Ihr Leben wurde auf den Kopf gestellt. Doch Kathrin Marchand aus Köln kämpfte sich zurück. Nach Olympia will sie jetzt bei den Winter-Paralympics eine Sensation schaffen – und wird zur Ikone.
Nach SchicksalsschlagKölner Ärztin schreibt Sport-Geschichte
Aktualisiert
Die 35-jährige Kathrin Marchand hat ihr Outfit für den großen Moment bereits ausgewählt: Aufgrund der milden Temperaturen in Italien wurde ihr Rennanzug extra gekürzt.
Am Dienstag (10. März 2026) betritt die Frau aus Köln die Loipe im klassischen Skilanglauf – mit knielanger Hose und Kurzarmshirt. Damit schafft sie etwas Einmaliges: Sie ist die erste Sportlerin, die an Olympischen Spielen sowie an den Paralympischen Sommer- und Winterspielen teilgenommen hat.
Vom Olympia-Traum zum harten Schicksal
„Ich möchte zeigen, dass man viel erreichen kann, wenn man den Willen dazu hat und an seine Träume glaubt“, erklärt Marchand gegenüber der Deutschen Presse-Agentur.
Ihre sportliche Laufbahn ist unglaublich. Zweimal nahm sie als Ruderin an Olympischen Spielen teil: 2012 in London und vier Jahre später in Rio de Janeiro. Eigentlich hatte die damals 30-Jährige ihre Karriere als Profisportlerin schon an den Nagel gehängt und sich voll auf ihren Job als Ärztin konzentriert. Doch im Jahr 2021 stellte ein Schlaganfall alles auf den Kopf.
Nur ein Jahr nach diesem schweren gesundheitlichen Einschnitt entfachte ein TV-Beitrag über Para-Sport ihr Feuer neu. Sie kehrte zum Leistungssport zurück, anfangs wieder im Ruderboot.
Bei den Paralympics 2024 in Paris schrammte sie im Mixed-Vierer haarscharf an der Bronzemedaille vorbei. „Ich war danach frustriert vom Rudern. Dann wurde ich angesprochen, ob ich nicht Skilanglauf ausprobieren will. Dann ging es ratzfatz“, erzählt Marchand.

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In ihrem zweiten Winter als Langläuferin qualifizierte sie sich für die Paralympics. (Archivbild)
Völlig neu war der Skilanglauf für sie nicht, da sie ihn als Ausdauereinheit vom Rudern kannte. Zuerst stand aber die Frage im Raum, ob ihre physischen Beeinträchtigungen für eine Teilnahmeberechtigung genügen würden.
Die Folgen des Schlaganfalls sind spürbar: Die 35-Jährige hat auf beiden Augen ein um ein Drittel reduziertes Sichtfeld und ihre linke Körperseite ist in ihrer Funktion limitiert. Zudem bereiten ihr das Erledigen mehrerer Aufgaben gleichzeitig oder die Orientierung in unbekannter Umgebung Schwierigkeiten. Nachdem die Klassifizierung erfolgreich war, startete sie sofort mit dem harten Langlauftraining.
Von da an stellte sie alles hinten an für ihre neue Karriere im Wintersport. „Um mehr Zeit im Schnee zu verbringen, habe ich meine Festanstellung als Ärztin gekündigt und arbeite nur noch auf Honorarbasis ein paar Mal im Monat“, berichtet die Kölnerin.
Das Rudern gibt sie trotzdem nicht auf. „Um in der Sportförderung zu bleiben, rudere ich weiter. Im Sommer bin ich Europa- und Weltmeisterin geworden“, so Marchand. Laut dpa-Informationen bezieht sie zudem eine Berufsunfähigkeitsrente.

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Kathrin Marchand 2025 bei der Weltmeisterschaft. (Archivbild)
Ihr eiserner Wille trägt Früchte. Gerade einmal 14 Monate nach Beginn des harten Trainings schaffte die Kölnerin die Qualifikation für die Paralympics. „Sie ist sehr zielgerichtet“, lobt Bundestrainer Ralf Rombach. „Sie hat sich sehr, sehr schnell entwickelt und große Fortschritte gemacht. Ich denke, ihre Vergangenheit hat ihr da sehr gut geholfen.“
Bei den Weltcup-Rennen im Januar und Februar in Finsterau sowie im polnischen Jakuszyce landete Marchand in den klassischen Disziplinen auf den Rängen fünf, vier und sogar zwei. Sie selbst schätzt ein, dass für eine Medaille bei den anstehenden Paralympics wirklich alles perfekt laufen muss. In Italien geht sie am Dienstag im Klassik-Sprint an den Start, gefolgt von den 10 Kilometern klassisch am Mittwoch.
Viele ihrer Gegnerinnen bei den Paralympics sind auch im Biathlon aktiv. „Biathlon ist noch kein Thema, da ich im Skating immer komplett hinterherfahre. Aber ich schiele schon immer auch ein wenig aufs Gewehr. Vielleicht dann nach den Spielen“, meint die ehrgeizige Sportlerin. Doch bevor neue Pläne geschmiedet werden, steht jetzt erst mal ein historischer Moment an. (red)
Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.

