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„Das ist die große Frage“Deutscher Teamarzt widerspricht Kritikern von Lindsey Vonn

Aktualisiert

Was steht Vonn nach der Schienbeinverletzung nun bevor? Ein deutscher Teamarzt gibt seine Einschätzung ab und glaubt nicht an einen direkten Zusammenhang mit Vonns Sturz und ihrer Vorverletzung.

Trotz der komplexen Schienbeinverletzung wird Ski-Star Lindsey Vonn nach Einschätzung des erfahrenen Sportmediziners Manuel Köhne voraussichtlich vollständig genesen.

Der Orthopäde und Unfallchirurg lobte die schnelle Behandlung der Amerikanerin nach deren Sturz vom Sonntag bei der Olympia-Abfahrt in Cortina d'Ampezzo.

DSV-Arzt Köhne: „Die große Frage ist, was das mit einem macht“

„Bei Schienbeinbrüchen zählen die ersten Stunden. Und da hat die Versorgung von Lindsey Vonn in meinen Augen wunderbar geklappt. Sie wurde noch am selben Tag operiert“, sagte Köhne der Deutschen Presse-Agentur und prognostizierte: „Das heißt, dass die Voraussetzungen gut sind, dass sie trotz dieser Fraktur später wieder ein normales Leben führen kann.“

Weil die 41-Jährige sich schon vor Olympia das Kreuzband im linken Knie gerissen hat, steht auch dort eine Operation an. „Normalerweise wird zunächst die Fraktur behandelt, bis diese stabil verheilt ist und alle Weichteile um den Knochen wieder gesund sind“, sagte Köhne. „Erst dann würde ich mich als behandelnder Arzt um eine Operation des gerissenen Kreuzbandes kümmern, sofern das Knie instabil ist.“

Zur Frage, inwieweit die Verletzungen zusammenhängen, vermutete der Mannschaftsarzt des Deutschen Skiverbandes (DSV): „Die Schienbeinverletzung hat meiner Meinung nach nicht unmittelbar am verletzten Kreuzband gelegen.“ Diesen Zusammenhang hatten Kritiker nach dem Sturz in den sozialen Netzwerken häufiger hergestellt.

Die Vorverletzung sei aber nicht der Grund für den Sturz gewesen, ist sich Köhne sicher. „Die große Frage ist aber, was das mit einem macht, wenn man vorverletzt in Grenzsituationen kommt. Ob man sich dann anders verhält als eine Sportlerin mit gesundem Knie“, so der DSV-Arzt.

Lindsey Vonn muss mit „acht bis zehn Monaten Pause“ rechnen

Vonn war nach ihrem Unfall im gut 100 Kilometer entfernten Treviso operiert worden. Sie teilte im Anschluss mit, dass sie einen komplexen Bruch des Schienbeins erlitten habe, der mehrere Operationen erfordere. Medien hatten zuletzt bereits von zwei erfolgten Eingriffen berichtet.

„Wenn es stimmt, dass schon zwei Operationen durchgeführt wurden, spricht das dafür, dass innerhalb der Stunden nach der Verletzung der Druck im Gewebe durch die Schwellung zu sehr gestiegen war. Dann musste durch eine operative Spaltung einiger Bindegewebehüllen, also Faszien, der Druck reduziert werden“, schilderte Köhne.

Er habe keine medizinischen Akten oder Röntgenbilder von Vonn gesehen, schilderte aber, dass Schienbeinverletzungen sehr häufig im Skisport seien, auch bei Freizeitathleten. „In Notaufnahmen in der Nähe von Skigebieten weltweit kommen fast täglich solche Verletzungen rein.“

Nicht bestätigt war, wo Vonns Schienbein gebrochen ist, ob am Schaft oder beim Schienbeinkopf. Bei komplizierten Brüchen werde ein sogenannter Fixateur angelegt. „Dank diesem äußeren Metallgestell mit verbundenen Stiften im Knochen kann das Bein in der ersten Phase ruhig gestellt werden“, sagte Köhne.

Der Arzt erklärte: „In der Unfallmedizin rechnet man bei komplexen Schienbeinbrüchen mit acht bis zehn Monaten Pause, ehe Sportler wieder auf Schnee gehen.“ Vonn hatte bereits vor Olympia angekündigt, dass sie spätestens nach dieser Saison ihre Karriere beendet hätte. (red/dpa)

Lena Kesting und Severin Freund bei einer ZDF-Übertragung von der Olympia-Schanze in Predazzo.

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