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Diskussion um Doppel-Silber„Die Schwedin Emma holt Silber – tritt aber für Deutschland an“

Emma Aicher reißt die Augen weit auf.

Emma Aicher holte bei Olympia schon zwei Silbermedaillen für Deutschland.

Emma Aicher greift nach der nächsten Medaille. Auch in Schweden wird mitgefiebert – mit einem weinenden Auge. Und das aus gutem Grund.

Auch die zweite Silber-Feier verlief so ganz nach dem Geschmack von Emma Aicher. Zu bayerischer Blasmusik genehmigte sich Deutschlands Ski-Shootingstar Aperol Spritz und Bier.

Gemeinsam mit der glückseligen und geradezu unendlich dankbaren Kombi-Partnerin Kira Weidle-Winkelmann ließ es das Multitalent im Deutschen Haus in Cortina d'Ampezzo ein weiteres Mal ordentlich krachen. Wiederholung am Donnerstag nach dem Super-G (11.30 Uhr/ZDF und Eurosport) keineswegs ausgeschlossen.

Emma Aicher: In Schweden geboren, Medaillen für Deutschland

Es gibt allerdings auch Menschen, die ob der Erfolge von Aicher ein wenig traurig sind. „Die Schwedin Emma holt Silber – tritt aber für Deutschland an“, kommentierte das schwedische Boulevardblatt Expressen die Erfolge der verlorenen Tochter.

Da schwingt viel Wehmut mit: Aicher wurde in Schweden geboren, hat eine schwedische Mutter und besuchte das Skigymnasium in Järpen östlich von Are. Im Sommer 2020 wechselte sie zum deutschen Verband, der ihr Talent offenbar besser einschätzte als der schwedische.

In Schweden bestand deshalb der Bedarf nach Aufklärung, der Sender TV4 hakte nach. Aicher erklärte: „Ich bin in Sundsvall aufgewachsen. Das ist mein Zuhause, aber mein Vater ist Deutscher und wir wollten die Möglichkeiten in Deutschland 2020 erkunden. Dann ging alles sehr schnell.“

Nach Abfahrtssilber nutzte sie gleich die Gelegenheit, in fließendem Schwedisch live im schwedischen TV den „Morfar“, den Großvater mütterlicherseits, und den Sundsvall Slalom-Klub zu grüßen.

Mutter Viktoria Lindstrand Munkby hat mit dem Wechsel der Tochter ins Land von Vater Andreas Aicher keine Probleme. „Sie bekam ein Angebot mit fantastischen Möglichkeiten in Deutschland“, sagte sie, „das war eine unglaubliche Chance für Emma.“

Bei Rennen steht die Mutter nun mit ihrem Lebensgefährten im Zielraum – mit selbst angefertigten schwarzen Mützen: rechts ist die schwedische Fahne aufgenäht, links die deutsche, die Mutter hat ein „E“ vorne drauf, der „Bonus-Papa“ (Expressen) Fredrik ein „A“.

Emma Aicher: „Ich habe dort noch viele Freunde und Familie“

Die Unterstützung ist nicht auf die Fans vor Ort beschränkt. Sie spüre sie auch aus Schweden, sagt Aicher. „Ich habe dort noch viele Freunde und Familie“, mindestens einmal im Jahr fährt sie hoch in den Norden. Das freut dann auch Mutter Viktoria. „Ich denke nicht besonders viel darüber nach, dass eine andere Flagge auf ihrem Rennanzug ist“, sagte sie. Aber „dass sie die ganze Zeit so weit weg ist“, das sei schon schade.

Zur Zeit ist die Mutter der Tochter so nahe wie selten – auch am Donnerstag, wenn Emma Aicher beim Super-G erneut zum großen Kreis der Anwärterinnen auf eine Medaille gehört, werden „E“ und „A“ wieder im Zielraum stehen. Vater Andreas selbstverständlich auch. (sid)

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