Nach Wimbledon-Entscheidung Tennis-Star Alexander Zverev sieht „keinen Grund“ für Ausschluss

Alexander Zverev bei der Pressekonferenz der BMW Open.

Zur Pressekonferenz vor dem ATP-Turnier in München erschien Tennis-Star Alexander Zverev am 22. April 2022 mit modischer Brille.

Tennis-Star Alexander Zverev hat wenig Verständnis für den Wimbledon-Ausschluss russischer und belarussischer Spieler. Werde so etwas zum Usus, würde „die Weltrangliste keinen Sinn mehr“ ergeben.

Das Thema geht Alexander Zverev (25) sehr nahe, das war deutlich zu spüren. Und zu hören. Der Ausschluss der russischen und belarussischen Profis vom wichtigsten Tennisturnier der Welt hat beim deutschen Olympiasieger großes Unverständnis hervorgerufen, nicht zuletzt, weil sein russischer Freund Andrej Rublew (24) davon betroffen ist.

Er sehe, „keinen Grund“, sagte Zverev am Freitag (22. April 2022) bei der Pressekonferenz vor den BMW Open in München, „warum sie nicht in Wimbledon spielen sollten“.

Tennis-Star Alexander Zverev: Davis-Cup-Ausschluss „absolut korrekt“

Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen, betonte Zverev drei Tage vor dem ATP-Turnier in München: Er halte es für „absolut korrekt“, wenn die Nationalmannschaften der Kriegstreiber von Wettbewerben ausgeschlossen werden, etwa im Davis Cup oder im Fußball. „Das ist etwas gegen Russland, das kann ich verstehen. Ich denke, dass wir alle gegen den Krieg sind. Was in der Ukraine passiert, ist unmenschlich, das darf nicht passieren.“

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Den „generellen“ Ausschluss von Einzelspielerinnen und -Spielern aus Russland und Belarus sieht Zverev dagegen eher kritisch: „Das finde ich nicht korrekt.“ Sein neun Jahre älterer Bruder und Manager Mischa Zverev (34) hatte im Spiegel versichert: „Ich kenne keinen einzigen Spieler, keine Spielerin, der oder die für diesen Krieg ist. Aber trotzdem werden sie jetzt bestraft. Etwas Positives wird das nicht bringen.“

Neben Zverev: Auch Djokovic und Billie-Jean King kritisieren Wimbeldon-Entscheidung

Die Zverevs sind mit ihrer Meinung nicht alleine. Der Weltranglistenerste Novak Djokovic (34) etwa bezeichnete den Schritt des unabhängigen All England Clubs als Herr über Wimbledon als „verrückt“. Die Profitennis-Organisationen WTA (Frauen) und ATP (Männer) verurteilen den Kriegstreiber Russland „aufs Schärfste“, halten jedoch den generellen Ausschluss der Einzelspieler für „diskriminierend“ und „zutiefst enttäuschend“.

Die Tennis-Ikone Billie-Jean King (78), nach der mittlerweile das weibliche Gegenstück zum Davis Cup benannt wird, hat ebenfalls mit deutlicher Kritik an den Organisatoren des wichtigsten der vier Grand Slams reagiert. Sie könne es „nicht unterstützen“, dass „einzelne Athleten“ von einem Turnier „allein wegen ihrer Nationalität“ ausgeschlossen würden. Die Tennisfamilie müsse zusammenstehen und sich auf die Hilfe für die Ukraine konzentrieren.

Tennis-Star Rublew empfindet Ausschluss als „Diskriminierung“

Wimbledon aber „macht eh, was es will“, sagte Zverev am Freitag achselzuckend. Ihm geht es nicht zuletzt um Rublew, „einer meiner engsten Freunde“. Der Weltranglisten-Achte, erklärte Zverev nach einem Gespräch der beiden, sei „bereit, Kompromisse einzugehen, er ist auch bereit, der Ukraine zu helfen, er ist bereit, gegen den Krieg anzugehen, er ist bereit, sein Preisgeld an die Ukraine zu schicken“.

Rublew nannte den Schritt des All England Clubs am Rande des Turniers in Belgrad als „komplette Diskriminierung“ – eine Haltung, die er auch in einem Gespräch mit den dort Verantwortlichen verdeutlichte. In seiner Position „und bei all dem Druck, den ich habe“, könne er doch gar keine richtigen Antworten geben, sagte er. Ja, ein Ausschluss ergebe für ihn Sinn, wenn dies auch nur minimal etwas am Krieg ändere: „Aber es wird nichts ändern.“

Ändern wird sich zumindest sportlich etwas, wie Zverev anmerkte: Sollten Spieler wie Daniil Medwedew (26) oder Rublew nicht in Wimbledon oder anderswo teilnehmen dürfen, ergibt auch „die Weltrangliste keinen Sinn mehr“. (sid)

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