Dass Vizepräsident JD Vance bei den Olympischen Spielen ausgebuht wurde, kratze Elmar Theveßen zufolge am Ego der USA. Bei „Markus Lanz“ sprach der ZDF-Korrespondent auch über die schwindende Popularität der Regierung innerhalb Amerikas.
US-Experte wird bei Lanz deutlichGroßteil der Amerikaner findet, dass „Trump keine gute Politik macht“

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US-Experte Elmar Theveßen (rechts) war ins „Markus Lanz“-Studio zugeschaltet. (Bild: ZDF / Markus Hertrich)
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Es war ein intensiver Themenmix am Dienstagabend bei „Markus Lanz“. Elmar Theveßen kommentierte zu Beginn der Sendung unter anderem den Auftritt von US-Vizepräsident JD Vance bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Winterspiele in Mailand. Der Politiker wurde deutlich hörbar ausgepfiffen. „Das kratzt natürlich am Selbstbewusstsein Amerikas, das eigentlich immer den Anspruch hatte, rund um den Erdball geachtet zu werden“, so der Leiter des ZDF-Hauptstadtstudios in Washington.
Theveßen erinnerte an die Amtsantrittsrede von Donald Trump, der damals ein goldenes Zeitalter für Amerika angekündigt hatte. „Das Gegenteil scheint der Fall zu sein.“ Das entspreche aber auch der Stimmung im Land. Zwei Drittel der Amerikaner würden mittlerweile sagen, „dass Amerika auf dem falschen Weg ist und dass Donald Trump keine gute Politik macht.“
Christian Mölling: „Glaubt Putin, dass ein deutscher Bundeskanzler so eine Waffe einsetzen würde?“
Von Markus Lanz auf das Gerücht angesprochen, es gäbe einen Deal über zwölf Billiarden US-Dollar zwischen den USA und Russland, sagte der Journalist, man kenne im Grunde nur das „Preisschild“ von dem, was in den letzten Wochen durchgesickert sei.
Es zeichne sich ab, „dass man offenbar wieder Geschäfte machen will, in Teilen auf Rücken der Ukrainer und der Europäer“. Angesichts der drohenden Eskalation zwischen den USA und dem Iran sei es möglich, dass auf der anstehenden Münchner Sicherheitskonferenz alle Anwesenden „darüber diskutieren, was Donald Trump seit einem Jahr macht - nämlich die Welt nach seinem Willen zu gestalten“.
Einig war sich die Runde, dass Europa momentan in den Verhandlungen zwischen Trump und Putin zerrieben wird. Hinsichtlich eines stärkeren militärischen Selbstbewusstseins sah Militärexperte Christian Mölling noch großen Nachholbedarf in der EU.
Vor allem müsse man in Europa mehr zusammenstehen: „In dieser Phase, in der die Welt komplett neu gestaltet wird, hat man keine Gestaltungsmacht, wenn man sich ständig auseinanderdividiert.“

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Militärexperte Christian Mölling mahnte: „In dieser Phase, in der die Welt komplett neu gestaltet wird, hat man keine Gestaltungsmacht, wenn man sich ständig auseinanderdividiert.“ (Bild: ZDF / Markus Hertrich)
Ob eine etwaige atomare Aufrüstung speziell in Deutschland machbar wäre, bezweifelt Mölling. Dazu müsse man vor allem auch die Konsequenzen der Drohung durchdacht haben. „Im schlimmsten aller Fälle“ müsse man einem Gegner glaubhaft machen, „dass ich einen Atomkrieg gegen ihn führen würde“.
Die Frage sei auch: „Glaubt Putin, dass ein deutscher Bundeskanzler so eine Waffe einsetzen würde?“ Ohnehin müsse so eine Entscheidung in einem demokratischen Staat von der Bevölkerung erst mal mitgetragen werden. (tsch)

