Streit mit mir an und wurde tatsächlich handgreiflich. Ich wusste zuerst nicht, wie ich reagieren sollte, da es mein erster Abend an der Tür war. Ich habe mich verteidigt und ihm eine Ohrfeige gegeben, damit er weiß, wo der Hammer hängt“, erzählt Ramon.
„Dann rannte der auf einmal zum Auto und alle hinterher, wollten den festhalten. Die Chefin der Disco hatte in der Zeit schon die Polizei gerufen – die kam auch direkt. Beim Durchsuchen des Autos stellte sich heraus, dass der tatsächlich eine Knarre dabei hatte.“
Für Ramon war das eine frühe Lektion darin, wie schnell eine scheinbar normale Türsituation kippen kann.
Wiener-Steffi-Ära: Dresscode, Anzug – und eine Tür als Visitenkarte
Eine der prägenden Türsteher-Stationen für Ramon war das „Wiener Steffi“. Dort habe es in den 90er-Jahren klare Anforderungen gegeben: Anzug, schicke Schuhe – und auch die Gäste mussten optisch ins Konzept passen. „Mit Jeans“ sei man nicht reingekommen, erzählt er, das sei „absolut tabu“ gewesen.
Vor allem aber beschreibt Ramon, wie sich die Auslastung der Läden verändert hat: Als er begann, sei die „Steffi“ eher leer gewesen – dann wuchs der Durchlauf massiv. Er spricht von 900 Gästen am Abend, später von Zahlen, die sich „wie Karneval“ angefühlt hätten, bis hin zu 2000 oder 3000 Personen Durchlauf an einem Abend.
Ramon macht einen deutlichen Unterschied zwischen früher und heute fest. Früher sei es zwar auch zu körperlichen Auseinandersetzungen gekommen, aber der Konflikt habe eine andere Dynamik gehabt. Er schildert es zugespitzt: „Man hat sich geprügelt und danach hat man sich oft die Hand gegeben.“

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Türsteher Ramon Ademes bei der Arbeit
Das ist für ihn der zentrale Unterschied: Nicht, dass es früher harmlos gewesen wäre – aber eine Schlägerei sei weniger extrem eskaliert.
Heute, sagt Ramon, reiche manchmal schon ein „Du kommst nicht rein“, um eine Eskalation auszulösen. Er beschreibt ein Muster, das er als typisch empfindet: „Wenn jemand abgewiesen wird, wird telefoniert – und kurz darauf stehen auf einmal 20 Mann vor der Tür, um Druck zu machen.“
Die große Zeit: E-Werk und Schlangen „Kilometer“
Als in Köln die ersten Großraumclubs kamen, war Ramon mittendrin. Er nennt das E-Werk als prägende Station und beschreibt eine Dimension, die heute für viele unvorstellbar wirkt: ewig lange Schlangen, die selbst um drei Uhr nachts noch standen. Der Laden sei immer voll gewesen, viele hätten es gar nicht mehr reingeschafft.
Ramon erzählt auch, wie sich die Branche strukturell verändert hat: Früher sei vieles über Bekannte gelaufen, „jeder kannte jemanden“. Später kamen Firmenmodelle, Training, professionelle Rekrutierung. Für ihn war das der Schritt in die Selbstständigkeit.
Gleichzeitig beschreibt er die Schattenseite der Professionalisierung: massiver Preisdruck. Veranstalter wollten weniger zahlen, Billiganbieter unterbieten sich, und Kontrolle gebe es aus seiner Sicht zu wenig.
Als Ramon zuletzt wieder nachts auf den Ringen war, war er irritiert. Sein Eindruck: Überall Gruppen, viel Rumstehen, aber nicht das alte Club-Gefühl.
Dazu kommt ein Thema, das viele Gastronomen kennen: Der Konsum verlagert sich nach draußen. Ramon sagt: „Die Leute trinken nicht im Club, sondern gehen raus zum Kiosk, trinken dort und gehen wieder rein.“
Die Folge: Gäste sind zwar da – aber der Umsatz bleibt nicht im Laden. Für Clubs ist das existenziell.
Kölner Türsteher: Das ist Ramon Ademes
Ramon Ademes ist ein echt kölsches Original, sang als Chorknabe im Dom, absolvierte eine Metzgerlehre und arbeitet seit seinem 18. Lebensjahr als Türsteher und Personenschützer.
Mit Eko Fresh nahm er den Song „Echt Kölsche Kraat“ auf, der ihn am Ballermann bekannt machte. Seit 2013 hat Ademes eine Nebenrolle als Koch in der Daily-Soap „Unter uns“.
