Die Spiele werden am Freitagabend eröffnet, aber die große Euphorie fehlt.
Triste Spiele in ItalienWo bleibt die Olympia-Stimmung?
Endlich geht’s los: In Italien starten die Olympischen Winterspiele! Aber obwohl einige Wettbewerbe bereits vor dem offiziellen Startschuss stattfanden, ist von der riesigen Olympia-Sause noch nichts zu spüren.
Schon beim Frauen-Eishockey zeigte sich ein ernüchterndes Szenario: Die deutsche Mannschaft kassierte am Donnerstag eine Pleite gegen Schweden. Und der Austragungsort? Eine notdürftig hergerichtete Messehalle, deren Ränge nur spärlich besetzt waren.
Wo bleibt die Euphorie zum Olympia-Start?
Selbst die kräftigen Anfeuerungsrufe der mitgereisten deutschen Anhänger verpufften da fast wirkungslos. Die Atmosphäre ist mau, was auch die beiden Berliner Tobias und Thomas im Fan-Trikot bestätigen.
„Wir sind ehrlich gesagt vom Großen und Ganzen eher enttäuscht als erfreut“, sagt einer von ihnen. Es sei zwar nur die erste Partie gewesen, aber der Traum vom unvergesslichen Olympia-Abenteuer ist schon jetzt getrübt. Eine Schar von Freiwilligen aus Deutschland, die im Publikum saß, meint ebenfalls: „Also es könnten schon ein bisschen mehr Zuschauer sein.“ Das berichtet „tagesschau.de“.
Doch nicht nur in der Halle, selbst in der Millionenstadt Mailand sucht man die große Olympia-Euphorie vergebens. Sicher, am Bahnhof prangt ein wenig Reklame und in der U-Bahn findet man Wegweiser, doch ansonsten spaziert man durch die City, als wäre nichts. Nur die dauernden Straßensperren wegen des Fackellaufs oder der Vorbereitungen für die Eröffnungszeremonie erregen Aufmerksamkeit – und sorgen bei so manchem für Frust.
Die Einwohner Mailands kennen sich mit Großveranstaltungen zwar aus, aber von echter Freude kann keine Rede sein. Die meisten zeigen sich alles andere als begeistert. „Die Stadt wird komplett lahmgelegt“, beschwert sich die Mailänderin Maria Pia, gibt aber zu: „Der Versuch, international zu werden, ist ja erst mal nicht schlecht.“ Pietro hingegen sieht die Sache anders: „Ich bin sehr zufrieden. Die Spiele schaffen viele Arbeitsplätze, es ist was los hier, sie bringen viele Touristen.“
Bereits im Vorhinein bestanden Zweifel, ob das Land für die Wettkämpfe wirklich gewappnet ist, weil sich die Fertigstellung mancher Austragungsorte hinzog. Letztendlich ist zwar alles fertig geworden, aber eben nur so lala. In der riesigen Eishalle Arena Santagiulia finden zwar Partien statt, aber sie hat immer noch den Charme einer Baustelle. Und der Sessellift, der zur Bobbahn in Cortina führt, läuft ebenfalls noch nicht.
Und dann sind da noch die zahlreichen Straßen in Norditalien, deren Ausbau für die Spiele geplant war. Ein heikles Thema, denn bei diesen „verstreuten Spielen“ (italienisch: „Giochi diffusi“) liegen die verschiedenen Wettkampfstätten mitunter eine fünfstündige Fahrt auseinander. Aus diesem Grund gibt es zum ersten Mal in der Olympia-Historie auch zwei olympische Flammen: eine lodert in Mailand, die andere in Cortina.
Für den Journalisten Beppe Severgnini aus Mailand, ein Veteran der Olympia-Berichterstattung, ist seine Stadt dennoch keine verkehrte Wahl. Zwar sei Mailand eine „ungewöhnliche Mischung“ für Winter-Events, weil die Gebirge nur am Horizont zu sehen sind.
Doch die Metropole besitze „den nötigen Willen, die Begeisterung und eventuell auch das Geld, um dieses Projekt zu wuppen“. Ob sich dadurch auch die olympische Magie verbreitet, wird sich zeigen müssen. Aber womöglich läuft es wie so häufig in Italien: Eine gelungene Eröffnungszeremonie und der erste Triumph für die Gastgebernation könnten die Atmosphäre schlagartig zum Brodeln bringen. (red)
Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.


