Kommentar zur EM Medaillenspiegel, Fair Play & Herzlichkeit: Das schreit nach Olympia in Deutschland

Gina Lückenkemper macht mit den Fans La-Ola. Sanitäter versorgen dabei ihre Wunde.

Gina Lückenkemper muss nach ihrem Sieg im 100-Meter-Finale bei der EM in München (16. August 2022) am Bein medizinisch versorgt werden. Sie feiert trotzdem ausgiebig mit den Fans im Stadion.

Was waren das für herrliche Szenen aus München! Bei der Europameisterschaft schwappte die pure gute Laune in die Wohnzimmer zu den Fans vor den Fernsehern.

Die Multi-Europameisterschaft in München ist seit Sonntagabend, 22. August 2022, zu Ende. Die Bilder aus München begeisterten die Massen. Vor allem die deutschen Leichtathletinnen und Leichtathleten sorgten für pure Freude. Der Sport zeigt sich insgesamt von seiner schönsten Seite – das schreit nach Olympia in Deutschland, meint unser Autor in seinem Kommentar.

40.000 begeisterte Zuschauer feierten im Münchner Olympiastadion – und die letzten Wettkämpfe der Leichtathletik-EM verfolgten am Sonntagabend im Durchschnitt 5,119 Millionen Menschen (Marktanteil: 21 Prozent).

Dass Deutschland am Ende der European Championschips im Medaillenspiegel ganz oben steht, war die Sahne auf der Torte. 60 Medaillen gab es, darunter 26 Goldmedaillen, 20 Silbermedaillen und 14-Bronzemedaillen. Zweiter wurde Großbritannien (24/19/17) vor Italien (14/18/19) sowie Frankreich (11/17/22).

Und Deutschland hat jetzt eine neue Leichtathletik-Heldin: Gina Lückenkemper strahlte übers ganze Gesicht nach ihrem Doppelgold über 100 Meter und zum Abschluss mit der 4 x 100 Meter Staffel. 

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Wie klasse sie die Stimmung fand, verdeutlichte eine Szene nach ihrem Einzel-Gold. Während die Sanitäter ihr Bein versorgten, machte sie La-Ola mit den Fans. „Das Stadion ist der Wahnsinn, die Atmosphäre einfach unfassbar gut“, strahlte sie. Und nicht nur ihr Lachen wirkte ansteckend.

Leichtathletik-EM in München: Ein Abend für die Ewigkeit

Auch Zehnkämpfer Niklas Kaul sorgte für Gänsehautmomente. Vor den letzten beiden Disziplinen, Speerwurf und 1500 Meter, lag er auf Rang sieben. Dann drehte er auf und wurde Europameister. Die Stimmung im Stadion kochte über, ein Abend für die Ewigkeit. So eine Atmosphäre bei der Leichtathletik hat es selten gegeben.

Doch es gab nicht nur die Helden im Rampenlicht: Eine besondere Fair-Play-Geste sorgte für riesige Begeisterung. Beim Vorlauf über 3000 Meter Hindernis stoppte Nahuel Carabena aus Andorra, um dem bis dato führenden Dänen Vang Christensen nach einem Sturz zu helfen.

Er brachte ihn wieder auf die Beine, doch Christensen konnte den Lauf nicht fortsetzen. Carabena half seinem gestürzten Konkurrenten immerhin von der Laufbahn weg, der Fair-Play-Athlet verlor selber 30 Sekunden. Aber die Fans feierten ihn wie einen Sieger. Ist er ja auch.

Genau wie Arthur Abele, der mit 36 Jahren seinen letzten Zehnkampf für die deutsche Mannschaft absolvierte. Er wurde zunächst wegen eines angeblichen Fehlstarts disqualifiziert. Nach einem Protest durfte er den Lauf alleine nachholen. Die Hürden wurden extra für ihn nochmal aufgebaut.

Und was machten die Fans? Sie pilgerten im Stadion zu tausenden an die Laufstrecke und sorgten mit ihren Anfeuerungsrufen für den wohl herrlichsten Hürdenlauf in der Karriere von Abele. 

Keine Frage, der Sport zeigte sich von seiner schönsten Seite in München. Das schreit doch nach Olympia in Deutschland. Wir bewiesen in München einmal mehr, dass Deutschland ein hervorragender Gastgeber ist: farbenfroh, herzlich, weltoffen. 

Gastgeber München: Ist es Zeit für Olympia in Deutschland?

Kritiker zerreden Großevents wie Olympia im Vorfeld allzu gerne. Natürlich sind Profitgier und Korruption im Umfeld solcher Ereignisse anzuprangern und müssen bekämpft werden. Doch wenn man auf die schöne Seite des Sports schaut, sollte Deutschland sich einen Ruck geben.

Der selbstlos helfende Hindernisläufer aus Andorra, der niemals aufgebende Zehnkämpfer, die strahlende Gina, die trotz Verletzung ihren Sieg feiert und das Publikum, das keine Gegnerinnen und Gegner nieder pfeift, sondern alle anfeuert. All das ist für eine Gesellschaft Gold wert und sollte der Jugend als Vorbild und Orientierung dienen. All das ist mit Geld nicht zu bezahlen. 

Hinzu kam: Die Atmosphäre in der Stadt war ungezwungen. Nicht wie bei Winter-Olympia im russischen Sotschi 2014 oder einer anstehenden Fußball-WM in Katar. Egal ob beim BMX-fahren, Beachvolleyball, Turnen oder Tischtennis – die Fans erlebten ein entspanntes Sportfest in München. Sie besuchen die Sportstätten teilweise mit eigenem Picknick-Korb und müssen nicht das vom IOC vorgegebene Bier trinken.

Genau so sollte Olympia auch sein! Kein Kommerz, sondern Sport, Fair Play und Herzlichkeit – dann klappt es vielleicht auch mal wieder in Deutschland.

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