Zoff um European Championships Zerstören Funktionäre den Traum von Athletinnen, Athleten und Fans? 

Jubel und Ehrenrunde: Die deutschen Frauen nach EM-Gold über 4 x 100 Meter.

Jubel über Gold: Gina Lückenkemper (r.) feiert mit Lisa Mayer und Alexandra Burghardt (l.) am 21. August 2022 den Staffel-Sieg bei der EM

Keine Frage, die European Championships in München waren ein großer Erfolg. Doch während so mancher schon von Olympia in Deutschland träumt, gibt es hinter den Kulissen Zoff um die nächste Multi-EM.

Die Begeisterung in Deutschland war riesig rund um die European Championships in München. In neun Sportarten (Beachvolleyball, Turnen, Kanu, Radsport, Klettern, Rudern, Tischtennis, Triathlon und Leichtathletik) wurde um Medaillen gekämpft.

Die Zuschauer erlebten ein entspanntes Sport-Highlight in München, das größte Event seit Olympia 1972. Vor Ort besuchten 1,2 Millionen Fans die Wettkämpfe. Der Eintritt war oft frei, 400.000 Karten wurden verkauft.

European Championships: Leichtathletik bald nicht mehr dabei?

Vor allem die Leichtathletik stach heraus und bescherte nicht nur vor Ort hohe Zuschauerzahlen. Vor dem TV fieberten am Sonntagabend (21. August 2022) 6,54 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer mit, als Gina Lückenkemper (25) mit der deutschen Frauen-Staffel Gold über 4 x 100 Meter gewann.

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Im Schnitt waren 5,12 Millionen (Marktanteil 21,0 Prozent) bei den Entscheidungen im Olympiastadion dabei. Auch das Schwimmen, wo die Wettkämpfe in Rom ausgetragen wurden, sorgte für gute Einschaltquoten.

„Die Resonanz auf die European Championships und die Schwimm-EM in Rom haben unsere Erwartungen übertroffen. Wir sind hochzufrieden, dass sich unser Einsatz gelohnt hat und die kleineren Sportarten die große Bühne genutzt haben, um sich einem Millionenpublikum zu präsentieren. Bemerkenswert ist, dass auch jüngere Zuschauer das TV- und Online-Angebot in großer Zahl angenommen haben“, sagte ZDF-Sportchef Thomas Fuhrmann (56). 

Die European Championships: ein Format mit Zukunft? Die Sportlerinnen und Sportler finden ja. Lückenkemper bejubelte die Stimmung: „Einfach nur geil!“

Multi-EM: Leichtathletik will mehr Sendezeit

Doch hinter den Kulissen gibt es jedenfalls schon Zoff. Zerstören Funktionäre den Traum von Athletinnen, Athleten und Fans? Die Leichtathleten wollen offenbar künftig nicht mehr dabei sein, denn es geht im Hintergrund um Macht und Geld. 

Ähnlich ist es beim Schwimmen. 2018 in Glasgow war die Sportart noch dabei, jetzt wurde eine EM in Rom ausgetragen. „Das wäre toll, wenn Schwimmen sich da wieder integrieren könnte“, so Bundestrainer Bernd Berkhahn (51) bei der EM in Rom. Doch die großen Verbände täten sich schwer: „Weil dann ja auch ein bisschen was von der Macht verloren geht“, so Berkhahn.

Die nächsten European Championships sollen 2026 stattfinden. Es gäbe schon einige Interessenten, sagte Co-Direktor Marc Jörg dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Als Kandidaten für die Ausrichtung 2026 gelten Birmingham und Budapest.

Die Veranstalter planen laut Jörg weiter mit den neun Sportarten aus München. Doch ein dickes Fragezeichen steht hinter der Leichtathletik. Zahlreiche Funktionäre wollen aus dem Format aussteigen, weil sie sich nicht in den Zeitplan einer Multi-EM integrieren wollen. Sie hoffen, mit einer eigenen EM auf mehr und bessere Sendezeiten, ohne Kompromisse eingehen zu müssen. 

2024 steht sowieso erstmal eine alleinige Leichtathletik-EM in Rom (7. bis 12. Juni) an. Dann folgen die Olympischen Sommerspiele in Paris (26. Juli bis 11. August).

Danach geht der Blick dann wieder Richtung Multi-EM 2026. „Sobald die Ausrichterstadt feststeht, werden wir uns im europäischen Verband mit der Frage auseinandersetzen“, so Jürgen Kessing (65), Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes und Council-Mitglied im europäischen Verband EA. Er sagt, dass „die Diskussion völlig offen“ sei.

Para-Sportlerinnen und -sportler enttäuscht nach EM in München

Doch die TV-Zeiten sind nicht der einzige Grund für Zoff hinter den Kulissen. Auch die Para-Athletinnen und -Athleten sowie die Organisationen sind nach dem Event in München nicht zufrieden.

Friedhelm Julius Beucher (76), Präsident des Deutschen Behindertensportverbandes (DBS) schimpfte, dass Para-Wettbewerbe nur vereinzelt beim Kanu und Rudern integriert wurden. Die Wettbewerbe seinen „nur als Inklusions-Alibi“ durchgeführt worden, so Beucher im Deutschlandfunk.

In der Leichtathletik gab es keine Para-Wettbewerbe. Beucher schüttelt den Kopf: „Da hätte man die Faszination des Parasports hervorragend unterbringen können. Man hat schlichtweg gesagt: Es passt nicht da rein!“

Der neue DBS-Generalsekretär Stefan Kiefer sagte am Montag (22. August 2022) in einer Verbandsmitteilung: „Es war ein schönes Signal, dass erstmals zwei Para-Sportarten Bestandteil der European Championships waren und der Veranstaltung damit einen inklusiven Anstrich verliehen haben. Die Berichterstattung hatte jedoch leider größtenteils einen exklusiven Charakter.“ Es habe an „Nicht-Berücksichtigung“ gegrenzt und „ist weit davon entfernt, was ich mir unter einer angemessenen Berichterstattung vorstelle“. (ubo)

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