Nach der Disqualifikation des Ukrainers Wladislaw Heraskewytsch bei Olympia hat IOC-Präsidentin Kirsty Coventry im TV-Interview geweint.
ZDF-Moderatorin fassungslosOlympia-Präsidentin weint nach Eklat im TV-Interview
Aktualisiert
Es war der emotionale Gipfel des größten Aufregers bei den Olympischen Winterspielen 2026: Der ukrainische Athlet Wladislaw Heraskewytsch ist wegen eines Gedenkhelms mit Porträts von im russischen Angriffskrieg getöteten Sportlern seines Landes disqualifiziert worden.
Das Internationale Olympische Komitee hatte „auf die Weigerung, sich an die Richtlinien des IOC zur Meinungsäußerung von Athleten zu halten“, reagiert, wie es in einer Stellungnahme hieß. Als Präsidentin Kirsty Coventry eine Stunde später dann persönlich Stellung nahm, kamen ihr die Tränen.
Olympia-Helm wegen politischer Symbole verboten
„Es geht nicht um die Botschaft, es geht nur um die Regeln und Vorgaben. In diesem Fall müssen wir in der Lage sein, ein sicheres Umfeld für alle sicherzustellen“, sagte Olympia-Chefin Coventry. Sie ist selbst ehemalige Athletin, holte im Schwimmen sieben Medaillen, darunter zweimal Gold.
„Traurigerweise heißt das, dass keine Botschaften erlaubt sind“, sagte sie über die Konsequenzen aus der Regle-Auslegung. Nach Angaben des IOC wurde Heraskewytsch die Akkreditierung für die Winterspiele entzogen.
„Was haben wir da gerade gesehen?“, fragte ZDF-Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein nach dem Ende des Interview-Einspielers fassungslos: „Sie ist in Tränen aufgelöst und quasi im Clinch mit ihren eigenen Regeln.“ Coventry hatte vom Gespräch mit dem Sportler berichtet, den sie trotz aller Vermittlungsversuche nicht zum Einlenken hatte bewegen können.
Heraskewytsch hatte zuvor angekündigt, seinen Gedenkhelm ungeachtet eines IOC-Verbots in einem Wettkampf tragen zu wollen. Coventry hatte am Donnerstagmorgen erneut mit Heraskewytsch gesprochen und versucht, ihn zu einem Sinneswandel zu bewegen, erklärte das IOC weiter.

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IOC-Präsidentin Kirsty Coventry kamen im TV-Interview zur Disqualifikation des Ukrainers Wladislaw Heraskewytsch die Tränen
Dem Sportler sei dabei „eine letzte Chance“ gegeben worden, seine Meinung zu ändern. Dies sei jedoch nicht geschehen. Der Skeleton-Fahrer hatte den Gedenkhelm während eines Trainings in Cortina d'Ampezzo auf und wollte ihn bei den Winterspielen weiterhin tragen, um an den seit bald vier Jahren andauernden russischen Angriffskrieg gegen sein Land zu erinnern.
Auf dem Helm sind Porträts ukrainischer Athleten zu sehen, die seit dem russischen Einmarsch in die Ukraine im Februar 2022 getötet wurden. IOC-Sprecher Mark Adams erklärte aber am Dienstag, dass der Helm gegen die Richtlinien zu „politischen Symbolen“ bei den Olympischen Spiele verstoße. Zugleich wolle das IOC eine Ausnahme machen und Heraskewytsch erlauben, eine schwarze Armbinde zu tragen.
Heraskewytsch war neben der Eisschnellläuferin Jelysaweta Sydorko der Fahnenträger seines Landes beim traditionellen Einlaufen der Mannschaften bei der Olympia-Eröffnung.
Bei Olympia sind politische Gesten an Wettkampfstätten oder auf dem Medaillenpodest verboten. Sportler dürfen jedoch ihre Meinung in Pressekonferenzen und in Onlinediensten äußern. (bc/afp)

