Tour de France Besondere Ehre für FC-Mitglied Politt – Sturz und Rückschlag für Führenden Vingegaard 

Nils Politt posiert mit der roten Startnummer und einem Strauß Blumen.

Nils Politt erarbeitete sich am 17. Juli 2022 die rote Startnummer.

15. Etappe bei der Tour de France und wieder einmal deutsche Ausreißer. Doch wie bislang gab es wieder keinen deutschen Etappensieg. Immerhin einen kleinen Trostpreis gibt es für Nils Politt.

Viel Quälerei und Herzblut, aber (fast) kein Ertrag: Die deutschen Radsport-Hoffnungen Nils Politt (28), Lennard Kämna (25) und Co. müssen trotz eines aufopferungsvollen Kampfes bei der Hitzeschlacht im Zentralmassiv am Sonntag (17. Juli 2022) weiter auf den ersehnten ersten Etappensieg warten. Am Montag gibt es beim ersehnten Ruhetag immerhin die Gelegenheit, die Akkus wieder aufzuladen.

Die 109. Tour de France hält allerdings noch kein Glück für die Deutschen bereit. Einen Tag nach dem verpassten Tageserfolg von Kämna scheiterte auch der Fluchtversuch seines Teamkollegen Politt von Bora-hansgrohe bei Temperaturen um die 40 Grad. Der aufopferungsvolle Kampf des FC-Mitglieds Politt wurde immerhin mit einer besonderen Geste gewürdigt.

Ehre für Politt: Rote Startnummer für nächste Etappe

Aufgrund der extremen Hitze wurden am Sonntag während des Rennens verschiedenste Vorkehrungen zum Schutz der Fahrer getroffen. Mithilfe der örtlichen Feuerwehrkräfte wurden Wassersprenger entlang der Strecke aufgestellt, um das Fahrerfeld und die Straßen abzukühlen. Zudem durften die Teamfahrzeuge auf den letzten zehn Kilometern vor dem Ziel Verpflegung reichen.

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Völlig unbeeindruckt von den brutalen Bedingungen griff Politt kurz nach dem Start umgehend an. Dem Fluchtversuch des deutschen Meisters folgten der Allrounder Wout von Aert (27) im Grünen Trikot und Frölich Honore (25). „Ich hatte gehofft, dass sich eine größere Gruppe bildet. Dann waren wir nur noch zu zweit, das war nicht unser Plan“, sagte Politt. Das Peloton verschärfte das Tempo, Politt und sein übrig gebliebener Mitstreiter Frölich Honore kämpften auf dem kochend heißen Asphalt verbissen – ohne Erfolg. Immerhin wurde Politt wurde aufgrund seiner starken Leistung zum kämpferischsten Fahrer des Tages gewählt – eine besondere Ehre für den gebürtigen Kölner und Mitglied des 1. FC Köln.

„Es war sehr, sehr heiß heute. Ich weiß nicht, wie viele Flaschen Wasser ich heute getrunken habe. Auf jeden Fall sehr viele“, sagte Politt. „Es war brutal. Wenn man bei der Abfahrt einen brennenden Wind auf der Haut spürt, dann weiß man, dass es wirklich heiß ist“, ergänzte Bora-Teamkollege Maximilian Schachmann (28) in der „ARD“: „Wir haben das Bestmögliche unternommen, es hat leider nicht geklappt. Wir sind mit unserer Fahrweise schon zufrieden. Man kann uns nicht vorwerfen, dass wir uns im Feld versteckt haben.“

Beim ersten Tour-Etappensieg des Belgiers Jasper Philipsen (24) nach 202,5 km von Rodez nach Carcassonne fehlten Politt, der im vergangenen Jahr in Nimes auf ähnlichem Terrain seinen ersten Tour-Tageserfolg gefeiert hatte, knapp 50 Kilometer. Zuvor war der Kölner auf der 15. Etappe bei grenzwertigen Witterungsbedingungen über drei Stunden gemeinsam mit dem Norweger Mikkel Frölich Honore unterwegs gewesen.

Kämna bislang glücklos – Geschke behält Bergtrikot

Am Samstag hatte Kämna im dritten Versuch zum dritten Mal den Tagessieg verpasst - der 25-Jährige landete als Ausreißer auf dem achten Rang. Den Etappensieg krallte sich der Australier Michael Matthews (31), der seinen vierten Karriere-Erfolg bei der Frankreich-Rundfahrt feierte.

Nach dem Drama auf der siebten Etappe, als ihm nur wenige Meter zum Sieg auf der Super Planche des Belles Filles gefehlt hatten, musste Kämna diesmal bereits einige Kilometer vor dem Ziel die anderen Topfahrer ziehen lassen – deutlich früher endete Politts Traum.

Vor dem Start hatte bereits festgestanden, dass der Berliner Simon Geschke (36) sein am vergangenen Sonntag erobertes Bergtrikot bis in den letzten Ruhetag der Frankreich-Rundfahrt am Montag tragen wird.

Sturz und zwei Helfer-Verluste für Führenden Vingegaard

Im Kampf um das Gelbe Trikot kassierten der Gesamtführende Jonas Vingegaard (25) und sein bislang so dominantes Team Jumbo-Visma einen Rückschlag: Knapp 60 km vor dem Ziel stürzte der Däne, kam jedoch mit dem Schrecken davon und konnte weiterfahren.

Zuvor war Vingegaards wichtiger Helfer Steven Kruijswijk (35) nach einem Sturz mit in einem Krankenwagen abtransportiert worden. Der frühere Tour-Zweite Primoz Roglic (32) war bereits vor der Etappe angeschlagen aus dem Rennen ausgestiegen. Jumbo-Visma stehen somit in der letzten Tour-Woche nur noch sechs Fahrer zur Verfügung.

„Ich hatte heute einen kleinen Sturz, aber mir geht es gut. Der Verlust von Steven und Primoz ist bei weitem die schlimmste Nachricht des Tages. Sie waren beide wichtige Teamkollegen für unsere Strategie für die Zukunft. Aber was auch immer passiert, wir werden weiter kämpfen“, sagte Vingegaard. (sid/sto)

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